Das Jahr 2011 hat die Zusammenarbeit über Kreisgrenzen hinaus verbessert. Die wirtschaftliche Entwicklung in Anhalt-Bitterfeld aber könne nicht zufriedenstellen, erklärte Landrat Uwe Schulze (CDU) im Volksstimme-Gespräch.

Zerbst l "Schöner wäre, eine Arbeitslosenquote unter zehn Prozent zu haben. Daran wird weiter zu arbeiten sein." Landrat Uwe Schulze zieht für 2011 ein durchwachsenes Fazit. Die wirtschaftliche Entwicklung in Anhalt-Bitterfeld habe ein erneut gestiegenes Primäreinkommen bewirkt, dennoch "hatte die Krise ihre Auswirkungen. Allerdings waren davon sowohl der Chemiepark in Bitterfeld als auch insbesondere die mittelständischen Unternehmer im Zerbster Raum weniger betroffen, so dass das Bruttoinlandsprodukt gestiegen ist. Wir werden als Landkreis in jedem Fall auch im kommenden Jahr einen Schwerpunkt unseres Handelns in der Wirtschaftsförderung und in der Förderung von Gründungen sehen."

Der Landkreis wird im kommenden Jahr voraussichtlich Investitionen in eine neue Sporthalle für das Francisceum ("Die Grundsatzentscheidung ist gefallen.") sowie weitere Sanierungen im Schulgebäude bewirken. Größere Investitionen sind auch in den Sekundarschulen in Roitzsch und "Völkerfreundschaft" in Köthen vorgesehen.

Zur Zusammenarbeit mit den benachbarten Gebietskörperschaften erklärte Schulze: "Wir bekommen nach und nach Strukturen hinein". Die seit zehn Jahren tätige gemeinsame Regionale Planungsgemeinschaft Anhalt-Bitterfeld-Wittenberg habe wesentliche Planungen nunmehr abgestimmt und vorgelegt. "Mir war immer wichtig, dass die Planungsgemeinschaft unter dem Vorsitz des Dessau-Roßlauer Oberbürgermeisters tätig ist. Dies entspricht der Rolle des Oberzentrums, es ist dadurch sozusagen gezwungen, seine Rolle wahrzunehmen", erklärte der Landrat.

Neu organisiert ist auch der regionale Tourismus. "Anhalt-Bitterfeld hat sich nunmehr in die neue Struktur auch mit eingebracht. Die Zusammenarbeit im neuen Verbund funktioniert. Wittenberg hat den Hut auf. Das nimmt aber keinem der Partner die Arbeit vor Ort ab. Dem stellen wir uns auch künftig."

Als drängende Aufgabe der regionalen Zusammenarbeit sieht Schulze die Einbindung des Landkreises Wittenberg in die Wirtschaftsförderung Tourismus Anhalt GmbH. Hier arbeiten Anhalt-Bitterfeld und Dessau-Roßlau bislang zu wirtschaftsfördernden Aspekten zusammen. "Ich finde, es ist ganz wichtig, dass diese dritte Säule der regionalen Zusammenarbeit vollendet wird. Dies wäre dann aus meiner Sicht auch der Abschluss der Neuorientierung unserer gemeinsamen Strukturen."

Auf Nachfrage ging Schulze auch auf die Situation im öffentlichen Personennahverkehr ein. Leser hatten der Volksstimme von Qualitätseinbußen berichtet. So sind aufschlagpflichtige Anrufbus-Fahrten von Walternienburg nach Zerbst in Güterglück unterbrochen worden, weil dort der Zustieg in einen Linienbus gegeben war. Bei den Fahrgästen handelte es sich um gehbehinderte Personen, denen das Umsteigen schwer fiel. Ferner wird von überfüllten Schulbussen berichtet. Mit den dargestellten Umständen konfrontiert, erklärte Schulze, die mit den beauftragten Verkehrsunternehmen vereinbarten Leistungen würden vertragsgerecht erbracht. Der Schülerverkehr mit Grenzwerten von Wartezeiten und Belegungszahlen sei konkret fixiert und werde auch durch Landkreismitarbeiter kontrolliert. Zu Mängeln sei ihm nichts bekannt. Allerdings seien "im letzten Jahr Abzüge bei der Bezuschussung der Verkehrsunternehmen wegen der unzureichenden Qualität der Mobilitätszentralen" vorgenommen worden. Zudem könnten die Schulen selbst in Quartalsberichten die Beförderungssituation beurteilen.

Grundsätzlich stehe der öffentliche Nahverkehr gerade im bevölkerungsschwachen Raum Zerbst vor "größten Herausforderungen. Die Daseinsvorsorge im Bezug auf Beförderungsmöglichkeiten auf dem Lande ist schwierig und wird noch schwieriger."