Jeden Donnerstag öffnet die Tafel in Gommern, um Bedürftige mit Lebensmittel zu versorgen. Die Volksstimme war bei der letzten Essensausgabe vor Heiligabend dabei.

Gommern l 13.45 Uhr im Industriepark. Offiziell öffnet die Ausgabestelle der Tafel erst in 15 Minuten, doch schon jetzt bildet sich eine Schlange aus 20 Personen. Viele kennen sich untereinander, teilen das gleiche Schicksal: Seit Jahren vergeblich auf der Suche nach Arbeit reicht das Geld nicht, um die Familie mit dem Nötigsten zu versorgen. "Meine Rente ist leider zu klein, um die Miete und das Essen zu bezahlen. Deshalb muss ich herkommen", sagt eine ältere Frau und legt ihr Gesicht in Falten. Gern komme sicherlich keiner her, fügt ihr Hintermann, etwa 50 Jahre alt, hinzu.

Der Besuch der Ausgabestelle ist unangenehm

80 bis 90 Bedürftige finden sich jede Woche zur Essensausgabe der Tafel in Gommern ein. Seit Jahren wird die Einrichtung von der Selbsthilfegruppe "Sucht-Kurve" des Deutschen Roten Kreuzes aus Möckern betreiben. Sechs Männer arbeiten im Rahmen ihrer Therapie in der Ausgabestelle, verpacken die Lebensmittel und geben sie an die Wartenden aus. "Heute haben wir auch Rosenkohl und Broiler dabei", sagt Hannemann. Seit Jahren hilft er bei der Verteilung der Lebensmittel. "Wir überprüfen das, was wir von den Supermärkten bekommen, wie Brot, Joghurt und Wurst, auf den Zustand und stellen dann die einzelnen Beutel zusammen", deutet er auf die vielen Tüten in einem der Hinterräume, die dort schon als Vorrat gepackt wurden. "Wir möchten, dass sich jeder nur so lange wie nötig hier bei der Ausgabe aufhält, da es vielen unangenehm ist herzukommen", weiß der 52-Jährige.

Eine Frau weiß nicht genau, was sie dieses Mal in ihrer Tüte vorfinden wird. "Es wird wohl wie immer sein: Obst, Gemüse und das Nötigste wie Brot und Käse", erklärt sie, während sie schnell aus der Einrichtung geht und ihre glasigen Augen verbirgt. "Ich schaue immer erst zu Hause rein", sagt sie.

Einrichtung im Industriepark stimmt nachdenklich

Der größte Andrang herrsche von 14 bis 14.45 Uhr, erläutert Detlef Jagusch. Er sitzt an der Kasse. "Jeder bezahlt einen Obolus von einem Euro", so der Möckeraner. So habe niemand das Gefühl, dass das Essen kostenlos sei. Mit ruhiger Stimme fragt er nach der Karte, auf der der Name des Bedürftigen steht sowie die Anzahl derer, die versorgt werden sollen. "Wie geht es der Frau, sie war doch krank", erkundigt sich Jagusch bei einem Mann und kann ihm ein Lächeln entlocken. Es ist 14.19 Uhr. 35 Namen hat Detlef Jagusch auf seiner heutigen Liste bereits eingetragen.

"Ein beklemmendes Gefühl, dass sehr nachdenklich stimmt. Zum Beispiel auf das eigene Verhalten, die Ansprüche gerade jetzt zu Weihnachten", empfindet Matthias Fickel, Bürgermeisterkandidat der CDU, die Situation. Er ist vorbeigekommen, um sich ein Bild von der Einrichtung zu machen und drei Stiegen Äpfel abzugeben. "Einerseits ist es gut, dass es die Tafel gibt. Andererseits ist es traurig, dass es die Tafel bedarf", so der Familienvater.

Die Schlange der Wartenden nimmt unterdes nicht ab. "Ein frohes Fest! Ich bin nächste Woche wieder hier", ruft Detlef Jagusch einer Frau, die die Tafel mit einem großen Beutel verlässt, zu. "Dann sehen wir uns - ich bin dann auch wieder hier", antwortet sie fast schon selbstverständlich.

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