Zerbst l Die Koordinierungsstelle für die Erhaltung des schriftlichen Kulturguts (KEK) schickte bereits im Juli einen Brief mit äußerst positivem Inhalt an die Historische Francisceumsbibliothek in Zerbst.

Darin enthalten war der Bewilligungsbescheid für die Restaurierung eines sechs Bände umfassenden theologischen Werkes von Johannes Coccejus. Es trägt den Namen "Opera omnia theologica", das 1673 in Amsterdam gedruckt wurde. Die Zuwendung erfolgt über die Stiftung Preußischer Kulturbesitz der Staatsbibliothek zu Berlin aus Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien und der Kulturstiftung der Länder mit dem Schwerpunktthema 2015: "Vergessene Kostbarkeiten".

Die Francisceumsbibliothek Zerbst ist eine öffentlich zugängliche Bibliothek mit vorwiegend historischen Beständen aus dem 9. bis 20. Jahrhundert. In ihrer Sammlung befinden sich zahlreiche seltene Werke, die dem diesjährigen Restaurierungsthema gerecht werden.

Schimmelbefall an Seiten

Trotz der heutigen sehr guten klimatischen Bedingungen in der historischen Bibliothek hinter den bis zu einem Meter starken Klostermauern gebe es einige Bücher, die im Laufe der Jahrhunderte starke Beschädigungen aufweisen und dadurch die Gefahr des Verlustes der Lesbarkeit und der Nutzungsfähigkeit besteht, erklärte Kreissprecherin Marina Jank. Zu diesen gehört in besonderem Maße das sechsbändige Werk des Johannes Coccejus. "Er war ein reformierter Theologe des 17. Jahrhunderts, dessen Werk am Gymnasium illustre Anhaltinum, der anhaltischen Landesuniversität, genutzt wurde und seinen Platz in der Gymnasialbibliothek, der heutigen Francisceumsbibliothek fand", sagte Jank. Die Werkausgabe sei damit ein Zeugnis der anhaltischen Bildungs- und Religionsgeschichte und ein Beispiel für die unterschiedlichen Strömungen innerhalb des Protestantismus nach der Reformation.

6200 Euro für alle Bücher

Alle Bände der Coccejus-Ausgabe weisen sehr starke Einbandschäden sowie teilweise Schimmelbefall auf, so dass eine Restaurierung dringend erforderlich sei. Maßnahmen wie Schimmelbehandlung, Papierrestaurierung besonders geschädigter Blätter und Lagen, Heftungsstabilisierung sowie die Rekonstruktion der Pergament-Einbände sind dafür notwendig.

Der Umfang der Restaurierungskosten betrage insgesamt rund 6200 Euro. Davon sind 5200 Euro Bundesmittel und 1000 Euro Spende des Fördervereins Francisceum, die als Eigenmittel der Francisceumsbibliothek für die Maßnahme eingesetzt werden.

Die Wiederherstellung des Werkes für die Bestandsnutzung bei Präsenzbenutzung und öffentlicher Präsentation bei Führungen durch den historischen Bestand sowie der Erhalt für die Nachwelt sind Ziel der Restaurierungsmaßnahme, die bis zum Jahresende 2015 abgeschlossen sein soll.

Bis zum geplanten Maßnahmebeginn Mitte September können sich interessierte Besucher von den restaurierungsbedürftigen Büchern in ihrem jetzigen Zustand ein Bild machen.