"Zwiegespräch" nennt Matthias Schilling (51) seine Ausstellung in den Fluren des Zerbster Rathauses, die man inzwischen mit Fug und Recht als "Rathausgalerie" bezeichnen kann. Zu sehen sind 27 Werke aus Malerei und Grafik.

Zerbst l Der freischaffende diplomierte Maler, Grafiker, Architekt und Dozent Matthias Schilling hat seine Werke bereits in zahlreichen in- und ausländischen Ausstellungen gezeigt. Im italienischen Trentino hat er mit zwei 66 beziehungsweise 70 Quadratmeter großen Bildern die Außenfassade der dortigen Schule und des Rathauses gestaltet. Er ist Mitglied im Kunstverein Templin, dessen Vorsitzender er über zehn Jahr bis 2006 war.

Durch eine Art "Künstleraustausch" fand der in Berlin geborene und in der Nähe von Templin/Mecklenburg lebende und schaffende Künstler seinen Weg nach Zerbst.

"Die Ausstellungsprojekte stehen für eine künstlerische Öffnung der Stadt Zerbst."

Kulturamtsleiter Andreas Dittmann

Der Kontakt kam durch "Martha" Irene Leps zustande. Die Zerbster Künstlerin stellte vor einiger Zeit im Kunstverein Templin aus. Sie erzählte dort von der "Rathausgalerie" in ihrer Heimatstadt. Matthias Schilling fragte im Zerbster Kulturamt an. Man verständigte sich auf Inhalt, Umfang und Termin der Ausstellung.

"Wir betrachten diese Ausstellung sowie die in Kürze erneute Ausstellung von Irene Leps in Templin als eine begrüßenswerte künstlerische Öffnung von Zerbst in beide Richtungen", stellte Kulturamtsleiter Andreas Dittmann beim Ausstellungsgespräch zur Vernissage am vergangenen Mittwoch fest.

Die Exposition wurde vom Bürgermeister Helmut Behrendt (FDP) eröffnet. Den musikalischen Part gestalteten Henrike Düben (Klavier) und Clara Leps (Gesang).

"Die meisten ausgestellten Acryl-Malereien sind ganz frisch", erklärte Matthias Schilling. Sie stammen von der diesjährigen fünfwöchigen Malreise nach Norwegen. Zwei Wochen davon wurde er von Malschülern seiner Kurse begleitet. In jedem Jahr unternimmt Matthias Schilling solche Malreisen in verschiedene Gegenden der Welt.

"Die Natur ist so groß. Da muss man nichts Zusätzliches reinbringen oder verändern."

Künstler Matthias Schilling

Den aktuellen Ausstellungstitel "Zwiegespräch" lebte der Künstler auch dort bei der Auseinandersetzung in und mit der Natur. Naturverbundenheit ist für Matthias Schilling die künstlerische Basis seiner Tätigkeit.

Seine überwiegend poetisch-romantisch geprägten Bilder sind nahe am Realismus, widerspiegeln seine Wahrnehmungen und Stimmungen.

Und: "Die Natur ist so groß, da muss man nichts Zusätzliches reinbringen oder verändern. Eher ist man gezwungen, etwas wegzulassen". Demut vor der Natur gehöre zu seinen Arbeitsprinzipien.

"Ich nehme mir viel Zeit, mich der Natur zu nähern, denn hier spiegeln sich immerwährende Prozesse des Werdens und Vergehens wider", beschreibt er seine Intensionen. Aber, so der Künstler, man müsse auch "die Zufälle bewusst herbeiführen".

Matthias Schilling ist ein akribischer Beobachter, der seine Bilder und Grafiken immer unmittelbar am Motiv malt oder zeichnet - bis sie ganz fertig sind. "Da müsse man sich auch mal ganz schön warm anziehen", erzählt er lächelnd.

Das Vor-Ort-Arbeiten sei aber ganz wichtig, weil die jeweiligen äußeren Umstände von immenser Bedeutung für die spätere Wirkung und Aussage des Werkes seien. "Temperatur, Wind, Licht, die Witterung überhaupt beeinflussen den Schaffungsprozess ungemein", fügt er an. Selbst die Luftfeuchtigkeit verändere die Wirkung der Farbe auf dem Papier.

Die Ausstellung im Zerbster Rathaus ist bis Ende Januar 2012 zu sehen.