Zerbst. "Es geht nicht mehr so gut mit den Augen, und die Ohren wollen auch nicht mehr so gut hören", meinte Anna Pätzold, geborene Schuboth. Dabei hat sie es auch seit drei Jahren in den Knochen, klagt die Jubilarin über ihre Gesundheit.

"Das merken wir bei uns schon mit 50", antworteten ihre Gäste, die am gestrigen Montag ihren 100. Geburtstag in einem Zerbster Hotel feierten. Und auch der Dezernent der Kreisverwaltung Dietmar Reineck und der Zerbster Bürgermeister Helmut Behrendt, die zum Ehrentag kamen und die herzlichsten Glückwünsche aussprachen, staunten über die rüstige Seniorin, die seit 1988 in ihrer Ein-Raum-Wohnung am Wegeberg wohnt. Damals zog sie hierher, da das altersgerechte Haus mit Schwesternstation und Anlaufstelle samt Klubräume der Volkssolidarität für das Wohnen für ältere Mitbürger warb.

Wöchentlich kommt ihre Enkelin Susanne mit Ehemann und Urenkelin aus Roßlau, die sich um Einkäufe und viele andere Dinge des täglichen Lebens kümmern.

Wenn Anna Pätzold auf ihr Lebensjahrhundert zurückblickt, dann heißt dies auch, sich an ein bewegtes Leben zu erinnern. Der Vater ist im Ersten Weltkrieg gefallen, sodass die Mutter mit zwei Töchtern ihre Kinder allein großziehen musste. Die junge Anna verlebte ihre Kindheit in der Magdeburger Straße und besuchte die Schule "Am Plan". Anschließend erlernte das Mädchen den Beruf der Schneiderin bei Frau Schmidt auf dem Hoheholzmarkt.

Nach der Lehre arbeitete sie als Hausschneiderin in der Wohnung, Fritz-Brandt-Straße (jetzt Jeversche Straße). Das kleine Haus Nr. 46 hat ihre Mutter käuflich erworben. 1933 hat sie erstmalig geheiratet. Dann ging sie 1952 die zweite Ehe mit Karl Pätzold ein. Sie blieb dem Schneiderhandwerk treu, trat doch beruflich etwas kürzer, um ab 1962 für drei Jahre die Betreuung des Enkelkindes Susanne zu übernehmen, deren Eltern Gerda und Kurt aus der ersten Ehe ihres Mannes stammen. Aber auch Nichten und Neffen fanden bei ihr stets eine offene Tür und besuchen sie heute noch, soweit die Möglichkeit besteht.

Ebenso interessiert sich die 100-Jährige für die Geschehnisse in Zerbst und der Welt. Dazu informiert sie sich täglich im Fernsehen, aber auch die Volksstimme wird täglich, wenn auch mit der Lupe, intensiv gelesen.