Nazareth/Bethlehem. Für den als Konzert- und Begegnungsreise vorbereiteten Besuch in Israel und Palästina waren im Vorfeld zwei Konzerte und ein Begegnungstreffen fest vereinbart. Doch dabei sollte aber es nicht bleiben.

"Nehmt morgen bitte eure Noten mit, meine Lieben", nett und doch bestimmt formulierte Chorleiter Tobias Eger fast jeden Tag diesen Auftrag. Denn mehrfach sang, spontan nach Rücksprache des Reiseführers Maurice mit den Verantwortlichen in den besuchten Kirchen, die Zerbster Kantorei einige Lieder ihres geistlich geprägten Repertoires.

Für Chormitglieder oder Zuhörer ist es ein ganz besonders prägendes Erlebnis, an solchen authentischen Orten der Entstehung, Entwicklung und des aktuellen Wirkens der Religionen, die mit dem Inhalt des Reisemottos "Auf den Spuren Jesu im heiligen Land" verbundenen Lieder zu singen beziehungsweise zu erleben.

Das erste geplante Chorkonzert der Zerbster Kantorei fand in der Evangelischen Baptistenkirche in Nazareth statt. Sie befindet sich nur gut zweihundert Meter entfernt vom Hotel "Rimonim" in Nazareth, in dem die Gruppe während des ersten Teils der Reise wohnte.

Die Zerbster Kantorei, gesanglich unterstützt von einigen befreundeten Sängerinnen und Sängern aus Magdeburg, Berlin und Schwerin, verlieh dem Konzert durch den Auftritt in Chorkleidung eine eindrucksvolle optische Wirksamkeit und Feierlichkeit.

Das Konzert umfasste 16, teils eigens für die Reise einstudierte Lieder, so Psalm 111 "Ich danke dem Herrn", das gesungene "Vater unser" oder das für Israel-Palästina wohl sehr bedeutende Friedenslied "Verleih uns Frieden". Der Chor bestach einmal mehr durch ausgeprägten polyphonen Gesang bei vorzüglicher Balance der einzelnen Stimmen. Besondere Wirkung erzielten die Liedvorträge, indem die Liedtexte jeweils vorher übersetzt wurden.

Das zweite Auftritt in der Kirche der Evangelischen Reformationsgemeinde in Beit Jala, nahe Bethlehem, hatte mit über 200 Besuchern eine unerwartete sehr große Resonanz. Vor dem abendlichen Konzert traf sich die Reisegruppe mit dem dortigen Pfarrer Jadallah M. Shihadeh, der auch die "Abrahams Herberge" leitet, zu einer Informationsstunde. Er informierte über das dort gelebte Zusammentreffen von Menschen unterschiedlicher Herkunft, Religion und Einstellungen, Menschen aus Palästina, Israel, aus arabischen Staaten und aller Welt.

Es sei ein konkretes Ziel, so Reverend Shihadeh, dass sich innerhalb der palästinensischen Gemeinschaft christliche und muslimische Palästinenser besser verstehen und den Respekt voreinander bewahren.

So erlebten Christen und Moslems gemeinsam in der überfüllten Kirche das Konzert der Zerbster Kantorei. Innerhalb des Programms sang das neunjährige blinde arabische Mädchen Jara ein Lied ihrer Heimat. Sie und der Zerbster Chor wurden mit viel Beifall gefeiert.

Nach dem Konzert gab es zahlreiche spontane Begegnungen zwischen Chormitgliedern und Zuhörern. Darunter befanden sich auch der Bürgermeister von Beit Jala und zwei weitere Bürgermeister aus benachbarten Städten.

 

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