Zwei Neuerungen an einem Tag: Eine neue Ausstellung mit original Fundstücken ist jetzt in Walternienburg zu sehen. Und das kulturelle Leben hat am Sonntag eine eigene Bühne bekommen.

Walternienburg l Wenn etwas 5000 Jahre alt ist, also etwa 3000 Jahre vor unserer Zeitrechnung entstand, ist es dann überhaupt noch für uns nachvollziehbar? Hat es einen Bezug für uns? Können wir es einordnen?

Welcher Tag, als der Tag des offenen Denkmals, wäre besser dazu geeignet, solche Fragen zu beantworten. Das dachten sich auch die Walternienburger, die am Sonntag nicht nur ihre Burg und den restaurierten Turm öffneten, sondern auch noch eine neue kleine Ausstellung mit original Fundstücken von vor 5000 Jahren.

Drei Originaltassen aus Walternienburg

"Wir freuen uns, nach zwei Jahren mal wieder Fundstücke aus den Gräbern, die in Walternienburg gefunden wurden, zeigen zu können", sagt Heinz Reifarth, Ortsbürgermeister Walternienburg, stolz. Drei Tassen, die mit etwa 100 anderen Fundstücken aus einem Gräberfeld in Walternienburg geborgen wurden und jetzt eigentlich vom Landesamt für Archäologie in Halle aufbewahrt werden, haben bis zum 7. Oktober den Weg zurück zu ihrem Ursprung genommen.

Neben ihnen werden dieses Mal auch andere Stücke gezeigt. "Fundstücke aus der gleichen Zeitepoche. Man nennt sie mittelneolithische Kultur, deren Verbreitungsgebiet zwischen der Mittelelbe und dem Harz lag", erklärt Reifarth. So sind auch Tassen und Schalen aus anderen Regionen zu sehen, und damit auch sehr gut zu vergleichen. Klar ist erkenn- bar, wie sich die typische Walternienburger Form der Tassen zu den anderen unterscheidet. Außerdem sind nch Tierzähne, die als Kettenanhänger getragen wurden, und auch Steinwerkzeuge, die zum Schärfen, Schneiden und Bohren genutzt wurden, zu sehen.

"An diesen Stücken ist auszumachen, dass die Regionen einen gleichen Entwicklungsstand hatten", kommentiert Reifarth. Viele der Stücke haben Verzierungen, Muster, die Schlüsse auf die damalige Kunst zulassen. An den Stücken ist abzulesen, dass sich ein uns nicht fremdes wirtschaftliches wie auch kulturelles Leben auch schon vor 5000 Jahren abgespielt hat.

Besucher kommen sogar aus Dessau nach Walternienburg

Während viele Walternienburger die Möglichkeit am Tag des offenen Denkmals nutzten, sich gerade diese neue Ausstellung anzusehen, nutzten auch viele von Außerhalb die Möglichkeit, den dieserorts schon weit bekannten Turm der Walternienburger Burg zu erkunden. So waren auch Gäste aus Dessau anzutreffen. "Wir haben uns erst das Zerbster Schloss angesehen. Und auf die Frage, was hier in der Gegend noch sehenswert sei, wurden wir direkt nach Walternienburg verwiesen", erzählen Angelika und Jörg Querengässer aus Dessau. Und sie wurden nicht enttäuscht, diesem Tipp gefolgt zu sein, sagen sie. "Dieser Turm ist eine echte Überraschung. Man rechnet gar nicht damit, hier eine fast völlig eingerichtete Wohnung vorzufinden", schwärmen die beiden.

Auch Regina Erlekam aus Groß Rosenburg hat sich von der anderen Seite der Elbe auf den Weg gemacht. Mit dem Fahrrad kam sie nach Walternienburg - ebenfalls zum ersten Mal. "Ich habe mir die Drei-Fähren-Tour für heute ausgesucht. Und auf der Route liegt auch Walternienburg. Den Turm zu besichtigen, hat sich gelohnt, auch ich war total positiv überrascht", sagt die Groß Rosenburgerin.

Natürlich blieben die Besucher auch noch bis zum Auftritt der Musikschule Da Capo aus Güterglück. Die Schüler präsentierten allen Interessierten ein abwechslungsreiches musikalisches Programm, über das sich besonders Ortschef Heinz Reifarth freute, denn damit wurde die neue Podestbühne im Markt- und Festscheune würdig eingeweiht, schätzte er ein. Das Podest wurde jetzt erst aufgestellt und konnte mittels Förderung durch den Landkreis Anhalt-Bitterfeld realisiert werden.

Neue Podestbühne für das kulturelle Leben

Entstehen soll eine große Podestbühne. Das ganze geschieht allerdings in zwei Abschnitten. Am Sonntag konnten die ersten sechs Elemente, die zwölf Quadratmeter Fläche ergeben, eingeweiht werden. "Im nächsten Jahr sollen noch einmal sechs Elemente folgen", erklärt Reifarth. Im ersten Abschnitt übernahm der Landkreis von den 1700 Euro Gesamtkosten 1195 Euro.

Mit insgesamt etwa 500 Besuchern am Tag des offenen Denkmals ist Ortschef Reifarth mehr als zufrieden. "Und es überrascht mich immer wieder, wie viele wieder kommen und auch wirklich interessiert an dem Wissen sind, das wir hier vermitteln", zieht er Bilanz.

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