Überwiegend wohlwollend reagierten die Mitglieder des Bau- und Stadtentwicklungsausschusses auf die Idee, eine Turnhalle in die Kirchenruine St. Nicolai einzubauen. Kulturamtsleiter Andreas Dittmann stellte das Vorhaben nun erstmals offiziell in einem Gremium vor.

Zerbst l Die Kritik der Zerbster an der Idee, eine Turnhalle in die Nicolaikirche einzubauen, galt auch oftmals der "Heimlichtuerei". Dem Fakt, dass das Vorhaben bereits reiflich durchdacht schien, aber erst Mitte Dezember vergangenen Jahres in die Öffentlichkeit getragen wurde. Im Bau- und Stadtentwicklungsausschuss stellte Andreas Dittmann die Idee, "denn mehr ist es bis heute nicht", den Ausschussmitgliedern nun nochmals ausführlich vor.

"Was der Eigentümer in der Kirche macht, geht uns erstmal nichts an."

Dittmann wie auch weitere Vertreter der Verwaltung machten an diesem Abend stets auf einen Punkt aufmerksam, der in der bisherigen öffentlichen Diskussion nur wenig Beachtung fand: Die Stadt Zerbst ist für das Vorhaben weder verantwortlich noch federführend in die Planungen involviert. Die Kirche ist Eigentum der Evangelischen Kirchengemeinde. Der Förderkreis St. Nicolai verfügt durch vertragliche Regelungen mit der Evangelischen Landeskirche Anhalts und der Gemeinde über das Baurecht. "Was der Eigentümer in der Kirche macht, welche Absprachen es mit dem Mieter gibt, geht uns erstmal nichts an", betonte Ordnungsdezernent Andreas Fischer im Zuge des Meinungsaustausches. Die Verwaltung wäre lediglich in baurechtlichen und fördermittelrechtlichen Belangen involviert und gebe Hinweise, wo städtische Satzungen Beachtung finden müssen oder Probleme auftreten könnten. Beispielsweise müssten beim Einbau der Turnhalle die Fenster der Kirche geschlossen werden. Dies zöge eine Änderung der Rahmengestaltungssatzung der Stadt nach sich, in der verankert ist, dass Denkmäler in Zerbst in ihrer jetzigen Erscheinung zu sichern sind.

Die Turnhalle als solches sieht Fischer nicht als Problem. "Bedenken haben wir vor allem wegen der zusätzlich benötigten Außensportanlage", so Fischer. Angedacht ist diesbezüglich ein Flächentausch. Das Gelände der Nord-Schule, das sich im Besitz des Landkreises befindet, könnte gegen jene Freifläche der BWZ getauscht werden, die nordwestlich der Nicolaikirche liegt. "Darüber ist allerdings noch nichts verhandelt", betonte Andreas Dittmann, der durch Hinzuziehung durch den Landrat bereits früh in die Projektidee involviert wurde. Fischer sieht hier vor allem Probleme bei der Einhaltung von Lärmschutzbestimmungen, da die Außensportanlage mitten in einem Wohngebiet liegen würde. "Dementsprechend müsste auch der Bebauungsplan geändert werden, wir müssten rechnen, wie weit die Anlage von der Bebauung weg sein müsste, um die Bestimmungen einzuhalten", so Fischer. "Wir müssten sehen, was verhandelt werden kann."

Die möglichen Vorteile der Turnhallenlösung zählte Dittmann im Zuge seiner Ausführungen ebenfalls auf. "Es würde nicht nur die Sicherung der Ruine vorantreiben", so Dittmann. Es stelle sich jetzt bereits die Frage, wie lange St. Nicolai noch betretbar ist. Zudem könnte die Turnhalle zur weiteren Belebung des Marktes beitragen. Fischer sieht Vorteile darin, dass mit dem Bau der Turnhalle auch die Schaffung weiterer Stellplätze verbunden ist. "Unter Berücksichtigung der bisher gehandelten Maße wären das 18 Stück, die wir am Markt auch brauchen." Mit dem Flächentausch könnten zudem zwei "städtebauliche Missstände" angefasst werden und: Durch den Bau der Sportanlage würde der Gymnasial-Schulstandort Zerbst weiter gesichert.

"Es ist eine Chance, was Neues für Zerbst zu schaffen."

Bernd Köhler, Leiter Bauverwaltung/Tiefbau, mahnte indes zur Eile. Nur noch bis zum 31. Januar könnten Folgeanträge für städtebauliche Fördermittel für die Altstadt Zerbst gestellt werden. Bis dahin seien noch Formalien zu klären, Verträge zu schließen, der Landkreis müsse sich zur weiteren Nutzung der übrigen Turnhallen äußern. Köhler richtete somit den Blick auf die anfallenden Folgekosten für die Stadt, die der Rückzug des Landkreises aus den Turnhallen mit sich bringt. Als Beispiel nannte er die Halle des TSV "Gut Heil". Ohne den Landkreis als Mieter reduzieren sich die Einnahmen des Vereins wesentlich. "Das gilt es alles abzuklären, bis das ganze Procedere anläuft."

Dittmann ergänzte dazu, dass die Stadt derzeit jährlich etwa 35 000 Euro nur für die Nutzung der Turnhalle der Nord-Schule aufbringt. Diese Turnhalle würde im Falle des Neubaus nicht mehr gebraucht und die dadurch frei werdenden Mittel könnten auch für die Unterstützung des Vereins genutzt werden.

Claus-Jürgen Dietrich (Bündnis90/Grüne) hakte nach, welche Auswirkungen der Turnhalleneinbau auf die Schleibank-Gestaltung habe. Nach Rücksprache mit dem zuständigen Planer Hans-Georg Brosig, so erklärte Köhler, sei lediglich die Zuwegung zum Eingang der Kirche ab der Schleibank zu ändern. Statt einem sandgeschlämmten Weg würde nun ein Weg mit stärkerem Unterbau notwendig werden. Weitere Änderungen sind nicht notwendig.

Doch all diese Überlegungen könnten in der kommenden Woche bereits hinfällig sein. Denn die Grundsatzentscheidung über dieses Projekt obliegt dem Gemeindekirchenrat. "Der tagt kommenden Donnerstag", erklärte Dittmann. Er sprach sich sogar für eine Abstimmung in der Kirchgemeinde aus.

Die Ausschussmitglieder äußerten sich überwiegend wohlwollend der Idee gegenüber. Holger Behnke (CDU) sieht beispielsweise in dem Vorhaben eine Chance, was Neues für Zerbst zu schaffen - gerade mit Blick auf das Reformationsjubiläum 2017. "Es könnte ein Magnet für Zerbst werden."

"Als ich das erste Mal davon gehört habe, dachte ich: Wie können die nur", sagte Hans Ulrich Müller (UWZ). Doch mittlerweile habe er sich mit der Idee angefreundet. Denn so werde die Kirche in einer Größenordung erhalten, die anders nicht möglich ist.

Unter Vorbehalt der Beratungen im Gemeindekirchenrat kündigte Dittmann zudem die Absicht an, dass eine öffentliche Podiumsdiskussion zu dieser Projektidee stattfinden soll. Dort werde auch Kirchenpräsident Joachim Liebig, der Initiator dieser Idee, zugegen sein. Ein Termin steht jedoch noch nicht fest.