Mehr Zeit für die Hobbys und die Enkelin wird Edelgard Sachse jetzt haben. Die Deetzerin wurde nach über 40 Jahren als Erzieherin in Kindergärten und Kitas aus dem Berufsleben verabschiedet.

Güterglück l Dass Kitas schließen, weil Kinder fehlen, ist lange nichts Neues mehr. In vielen kleinen Orten hat es früher Kindergärten gegeben. Zum Beispiel auch in Bone. 1997 wurde diese Einrichtung geschlossen. Von 1977 bis zur Schließung war Edelgard Sachse die Leiterin.

"Eigentlich sollte es nur für ein Jahr sein", erzählte sie, als sie in der vergangenen Woche als Kindergärtnerin in den Ruhestand verabschiedet wurde. Die Leiterin in Bone war ausgefallen, Edelgard Sachse musste übernehmen. Aus einem Jahr wurden 20.

"Der Anfang war schwer", erinnerte sie sich. Es fehlten die Kollegen in dem "Ein-Mann-Kindergarten. Man war für alles gleichzeitig da. Nur eine Stundenkraft und die technische Hilfskraft gab es noch. Mit Annemarie Eiternick arbeitete sie in Bone zusammen. "Meistens gaben wir uns nur die Klinke in die Hand", so Sachse.

In der einen Gruppe, die es gab, waren alle Kinder von drei bis sechs Jahren zusammen. Nach der Eingewöhnung fühlte sich Edelgard Sachse bald wohl in der Einrichtung, hatte sich mit den Bedingungen arrangiert. Das Familiäre war das Schöne. Der Kontakt zu den Eltern der Kinder war sehr eng.

"Der Anfang war schwer"

Edelgard Sachse

Kontakte waren Edelgard Sachse auch zu früheren Kolleginnen geblieben. Vor allem zu Vroni Wenzel. Die Freundin war zeitgleich nach Flötz geschickt worden und in der dortigen Kita ebenfalls "Alleinunterhalterin". So machte man viel gemeinsam, führte die Kinder zu verschiedenen Gelegenheiten und Aktivitäten, nicht nur am Kindertag, zusammen.

Vroni Wenzel und Edelgard Sachse kannten sich schon von der Pädagogischen Schule in Magdeburg. Zwei Jahre dauerte die Ausbildung dort, worauf zwei Jahre Praxis folgten. Ihren Praxis-einsatz hatte Edelgard Sachse in Straguth. Als ihre Tochter geboren wurde, setzte die Kindergärtnerin ein Jahr aus, bevor der Start ins echte Berufsleben folgte.

Die erste Station der gebürtigen Deetzerin war der Wema-Betriebskindergarten. Von 1971 bis 1977 war sie dort. Zunächst noch auf dem Gelände in der Dessauer Straße konnte die Einrichtung bald den Neubau auf dem Hauptbetriebsgelände beziehen. Da waren die Bedingungen natürlich bestens. "Im Wema-Kindergarten habe ich erst richtig meine Erfahrungen in der Praxis gesammelt", so Sachse. Die konnte sie dann in Bone gebrauchen.

Die Wende kam, und der Beruf der Kindergärtnerin wurde nicht mehr anerkannt. Den Abschluss musste Edelgard Sachse wie alle anderen neu machen. "Und plötzlich war man berechtigt, null- bis 14-Jährige zu betreuen", so Sachse. Schon bald sollte sie es auch mit ganz kleinen und dann mit älteren Kindern zu tun bekommen. Nachdem Bone Geschichte war, wurde sie nach Güterglück geschickt.

Wieder ein schwerer Anfang für Edelgard Sachse. "Ich bekam die Babygruppe von 0 bis 3 Jahre", erzählte sie. "Mit den ganz Kleinen konnte ich gar nichts anfangen", gab sie zu. Sie war gar nicht glücklich darüber. Doch gesetzliche Regelungen sollten ihr helfen. 1998 hieß es, dass jede Kita einen Hort braucht. Da erklärte Edelgard Sachse sich bereit, die Hortgruppe in Güterglück zu übernehmen.

Den Hortkindern blieb sie bis zuletzt treu. Eine ganze Reihe von ihnen war auch zur Feierstunde gekommen, um ihrer Erzieherin Danke und Tschüss zu sagen und ihr eine "schöne Rente" zu wünschen. Mit vielen Ideen brachte sich Edelgard Sachse in die Gestaltung der Hortzeit ein. Da gab es die Hortfeste mit den Eltern, den Flohmarkt und das Zelten am Deetzer Teich.

"Du wirst uns fehlen"

Kita-Leiterin Susanne Thiele

Als ihre "beste Idee" bezeichnete Susanne Thiele, die Leiterin der Güterglücker Kita, das alljährliche Zeltlager, vergaß auch nicht, die Kahnfahrten auf dem Deetzer Teich und das Grillen zu erwähnen. "Du hast immer mit angepackt, du wirst uns fehlen", meinte die Kita-Leiterin zum Abschied. Das Berufsleben ist nun vorüber für Edelgard Sachse. Die 61-Jährige kann auf viele schöne Jahre mit Höhen und Tiefen zurückblicken.

Zum Glück hatte ihre Lehrerin ihr damals vorgeschlagen, Erzieherin zu werden. Nach dem Schuldirektor hätte sie in die Landwirtschaft gehen sollen. "Mit 15 hatte ich damals keine Ahnung, was ich machen wollte", so Edelgard Sachse. Nur etwas mit Musik sollte es schon sein, denn von Hause aus konnte sie Blockflöte, Akkordeon und Klavier spielen. Das Musikmachen, auf der Pädagogischen Schule kam noch Gitarre hinzu, war dann immer gefragt bei ihrer Arbeit mit den Kindern.

Und auch von Vroni Wenzel gab es zum Abschied einen musikalischen und selbstgedichteten Rückblick auf den beruflichen Werdegang von Edelgard Sachse. Ihre letzte Stunde gestalteten natürlich auch die Güterglücker Kita-Kinder mit. Da erklang noch einmal das Spatzenlied, und die Käferkinder stellten sich vor. Im Kreise von Kolleginnen, Eltern und Gästen wurden Prosit gesungen und die Gläser erhoben.

Auf die Frage, wie es jetzt weitergeht, zuckte Edelgard Sachse nur mit den Schultern. "Darüber habe ich mir noch gar keine Gedanken gemacht", meinte sie. Es bleibt nun mehr Zeit für die Hobbys, zu denen Singen und Radfahren gehören. Aber auch die dreijährige Enkelin Sonja kann sich auf mehr Zeit freuen. Nach Dankesworten hin und her, versprach Edelgard Sachse, doch hin und wieder mal in der Kita vorbeizuschauen.

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