Rückwirkend für 2011 wird erstmals in allen Ortschaften der Einheitsgemeinde Stadt Zerbst eine Gewässerumlage erhoben. Und auch für dieses Jahr stehen die Beitragssätze inzwischen fest, die auf die Grundstückseigentümer zukommen.

Zerbst l Bevor der Zerbster Stadtrat am 27. Juni die endgültigen Beschlüsse fasst, werden nach und nach die einzelnen Ortschaften zur Festsetzung der Beitragssätze für die Unterhaltung der Gewässer II. Ordnung angehört. Den Auftakt machten am Montagabend die Ratsmitglieder in Leps. Ohne Einwände bestätigten sie die vorliegenden Zahlen. Einzig Reinhard Moller merkte an, dass sich die Beiträge von 2011 zu 2012 erhöhen. Und das teils deutlich.

Demnach beläuft sich der Flächenbeitragssatz des Unterhaltungsverbandes Nuthe/Rossel für das vergangene Jahr auf 6,9872 Euro je Hektar - 2012 liegt er bereits bei 8,9547 Euro. Unterdessen steigt der Erschwernisbeitragssatz von 1,5111 Euro je Einwohner auf 1,9163 Euro an. Als Grund nennt der Verband die überdurchschnittlichen Niederschläge der letzten beiden Jahre, in deren Folge diverse Schäden an den Gewässern zu verzeichnen sind, die einen erhöhten Unterhaltungsaufwand erfordern. Dabei handelt es sich überwiegend um Böschungsabbrüche und marode Verrohrungen. Dies wiederum bewirkt einen verstärkten Sedimenteintrag, was die Grundräumung aufwendiger macht. Auch Preisanpassungen für Verbrauchsmaterial und Tariferhöhungen spielen eine Rolle.

Auch beim Ehle/Ihle-Verband ist mit einer Erhöhung zu rechnen. Für 2011 wird hier ein Flächenbeitragssatz von 7,55 Euro je Hektar erhoben, für 2012 sind 7,77 Euro kalkuliert. Unterdessen steigt der Erschwernisbeitragssatz von 1,06 Euro auf 1,09 Euro je Einwohner an.

In Leps stolperte Reinhard Moller erneut über den Begriff "Erschwernisbeitrag", der bereits 2010 vielfach zu Diskussionen geführt hatte. Damals durchlief die neue einheitliche Satzung zur Gewässerumlage die 24 Ortschaftsräte. Auslöser war die Änderung des Wassergesetzes von Sachsen-Anhalt zum 1. Januar 2010. Die bereits in Bornum, Buhlendorf, Deetz, Dobritz, Grimme, Hohenlepte, Lindau, Nedlitz, Nutha, Polenzko, Reuden, Straguth, Walternienburg und Zernitz bestehenden Satzungen mussten daraufhin an das neue Recht angepasst werden.

Gleichzeitig wurde die Gelegenheit genutzt, die Umlage der Verbandsbeiträge auf das gesamte Gebiet der Einheitsgemeinde auszuweiten und zu vereinheitlichen. So existierte in Bias, Gehrden, Gödnitz, Güterglück, Jütrichau, Leps, Luso, Moritz, Pulspforde und Steutz bis dahin keine solche Satzung. Auch für die Gemarkung Zerbst gab es noch keine. Das änderte sich mit dem Stadtratsbeschluss vom 24. November 2010. Seit dem 1. Januar 2011 werden auch in diesen Orten die Grundstückseigentümer an der Gewässerumlage beteiligt.

Während die Umlage früher allein über die Fläche ermittelt wurde, spielt nach Änderung des Wassergesetzes nun auch der so genannte "Erschwernisbeitrag" mit hinein, für den die Anzahl der auf einem Grundstück gemeldeten Einwohner maßgebend ist. Dahinter steckt der Gedanke, dass von versiegelten Flächen mehr Wasser in die zu unterhaltenden Gräben fließt als von Äckern oder Waldflächen, wo ein Teil der Niederschläge versickert. Diese Argumentation konnte nicht jeder nachvollziehen. "Wenn in einem Haus zehn Personen wohnen, fließt auch nicht mehr Wasser in den Graben, als wenn dort nur einer wohnt", war zu hören.

In Orten, die früher zur Verwaltungsgemeinschaft Zerbster Land zählten, sah der ein oder andere mit der neuen Satzung eine doppelte Belastung auf die Bürger zukommen. So wurde daran erinnert, dass die Grundsteuer A einst angehoben wurde, um die Gewässerumlage zu begleichen. Allerdings blieb die Steuer konstant, während der Beitrag für die Grabenpflege über all die Jahre anstieg - eine wesentliche Ursache lag im Wegfall der Landeszuschüsse, mit denen die Unterhaltungsverbände einen Teil ihrer anfallenden Kosten decken konnten.