Während sich die Kinder über die Schneemengen freuen, nimmt der Ärger bei den Bür-gern zu. Die einen bemängeln, dass der Schnee auf die Straßen geschippt wird. Die anderen, dass er von der Straße wieder auf die Gehwege geräumt wird. Dennoch hält sich das Schneechaos im Landkreis in Grenzen.

Zerbst. Gewissenhaft schippen die Zerbster den Schnee von ihren Gehwegen. Schon morgens um 6 Uhr sind die ersten dabei. Aber: "Die Zerbster schippen den Schnee sehr gern auf die Straße", bemängelt Ronald Friese, der als Kurierfahrer die Beobachtung an verschiedenen Ecken der Stadt macht. "Dadurch werden die ohnehin engen Straßen noch enger."

Eine Nachfrage bei der Stadt ergab, dass bei Räumarbeiten der Schnee auf den Grün- oder Seitenstreifen zusammengeschoben wird. "Damit wird verhindert, dass an besonders engen Stellen der Verkehr behindert wird", betont Stadtsprecher Jan Hädrich. Im vergangenen Jahr sei dies in der Goethestraße nicht beachtet worden und es kam dadurch zu Störungen im Busverkehr. Doch es gibt noch mehr zu beachten: Bei diesen tiefen Temperaturen müssen an Gebäudeteilen, die unmittelbar an der Straße liegen, Eiszapfen, Schneeüberhänge, aber auch Schneemassen auf Dächern schnellstmöglichst entfernt und Sicherungmaßnahmen eingeleitet werden.

Doch was tun, wenn der zuvor weggeschippte Schnee unfreiwillig wieder vor der Tür liegt? Heiko Bergfeld aus Deetz regte sich gestern Morgen am Lesertelefon genau darüber auf. Gemeinsam mit anderen Nachbarn hatte Bergfeld bereits früh morgens seiner Räumpflicht Genüge getan und Schnee geschippt. "Als ich dann auf Arbeit fahren wollte, lag der ganze Schnee wieder auf dem Gehweg, weil der Schneepflug vorbeigefahren war. Wie sollen diejenigen denn dann den Gehweg räumen, die schon auf Arbeit sind?", fragte er. "Das tut uns leid, aber das kommt vor", räumt Landkreis-Pressesprecher Udo Pawelcyzk ein. Die Räumung von Straßen habe Vorrang. "Außerdem muss der Fußweg nicht auf der ganzen Breite geräumt werden, schließlich muss der Schnee ja auch irgendwo hin." Er bittet indes um gegenseitige Rücksichtnahme.

Während der Winterdienst im Dauereinsatz ist, konnten sich Feuerwehr und Polizei über recht ruhige Stunden in der Nacht zum Donnerstag freuen. "Wir mussten nicht einmal ausrücken", sagt Stadtwehrleiter Jürgen Dornblut. Auch die Polizei hatte überraschenderweise wenig zu tun. Fünf Verkehrsunfälle mit Blechschäden wurden bis zum gestrigen Mittag gemeldet. Die Schadenssummen belaufen sich auf 100 bis 15 000 Euro. Der größte Unfall ereignete sich dabei in Bitterfeld, als vier Fahrzeuge ineinander fuhren. Der Verursacher war noch mit Sommerreifen unterwegs. "Die Fahrzeugführer haben sich weitestgehend auf die winterliche Situation eingestellt und gehen entsprechend vorsichtig vor", erklärt Michael Däumich, Pressesprecher des Polizeireviers Anhalt-Bitterfeld, die überschaubare Unfallsituation. Dennoch warnt er die Autofahrer vor gefährlichen Schneeverwehungen. "Oft denken die Leute es sei nur Schnee, doch darunter befindet sich oft Eis und das macht die Fahrbahn entsprechend glatt."

Auch die Trinkwasserversorgung in Zerbst ist noch von Frostschäden verschont geblieben. "Noch hat sich niemand gemeldet, aber ich bin mir sicher, das wird noch kommen", sagt Torsten Hermann, Heidewasser Bereichsleiter Zerbst. Um dieses jedoch zu verhindern, rät er den Hauseigentümern, Kellerfenster zu schließen und den Zähler mit Isolierwolle einzupacken.