Zerbst. Die "Zickenberge", wie der Zerbster sagt, sind regelmäßig im Sommer zum Reit- und Fahrturnier im Blick der Öffentlichkeit. Ansonsten liegt das nicht sonderlich interessante Zerbster Fleckchen am Ende des Boneschen Weges eher abseits des öffentlichen Geschehens. All das störte Familie Keller, die hier seit nun schon 15 Jahren im einzigen Gehöft lebt, bisher nicht. Am Dienstag allerdings wurde in einer Meinungsäußerung von Udo Baake, der im Boneschen Weg wohnt, auch über die Winterdienst-Verhältnisse hinauf auf den Ziegenberg berichtet. "Dazu muss ich mich mal melden. So, wie das über den Winterdienst hier dargestellt ist, ist es nämlich gar nicht", meint Veronika Keller. Baake hatte einen übermäßigen Winterdienst, insbesondere Streusalzeinsatz bis hinauf auf den Ziegenberg, kritisiert.

Als Mitarbeiterin eines Zerbster Pflegedienstes arbeitet Frau Keller in zwei Schichten, hat auch Bereitschaftsdienste. "Der Weg muss frei sein, damit ich durchkomme. Auch wenn er nur für uns hier frei gemacht werden muss." Keine Frage, so Frau Keller, stehe man in der Reihe der wichtigsten Verkehrsadern nicht ganz vorn. "Dass bei uns nicht als erstes geschoben wird, ist klar. Seit dem Wintereinbruch war die Stadt mit ihrer Räumtechnik dreimal hier im Gange. Wenn es so dick kommt wie letztens, dann haben wir einen Bekannten mit einem Traktor, der schiebt den gesamten Weg ab dem Friedhof frei. Das geht dann auf unsere Kappe", beschreibt Familienvater Volkmar Keller den Gang der Dinge.

Vom unterstellten Streusalzeinsatz jedoch wissen beide nichts. "Unser Bekannter hat bestimmt nicht gestreut. Dazu hat er gar keine Vorrichtung. Wir wissen auch nicht, ob die Stadt hier gestreut hat. Auf jeden Fall sieht der Bonesche Weg nicht aus, als wäre dort Salz vergeudet worden."

Veronika Keller ärgert sich vor allem, weil sie bei Patientenbesuchen in Zerbst gelegentlich bereits darauf angesprochen worden sei, wieso beispielsweise am Waldfrieden nicht geschoben wird, dafür den Feldweg hinauf zum Ziegenberg. "Klar kommt der Winterdienst, aber doch längst nicht in dem Umfang, dass man annehmen müsste, dass deshalb in der Stadt wichtige andere Bereiche liegen bleiben. Wie gesagt, nach den heftigen Schneefällen haben wir in eigener Regie dafür gesorgt, dass wir den Berg zum Haus hinaufkommen. Auf eigene Kosten, ganz ohne die Stadt", so Frau Keller. Dies sei genauso selbstverständlich wie die Fahrten mit der Tochter zur Schule, wenn es mit dem Fahrrad nicht geht. "Wir wohnen abseits, völlig klar. Wir wollen ja auch nicht meckern. Es muss bloß klar sein, dass wir hier nicht zu Lasten anderer irgendwelche Winterdienste genießen."