Die Vorsitzende des Vereins Hilfe für Tschernobylkinder aus Brjansk, Dr. Ljuba Schmidt, konnte in dieser Woche unzählige Weihnachtsgeschenke entgegennehmen. Gepackt hatten sie Schüler, Lehrer und auch das technische Personal der Zerbster Ganztagsschule Ciervisti. Kleidung, Schuhe, Bettwäsche und Plüschtiere befanden sich ebenfalls unter der großzügigen Spende.

Zerbst. "Vielen herzlichen Dank. Das ist eine ganz tolle Geschichte. Die Kinder brauchen Unterstützung", freut sich Dr. Ljuba Schmidt über die Initiative der Zerbster Ganztagsschule. Die ging von Birgit Friedrich aus. Die Deutsch- und Russischlehrerin hatte im August eine der jungen Tänzerinnen der Folkloregruppe aus Brjansk bei sich aufgenommen. Außerdem steht sie seither in Kontakt zur damals mitgereisten Dolmetscherin Arla Pluotnikowa. "Sie ist Deutschlehrerin am Gymnasium Nummer 2 in Brjansk", erzählt Birgit Friedrich, wie sich dadurch allmählich ebenfalls Brieffreundschaften zwischen den Schülern entwickeln.

Neben Mädchen und Jungen aus der fünften und siebten Klasse sowie einigen Lehrern von "Ciervisti" waren es vor allem die Schüler der 6a, die tatkräftig Geschenke packten. "23 sind allein von ihnen", bemerkt Birgit Friedrich. Insgesamt sind es noch weit mehr. Die Vorsitzende des Vereins Hilfe für Tschernobylkinder aus Brjansk kann sich da gar nicht genug für die zahlreichen liebevoll verpackten Geschenke bedanken. Ins Auge fallen ihr dabei drei große, in durchsichtige Folie gehüllte Puppen. Eine greift sich Ljuba Schmidt sofort. "Die wird Alana bekommen", erklärt sie, dass das Mädchen an diesem Tag ihren zehnten Geburtstag feiert.

Alana gehört der Gruppe an, für die der Verein derzeit in Hamburg einen fast zweiwöchigen Deutschlandaufenthalt organisiert. Es handelt sich dabei um fünf Kinder und Jugendliche zwischen acht und 20 Jahren, die während des blutigen Geiseldramas von Beslan Geschwister verloren haben. Begeleitet werden sie von einer Lehrerin und einer Dolmetscherin. "Alana hat damals ihren kleinen Bruder verloren", berichtet Ljuba Schmidt. Kurz schildert sie den Sechstklässlern, wie am 1. September 2004 tschetschenische Terroristen in der Beslaner Mittelschule mehr als 1100 Kinder und Erwachsene in ihre Gewalt brachten und die Geiselnahme nach drei Tagen in einer Tragödie mit über 300 Toten endete. Da die Betroffenen nie eine psychotraumatische Behandlung erhalten haben, leiden sie bis heute unter den schrecklichen Erlebnissen, weiß die rührige Vereinsvorsitzende. Aus dem Grund lädt der Verein nicht mehr nur regelmäßig Gruppen aus dem radioaktiv verseuchten Gebiet um Brjansk, sondern auch aus Beslan nach Deutschland zu Erholungsaufenthalten ein.

"Morgen werden wir wieder nach Hamburg fahren", informiert Ljuba Schmidt die Sechstklässler, bevor sich diese die vielen Präsente schnappen. Mit vereinten Kräften haben sie die Mädchen und Jungen in nicht einmal fünf Minuten in dem Transporter verstaut. Auch die Säcke mit Kleidung, Schuhen, Bettwäsche und Plüschtieren, die ebenfalls gespendet wurden, räumen die Schüler in das Fahrzeug. "Wenn wir in Hamburg ankommen, werden die Geschenke gleich ausgepackt", ist sich Ljuba Schmidt sicher. Einen Teil werden die fünf jungen Beslaner für sich, ihre Geschwister und Familien mitnehmen, der Rest wird später auf weitere Kinder verteilt. "Noch einmal vielen Dank", erklärt die Vereinsvorsitzende zum Abschied.

Unterdessen erwähnt Birgit Friedrich noch den Schul-Hausmeister Kurt Bösicke. "Von ihm sind die Puppen. Er hat auch Spielzeug gespendet und beim Transport der Sachen geholfen", erzählt sie und richtet dafür ein großes Dankeschön an ihn.

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