Zerbst l 500 000 bis 600 000 Euro will die Wohnungseigentümergemeinschaft "Carree" (WEG) Rennstraße/Brüderstraße für eine neue Heizungsanlage in die Hand nehmen. "Wir haben uns für Blockheizkraftwerke entschieden, für deren Betrieb wir Gas benötigen", sagt Ralf Riehl, Vorsitzender der WEG.

Mit der Umsetzung dieses Vorhabens ist ein Unternehmen beauftragt worden, das ein entsprechendes Energiekonzept aufstellte und Kontakt mit dem hiesigen Versorger aufnahm: der EMS - Erdgas Mittelsachsen. In einem ersten Schreiben stellte die "iht EnergieService GmbH" eine Anfrage zur Erstellung von fünf Gasanschlüssen in der Rennstraße 2 bis 24, Haselopstraße 14 und Brüderstraße 15 bis 35 mit einer Jahresmenge von jeweils 650 000 kWh.

Dimensionierung der geplanten Anlage zu groß für Netz

Die für Riehl überraschende Antwort lautete: "Die angefragte Leistung kann unter den vorhandenen netztechnischen Bedingungen nicht bereitgestellt werden". Sowohl Riehl, als auch Wolfgang Stark, Geschäftsführer der BWZ, die als Verwalter der WEG ebenfalls in diese Thematik involviert ist, können diese Begründung nicht nachvollziehen. "Erst 2006 ist die Gasversorgung in der Rennstraße durch die Gasstadtwerke Zerbst modernisiert worden, auch die Hausanschlüsse", so Stark. Für Riehl und Stark bleibt daher die Frage: Wozu also die damaligen Investitionen, wenn keine Nutzung möglich ist?

Frank Sieweck, Pressesprecher der EMS, konkretisiert die Problematik: "Ein umfangreicher Netzausbau wäre notwendig, um diese Kapazitäten liefern zu können. Das Gasnetz in der Zerbster Innenstadt ist in erster Linie für Kochgas-Kunden dimensioniert".

Mittlerweile hat die "iht" der EMS ein weiteres Schreiben zukommen lassen, in dem nun die Rede von acht Blockheizkraftwerken ist. "Die Schaffung von Hausanschlüssen für den Betrieb von acht Blockheizkraftwerken mit einer Gesamtjahresmenge von 2 248 480 kWh würde bei den jetzigen Netzbedingungen im Stadtgebiet von Zerbst zu erhöhten Druckverlusten und somit möglicherweise zu Versorgungsausfällen führen können. Davon wären zahlreiche Haushalte in der Innenstadt und im Gebiet Dobritzer Straße betroffen", führt Sieweck weiter aus.

Es sei in der Tat richtig, dass die Leitungen in dem genannten Bereich einschließlich der vorhandenen Hausanschlüsse im Jahr 2006 erneuert wurden. "An der Dimensionierung - eben für die Kochgas-Nutzung - wurde jedoch nichts geändert."

Die EMS bot der "iht" eine Kostenkalkulation samt verbindlichem Angebot an. Dies ist derzeit in Arbeit und wird "der ,iht\' zeitnah zugestellt". Des Weiteren sind für den kommenden Winter im Zerbster Netz Druckmessungen durch die EMS geplant, "um die tatsächliche Leistungsfähigkeit besser einschätzen und konkretere Aussagen über den Ausbaubedarf vornehmen zu können", teilt Sieweck mit.

Eigentümer des Gasnetzes in Zerbst waren und sind die Gasstadtwerke Zerbst. Die EMS ist als Netzbetreiber und Betriebsführer tätig.