Aus dem fahrenden Auto heraus, haben polizeibekannte Jugendliche die Zeitungszustellerin Katrin Kruse angegriffen und mit einem Stock geschlagen, als diese mit ihrem Rad auf dem Weg zur Arbeit war. Sie blieb nicht das einzige Opfer.

Zerbst. Mittwoch, 1.30 Uhr: Mit dem Fahrrad ist Katrin Kruse auf der Breite unterwegs. Sie ist Zeitungszustellerin und auf dem Weg zum Zeitungsdepot in der Jeverschen Straße. "Plötzlich bemerke ich ein Auto hinter mir, das ohne Licht fährt", erinnert sich die 40-Jährige.

In diesem Wagen sitzen mehrere Jugendliche, bewaffnet mit einem Stock. Als sie auf Höhe von Katrin Kruse sind, schlagen sie der Frau mit dem Stock auf den Rücken und fahren weiter. "Zum Glück bin ich nicht gestürzt. Es tat auch gar nicht so weh. Ich dachte, es wäre Pappe oder so", schildert Kruse die Situation. Irgendetwas rief sie dem Wagen noch hinterher und fuhr weiter. "Ich dachte nur, hoffentlich kommen die nicht zurück."

"Ich musste meine Tour abbrechen, weil die Schmerzen zu groß wurden"

Doch sie kamen. Auf der Jeverschen Straße Höhe Kastanienallee versetzte einer der Männer der Frau wieder einen Schlag. Diesmal tat es weh, sehr weh. "Ich bin auf Arbeit angekommen und habe die Polizei gerufen." Nur wenige Minuten später sind die Beamten vor Ort und hören diese Aussage bereits zum zweiten Mal. Zehn Minuten zuvor meldete eine weitere Radfahrerin einen ähnlichen Vorfall. Ihr schlugen die Täter auf den Arm – auch während sie Rad fuhr.

"Ich habe dann wie gewohnt mit meiner Tour begonnen, aber musste nach der Hälfte abbrechen, da die Schmerzen zu groß wurden", erzählt Katrin Kruse weiter. Sie fuhr nach Hause, nahm eine Schmerztablette und schlief ein wenig. "Dann habe ich meine Tour fortgesetzt und beendet", sagt sie dienstbewusst. 280 Zeitungen hatte sie in dieser Nacht auszutragen, kam dabei an 680 Haushalten vorbei. Die Leser, die bereits auf ihre Volksstimme warteten, zeigten Verständnis. Gegen 11 Uhr lag auch die letzte Zeitung im Briefkasten.

Der nächste Weg führte die Frau direkt in die Notaufnahme. Einen großen blauen Fleck konnte sie bereits im Spiegel erkennen. "Ich wollte erst gar nicht hin, aber es musste doch sein."

Seit vier Wochen ist Katrin Kruse Zeitungszustellerin. Briefe der Biberpost stellt sie schon seit drei Jahren zu. "Ich bin noch nie angegriffen worden. Die Leute sind stets nett und freundlich zu mir", erzählt sie. Umso tiefer sitzt der Schock über das Geschehene.

Doch beide Frauen reagierten richtig und merkten sich das Kennzeichen des Wagens. "Die Beamten haben sofort die Suche nach dem Wagen eingeleitet und sind wenig später in Zerbst fündig geworden", teilt Michael Däumich vom Polizerevier Anhalt-Bitterfeld mit. Im Wagen saßen mehrere männliche Erwachsene. "Und auch ein Stock konnte sichergestellt werden." Zudem nahmen die Beamten die Personalien der Verdächtigen auf, die bereits polizeibekannt sind. "Sie werden nun Vorladungen erhalten. Die entsprechenden Anzeigen liegen uns vor."

Eine solche Gewalt ist auch für Ellen Scheibner, Vertriebs-inspektorin des Dienstleistungszentrums Zerbst, neu. "Dass es mal Beschimpfungen gibt, sind wir gewohnt, aber körperliche Gewalt kam bisher noch nicht vor." Dass im Sommer, wenn die Jugendlichen zu dieser späten Zeit von der Disko kommen, der eine oder andere mal dicht auffährt, sei man gewohnt. Im Winter ist dies aber ungewöhnlich. "Ich dachte immer, nachts ist es ziemlich ruhig, da passiert schon nichts", erzählt Katrin Kruse, die bereits harte Wochen hinter sich hat.

Der ständige Kampf gegen den Schnee zehrt auch an den Kräften der Zusteller. "Man kommt einfach nicht voran", bringt es Kruse auf den Punkt. Die Fußwege sind enger, um diese Uhrzeit nicht geräumt und die Glätte – vor allem auf den Stufen – ist auch ein Risiko. "An Radfahren ist nicht zu denken", sagt sie. Stattdessen wird geschoben. Und das kostet Zeit. "Normalerweise dauert diese Tour rund drei Stunden. Bei diesen Witterungs- bedingungen ist es etwa doppelt so lang."

"Sie sind verlässlich und versuchen ihre Arbeit bestmöglich zu machen"

Doch Schnee und Eis sind nicht die einzigen Probleme, mit denen die Zusteller kämpfen. "Gerade bei diesem Wetter wäre es schön, wenn die Leute mehr Zugänge von der Straße zum Fußweg schaffen würden. Die Männer und Frauen sind mit den Rädern meistens auf den Straßen unterwegs, da die noch halbwegs frei sind. Sie müssen aber irgendwie auf den Gehweg gelangen", appelliert Scheibner. Zudem gebe es noch viele dunkle Ecken in Zerbst. "An so manchem Haus wäre ein Bewegungsmelder schön oder wenigstens ein bisschen Licht, damit man den Briefkasten findet."

Dennoch ist Ellen Scheibner mit der Arbeit ihrer Zusteller mehr als zufrieden. "Sie sind verlässlich und versuchen ihre Arbeit bestmöglich zu machen." Dennoch bittet Scheibner noch einmal für Verständnis, sollte die Volksstimme, der Generalanzeiger oder die BiberPost in den kommenden Tagen doch etwas verspätet zugestellt werden. Ursache sind zahlreiche krankheitsbedingte Ausfälle. "Ich bitte stellvertretend für die Zusteller um Verständnis. Wir tun, was wir können."

Und auch an ihre "Truppe", Männer und Frauen, richtet sich Ellen Scheibner noch einmal: "Danke für euren Einsatz!"