Die ganze Nacht hat es von Donnerstag auf Freitag heftig geschneit, und das ging auch den ganzen Tag über weiter. Autos müssen von einer dicken Schneedecke befreit werden, Anlieger sind vor ihren Grundstücken aktiv. Und natürlich ist der Winterdienst der Stadt im Einsatz. Die Volksstimme war mit ihm in Zerbst unterwegs.

Zerbst. Es schneit ununterbrochen. Der Wind ist eisig. Seit 4.30 Uhr sind Katrin Gas und Andreas Peltzer im Einsatz. Salz hat das Auto geladen und Streugut. "Damit können wir jetzt aber noch nichts anfangen. Es schneit, und der Schnee würde das Streugut zudecken, wäre also vergebene Liebemüh‘. Wir fahren nachher noch einmal los", erläutert Katrin Gas, die seit 16 Jahren beim Bau- und Wirtschaftshof arbeitet. Es ist ihr 13. Winterdienst. Ist die Arbeit nicht zu schwer für eine Frau? "Ach was! Ich mache den Winterdienst gern, und er muss ja gemacht werden", sagt sie ganz selbstverständlich. "Ich muss einfach an der frischen Luft arbeiten, bin warm angezogen."

An der Marienpforte halten die beiden an, nehmen Schaufeln von der Ladefläche und los geht‘s. Sie schippen den Schnee vom Fußgängerweg. "Wir erfüllen die Anliegerpflichten der Stadt, räumen also dort, wo die Stadt Eigentümerin ist", so die sympathische Frau, die zupacken kann. "Wir halten dort die Fußgänger- und Fahrradwege sowie die Bushaltestellen frei", erläutert sie.

Raus mussten die Winterdienstler in den vergangenen Tagen sehr früh. "Normalerweise fängt unser Dienst um 6.45 Uhr an und geht bis um 16 Uhr", erläutert Andreas Peltzer. "Daran ist dieser Tage nicht zu denken. Jetzt geht es um 4.30 Uhr los." Der Bereitschaftsdienst des Bauhofes, der das Wetter ständig beobachtet, klingelt dann die Mitarbeiter früher aus den Betten. "Das geht dieser Tage nicht anders", nickt Andreas Gas. "Das ist nun mal so."

Gegen 8.45 Uhr machen die Mitarbeiter eine viertel Stunde Frühstück und von 12 bis 12.30 Uhr Mittag. "Ansonsten wird geschippt, geräumt, gestreut", nickt Peltzer. Für ihn ist es der erste Winterdienst. "Ich habe im Mai dieses Jahres beim Bauhof angefangen. Aber mir macht der viele Schnee nichts aus. Ich mache die Arbeit gern." Wird sie von den Zerbstern anerkannt? "Es gibt schon Leute, die uns ein lobendes Wort sagen", so Andrea Peltzer. "Wenn sich Leute bei uns beschweren, dass ihre Straße nicht geräumt ist, dann verweisen wir sie direkt an den Bauhof, der gibt Auskunft."

Dort hat dessen Leiterin Regina Frens auch für den Winterdienst den Hut auf. "Nicht alle Straßen in Zerbst werden von uns geräumt", sagt sie. "Manche Einwohner glauben, dass alle Straßen, die wir im Sommer reinigen, auch durch uns im Winter von Schnee freigehalten werden. Das ist aber nicht so. Es gibt Straßen, da machen wir nur die Reinigung, bei anderen sind wir für die Reinigung und den Winterdienst zuständig. Und bei wieder anderen zeichnen wir nur für den Winterdienst verantwortlich. Bei welchen was genau zu machen ist, das legt das Straßenreinigungsgesetz unserer Stadt fest." Und das auch nur bei Gemeinde- und Stadtstraßen. Bundes-, Landes- und Kreisstraßen obliegen den Straßenmeistereien.

15 Fahrzeuge unterwegs

In den Nachrichten war zu hören, dass in einigen Städten bereits das Streusalz knapp wird. Wie sieht das in Zerbst aus? Regina Frens: "Wir haben eher ein Problem mit den 25-Kilogramm-Säcken und den sogenannten Bigbags (große Taschen), die eine Tonne fassen. Die werden knapp. Am Montag weiß ich mehr zum Thema Nachschub."

Und wie ist die Chefin mit ihren Mitarbeitern zufrieden? "Ich mache allen 21 Frauen und Männern ein Kompliment. Sie sind unermüdlich im Einsatz. Auch alle unsere 15 Fahrzeuge sind in Sachen Winterdienst ständig unterwegs."

Katrin Gas und Andreas Peltzer schippen jetzt die Holzbrücke an der Stadtmauer frei. Anwohnerin Gerda Müller kommt vorbei. "Ich bin mit dem Winterdienst im Großen und Ganzen zufrieden", sagt sie anerkennend. "Es ist zwar nicht jeder Weg perfekt geräumt, aber bei den Schneemengen können die Mitarbeiter wirklich nicht überall gleichzeitig sein."

Zurück im Auto klingelt das Handy von Katrin Gas. Sie hört zu, sagt dann in den Hörer "ist wohl besser so". An ihren Kollegen gewandt: "Andreas, unsere Weihnachtsfeier fällt heute aus. Zu viel Schnee, wir müssen alle nachher noch mal raus."

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