Keller, Gewölbe und verschlossene Türen haben seit jeher etwas Geheimnisvolles. Die Zerbster Volksstimme schaut sich in einer losen Serie in der Zerbster Unterwelt um und öffnet auch Türen, die sonst verschlossen blieben. Heute: Die Keller des Schlosses.

Zerbst. Etwas dunkler wird es auf den Stufen abwärts. Große Holztüren werden geöffnet, breite Treppen passiert, bis man sich in den untersten Räumen im Zerbster Schloss befindet. Der Weg geht durch viele Bögen, die Gewölberäume haben eine normale Höhe und hier und da ist auch ein zugemauertes Fenster zu sehen. An der Decke des ersten Gewölbes sind kleine Tropfsteine zu sehen, die Wände sind feucht. "Vermutlich Salpeter, und es regnet wohl durch", erklärt Dirk Herrmann, Vorsitzender des Fördervereins Schloss Zerbst.

Man befindet sich im Burgkeller - in einem der zwei Keller des Schlosses. Dieser ist der ältere, der vermutlich zu Zeiten der Burganlage gebaut wurde und zu einem Haus gehörte, das vorher an der Stelle des Schlosses stand. Die Gewölbe verlaufen vom noch stehenden Ostflügel Richtung ehemaligem Westflügel. Aber auf etwa der Mitte des Schlosshofes hören die jetzt noch vorhandenen unterirdischen Gewölbe auf. "Hinter dieser Wand dort, könnte ich mir vorstellen, dass es noch weiter geht", deutet Hermann an und zeigt auf eine Wand, an der zugemauerte Stellen zu erkennen sind. Eines der bisher noch ungelüfteten Geheimnisse des Schlosses.

Der Burgkeller war wohl auch schon in der Vergangenheit ein Geheimnis, denn er war lange Zeit verschüttet. "Als 1743/44 das Haus abgetragen wurde, um das Schloss errichten zu können, hat man den Schutt in den Keller gebracht. Erst etwa 1930 wurde er wieder durch den Reichsarbeitsdienst geleert", erklärt Herrmann. Wer da beteiligt war, ist bis heute an den Namenszügen mit Jahresangabe in verschiedenen Räumen nachvollziehbar. Zu Kriegszeiten wurde der Keller dann als Luftschutzbunker genutzt. Die etwa 1,80 Meter dicken Außen- und 1,20 Meter dicken Innenmauern, die eine gleichmäßige Temperatur von etwa 7 bis 10 Grad das ganze Jahr halten, wurden deshalb früher als Lager für Lebensmittel, Bier und Wein genutzt.

Vom Burgkeller geht es hoch in den Schlosskeller, der zum Schloss geplant und gebaut wurde. Die Räume werden teilweise bis zu neun Metern hoch, manchmal mit Fenstern, die größer als jede Terrassentür sind. "Die Architektur musste das Gefälle auf dem Gelände ausgleichen, so dass manche Kellerräume fast wie Fürstenräume wirken", erklärt der Vorsitzende. Im Schlosskeller des noch bestehenden Haupthauses konnten Überbleibsel der Schlossküche gesichert werden. Es existiert noch eine Feuerstelle mit funktionierendem Abzug, in der ein riesiger, angewärmter Sandstein früher die Speisen warmhielt, außerdem ist eine Ofenklappe zu entdecken, die zu einem Ofen im Nebenzimmer gehörte. Auch ein Brunnen ist wenige Meter neben der Feuerstelle zu sehen. Ein Brunnen im Raum? "Natürlich. Um vorzubeugen, dass das Trinkwasser vergiftet wird. Und hatte man Personal, auf dass man sich verlassen konnte, war es ein sichere Sache." Der Keller des Schlosses ist voll mit Geschichten und Zeitzeugnissen, die der Öffentlichkeit nur sehr selten gezeigt werden können. "Aber zum Bollenmarkt werden wir wieder ein paar Führungen anbieten", versichert Herrmann.

   

Bilder