Die Kritik von Landwirten und Anwohnern an der Unterhaltung der Nuthe reißt nicht ab. Nachdrücklich wiesen Betroffene bei der jetzt durchgeführten Gewässerschau wie schon in den Vorjahren auf den dringenden Handlungsbedarf hin.

Zerbst/Walternienburg l Zunehmend versumpfen Gärten, während Ackerflächen unter Wasser stehen - der Frust bei Anwohner und Landwirten ist groß. Als Ursache für die ausschreitende Vernässung machen die Betroffenen die ihrer Ansicht nach unzureichende Unterhaltung der Nuthe verantwortlich. Neben einer vernünftigen Entkrautung fordern sie deshalb die Entschlammung des Flusses.

"Irgendwie muss was kommen. Es kann nicht sein, dass wir enteignet werden", betont Peter Strauß. Als direkter Nuthe-Anlieger kennt der stellvertretende Ortsbürgermeister von Walternienburg die Situation. "Ich habe Wasser im Garten", berichtet er nichts wirklich Neues. Und genau das ist es, was die betroffenen Bürger so ärgert - immer wieder weisen sie auf die gleichen Probleme hin. Aber es passiert nichts, wie Gerald Steinz von der Landwirtschaftlichen Produktions- und Handelsgesellschaft Walternienburg am Dienstag bei der diesjährigen Nutheschau konstatiert.

Das Augenmerk gilt an diesem Vormittag dem Abschnitt zwischen Zerbst und der Einmündung des Flusses in die Elbe. Neben Landwirten und Anwohnern nehmen Vertreter der Stadt Zerbst, des Landkreises Anhalt-Bitterfeld, des Biosphärenreservats Mittelelbe, des Unterhaltungsverbandes Nuthe/Rossel sowie des Amtes für Landwirtschaft, Flurneuordnung und Forsten (ALFF) an der Gewässerschau teil. Zu dieser hat der Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft (LHW) eingeladen. Der LHW ist zuständig für die Unterhaltung der Nuthe, für die sich Flussbauingenieur Frank Torger auch bei diesem Termin mehrfach rechtfertigen muss.

So erläutert er, dass die diesjährige Krautung der Nuthe im Bereich Walternienburg aufgrund des hohen Wasserstandes vorläufig eingestellt werden musste. Nur mittlerweile weist der Fluss im Sommer wie im Winter einen hohen Pegel auf, wie Gerald Steinz erklärt. "Wir haben immer mehr vernässte Flächen, für die es keine Beihilfen gibt", schildert er die Folgen. Und auch der Ertrag ist verloren. Bereits 30 Hektar Wiese könnten sie nicht mehr mähen. "Wie müssen wir weiterverfahren, um etwas zu bewegen?", fragt er. Wenn nichts geschehe, müssten sie klagen, bemerkt Peter Strauß.

Zugleich werden Bedenken laut, wie man bei dem aufgeweichten Uferbereich überhaupt zum Krauten an den Fluss herangekommen will. Entsprechende Technik müsse da her, heißt es. Unterdessen schlägt Margit Rühe von der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises vor, dass sich die Verantwortlichen beim LHW und beim ALFF einmal zusammensetzen, um eine Lösung zu finden. Vor allem eine zeitnahe Lösung würden die Betroffenen sehr begrüßen.

Entsprechend positiv nahmen sie die Information auf, dass die Nuthe zwischen der Eisenbahnbrücke Barby-Flötz und dem Ortseingang von Walternienburg entschlammt werden soll. Das hat die durchgeführte Flussvermessung ergeben. Vorgesehen ist, durchschnittlich 30 Zentimeter des abgelagerten Sediments - hauptsächlich Sand - zu entfernen. Wann die angedachte Grundräumung allerdings realisiert wird, ist momentan noch völlig offen. Zumindest gehört die Maßnahme zu den Vorschlägen der vom Land im Frühjahr eingesetzten Arbeitsgruppen "Vernässung", die nun auf ihre Sinnhaftigkeit geprüft werden, wie Frank Torger darlegt.

Während der Gewässerschau fallen jedoch noch weitere Dinge ins Auge. Da liegen vereinzelt Bäume in der Nuthe oder bleibt Schwemmgut an hineinragenden Ästen hängen. Auch ist die Uferböschung gleich an mehreren Stellen zwischen Zerbst und Nutha sowie gut hundert Meter hinter Kämeritz abgerutscht. "Jetzt sofort kann ich da nichts machen", sagt Frank Torger. Erst einmal müsse ermittelt werden, was eine Wiederherstellung der Böschung kosten würde, erläutert er, dass die protokollierten Schäden und Hinweise - wie auf das häufige übers Ufer treten der Nuthe oberhalb von Kämeritz - der Priorität nach abgearbeitet werden. Keine unwesentliche Rolle spielen dabei die entstehenden Kosten und die Einschränkungen durch den Naturschutz. So ist die Krautung nur in einem begrenzten Zeitraum möglich.

 

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