Welches Kind kennt nicht das Knusperhäuschen aus dem Märchen von Hänsel und Gretel? Ganz aus Lebkuchen ist es genau wie jene süßen Häuschen, die Marga Gäding aus Bias jetzt mit einigen Mädchen und Jungen baute.

Bias l "Bei mir ist noch nichts eingestürzt", freut sich Thoralf. Stolz blickt der blonde Junge auf seinen Rohbau hinab. Ganz aus Lebkuchen sind die Wände, cremiger Zuckerguss hält die Konstruktion zusammen. "Jetzt muss ich das Dach bekleckern", widmet er sich eifrig dem Verzieren des Häuschens. Auch die anderen Nachwuchskonstrukteure gehen eifrig ans Werk. Begeistert greifen sie zu den essbaren Bauteilen. "Es macht Spaß", erklärt Julia.

Die leuchtenden Kinderaugen sind für Marga Gäding der schönste Lohn für ihre Mühen. Mittlerweile seit 2003 lädt die Biaserin alljährlich in der Adventszeit zum Bau süßer Pfefferkuchenhäuser ein. "Schuld ist eine Freundin aus Duisburg", erinnert sich die rüstige Seniorin, wie diese ihrem Sohn damals ein solches Knusperhäuschen zum Selbstbauen schenkte. Als Erzieherin griff sie die Idee sofort auf. Fortan entstanden im Kindergarten leckere Lebkuchenhäuser, wie die frühere Kita-Leiterin erzählt. Als Marga Gäding in Rente ging, hielt sie an der vorweihnachtlichen Tradition fort. "Dann habe ich zu Hause mit ein paar Kindern angefangen", blickt die 70-Jährige auf die Anfänge zurück.

Am Sonnabendvormittag ist es wieder soweit. Elf Mädchen und Jungen zwischen vier und elf Jahren haben sich im Esszimmer von Familie Gäding eingefunden. Die meisten sind aus Bias so wie die Geschwister Julia und Linus, die gleich noch ihren Cousin aus Thüringen mitgebracht haben. Aus Eichholz kommt Anika Johannes, die mit ihrem vierjährigen Sohn Paul nur zu gern das Angebot von Marga Gäding annimmt. "Es ist großartig, dass sie sich so toll kümmert und es nur für die Kinder macht", würdigt die junge Mutter das Engagement der rührigen Biaserin.

Für Marga Gäding, die mit Leib und Seele Erzieherin war, ist das nichts Besonderes. Sie macht es einfach gern. Sechs Bleche Honigkuchen hat die 70-Jährige gebacken und mit dem zu DDR-Zeiten für 45 Pfennig gekauften Hausform-Muster zurecht geschnitten. Dazu Spritzgebäck, das ebenfalls beim Bau der Häuschen zum Einsatz kommt. Sozusagen als Fundamentplatten dienen mit Alufolie umwickelte Pappen. "Meine Arbeit gestern Abend", bemerkt sie lächelnd.

Unterdessen lassen die Kinder ihrer Kreativität freien Lauf. Da dienen Schokoladenstückchen als Balken und werden Gummibärchen zu Zäunen. Selbst Garagen entstehen und aus Schornsteinen zieht Plätzchenqualm. Zu guter Letzt bestäuben die Nachwuchsarchitekten ihre fantasievollen Gebäude mit Puderzucker. "Es schneit, es schneit...", stimmen sie dazu fröhlich an.

Natürlich bleibt das Naschen zwischendurch nicht aus. Zu verführerisch sind all die Leckereien, die Marga Gäding zusammengetragen hat. Stellt sich die Frage, wann die fertigen Pfefferkuchenhäuschen verspeist werden? "Zu Weihnachten", überlegt Thoralf. "Gar nicht", erklärt Julia, bevor sie schließlich die letzten Handgriffe meistert.

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