Der Stadtrat Zerbst diskutierte am Mittwochabend die Idee, eine Schulsporthalle in die Kirchenruine St. Nicolai einzubauen.

Zerbst l Weiteren Erläuterungen durch Andreas Dittmann (wir berichteten gestern) schlossen sich Stellungnahmen von Stadträten an. So erklärte Helmut Seidler (FFZ), er sei gemeinsam mit Baudezernent Andreas Fischer und Bernd Köhler (Leiter Bauamt/Tiefbau) der Auffassung, das Thema solle "aufgrund der vielen Faktoren dem Eigentümer an der Backe belassen bleiben. Wir haben eine Vielzahl kommunaler Projekte. Das hier bitte nicht auch noch."

Seidler fragte ferner, ob man mit Ungemach aus Richtung des Landrates rechnen müsse, sollte die Stadt nur eine passive Rolle übernehmen wollen. Hierzu erwiderte Dittmann (aufgrund seiner Kenntnisse als SPD-Kreistagsfraktionsvorsitzender): "Es ist ganz klar: Es wird eine Turnhalle geben. Der Landrat favorisiert St. Nicolai, ansonsten wird es der Standort in Nord."

Stadtrat Dietrich Franke (SPD-Fraktion), zugleich langjähriger Pfarrer an St. Nicolai/St. Trinitatis und vor Jahrzehnten wesentlicher Beschützer der Ruine vor dem Abriss, hielt ein flammendes Plädoyer für die Umsetzung des Projektes. "Ich habe mich außerordentlich gefreut über dieses Projekt. Weil durch die Sporthalle die Kirche an sich im Bestand gesichert wird." Für eine solche Nutzung sei der Bestandsschutz direkte Voraussetzung. Wer die Sporthalle einbaue, wird die Kirche zuvor so sanieren, dass sie hält. "Die Reformatoren sind mit solchem Dingen viel lockerer umgegangen. Nach 1517 hatte man Kirchen über Kirchen. Ein Beispiel für Umnutzungen: Die Kornmarktkirche in Mühlhausen. Die war überflüssig, man hat mehrere Etagen eingezogen und ein Altenheim daraus gemacht. Das bestand bis tief in die DDR-Zeit so. Dann erinnerte man sich in Mühlhausen daran, dass Thomas Müntzer einst Mühlhauser Bürgermeister war, und richtete die Thomas-Müntzer-Gedächtniskirche ein. Ich begrüße also die Turnhallen-Idee sehr. Das nährt den alten Traum von ihr als der Stadtkrone. Wenn Leute sagen, sie fänden die Idee schlimm, dann sage ich: Seid froh, dass es sie überhaupt noch gibt! Rat der Stadt, des Kreises und des Bezirkes hatten den totalen Abriss bereits einmal beschlossen!", erklärte Franke. "Jetzt haben Leute endlich mal Mut und eine Idee. Und dies würde auch die tote Hose Markt beleben."

Stadtrat Steffen Grey (FDP) erklärte, er halte den Standort Schützenplatz (Maculan-Gelände) für geeigneter. Er sei traurig, dass dies nicht funktioniere. Zum anderen fehle einer Schulsporthalle in St. Nicolai die Außensportanlage. Und die leerstehende Sekundarschule Nord "steht auch als Ruine da. Da muss sich der Landkreis ebenfalls seiner Verantwortung stellen".

Stadtrat Georg Credo (CDU) merkte an, sakrale Bauten durch eine andere Verwendung zu sichern, sei anfangs häufig als irritierend empfunden worden. Er schätze ein, dass das vorliegende Projekt "sicherlich vom Land Sachsen-Anhalt gestützt wird".