Ein Fünf-Jahres-Projekt soll Handlungsempfehlungen zum Umgang mit der Norddeutschen Tiefebene erbringen. Ein Teil der Untersuchungen erfolgt im Fläming.

Zerbst l Der Fläming ist neben Diepholz, Uelzen und Oder-Spree die vierte Modellregion, aus deren Untersuchung ein nachhaltiges Landmanagement in der Zukunft abgeleitet werden soll. Was einfach klingt, ist unglaublich komplex. Mehr als 40 Wissenschaftler befassen sich seit knapp einem Jahr mit dem Thema.

In der vorigen Woche trafen sie sich zu mehrtägigen Konsultationen in Bad Belzig. Und erkundeten die Untersuchungs-standorte, trafen sich so auch am Feldrand zwischen Kerchau und Lindau. "Wir unterstützen derartige Forschungsprojekte nach Kräften", betont Peter Gottschalk. Der Agrico-Geschäftsführer wartet gemeinsam mit Dr. Gregor Ollesch auf den Bus voller Wissenschaftler.

Das Feld ist interessant, denn hier hat Ollesch in drei Einzelbereichen Messsonden in der Erde vergraben. In 30, 60 und 90 Zentimetern Tiefe werden die Stoffflüsse untersucht. Allem voran natürlich das Wasser, dann jedoch auch alle vom Wasser transportieren Stoffe. "Der Bereich ist interessant wegen seiner Nutzungsarten. Wir haben hier Waldbewirtschaftung, Ackerbau und eine ganz wesentliche Trinkwasserfassung. Mit unseren Untersuchungen können wir später die hiesige Dynamik des Wasserhaushaltes näher beschreiben. So dass Rückschlüsse und zielgerichtete Einflussnahme möglich sind", erklärt Ollesch.

Gottschalk ist pragmatisch. "Ich freue mich schon sehr über Daten, weil sie einen von den Emotionen wegbringen." Wenn die Land- und Bodennutzungen derart konkurrieren wie im Fläming, ist das häufig nicht leicht. Im Gespräch mit den Wissenschaftlern gab Gottschalk bereitwillig Auskunft über die eigenen Erfahrungen. Ob er wohl die Agrico-Äcker gern bewässern wollen würde? Keine Frage. Doch der Trinkwasserförderer TWM hat das Wasserkontingent und mehr ist den bisherigen Daten zufolge nicht da. "Aber: Ich sehe Wasser! Weil die TWM ihr Kontingent nicht ausschöpft." Zugleich stellt Gottschalk die für die Region offizielle Grundwasserneubildungsrate in Frage. "Unsere Einschätzung dazu liegt leicht über der geltenden. Sollten wir Recht haben, dann wäre hier mehr Wasser verteilbar. Und davon wiederum brauchen wir lediglich fünf Prozent!" Ein gutes Beispiel für die Wissenschaft, wie bedeutsam Zahlen hinter dem Komma in der Praxis werden können.

Der Halt am Ackersaum war interessant, aber knapp bemessen. Die Wissenschaftler reisten weiter. Resultate ihrer Untersuchungen werden davon berührten Institutionen, Behörden, vor allem auch der Politik zugänglich werden. Vielleicht haben sie auch Einfluss auf künftige Denkweisen innerhalb der Regionalen Planungsgemeinschaft Anhalt-Bitterfeld-Wittenberg. Diese ist übrigens direkter Projektpartner.

Das Projekt selbst ist interdisziplinär. Vor dem Hintergrund der sich ändernden ökologischen, ökonomischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen sollen in dem Verbundprojekt Wissens- und Entscheidungsgrundlagen für ein innovatives, nachhaltiges Landmanagement im Norddeutschen Tiefland erarbeitet werden.

Der Diskurs zwischen Wissenschaft und Praxis soll die Wechselbeziehungen zwischen den verschiedenen Landnutzungssystemen offen legen, den Interessenausgleich fördern, die Innovationsbereitschaft verstetigen und die Zukunftsfähigkeit der ländlichen Räume insgesamt stärken.

Näheres unter www.nalama-nt.de

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