Wie senioren- und behindertenfreundlich ist der Straßenbau in Zerbst ausgerichtet? Diese Frage stand nicht nur beim Volksstimme-Stammtisch im Mittelpunkt. Sie ist ein Dauerthema in der Stadt.

Zerbst l Die Heide, Wolfsbrücke oder der Amtsmühlenweg sind Beispiele von abgeschlossenen Straßenbaumaßnahmen, die das Prädikat senioren- und behindertenfreundlich verdienen. Abgesenkte und farblich gekennzeichnete Borde, Stocktasten, ebene Belege - das alles sind Kriterien, die Passanten das Vorankommen und Zurechtfinden im Straßenverkehr erleichtern.

Doch nicht nur abgeschlossene Projekte, auch derzeit im Bau befindliche Maßnahmen sind unter diesen Maßgaben geplant worden. "An der Lusoer Straße werden wir Fußgängerampeln mit tast- und akustischen Signalen einbauen", erklärt Bernd Köhler, Amtsleiter Bauverwaltung, ein weiteres Element. "Diese Dinge verursachen Mehrkosten, doch es ist die beste Lösung."

"Eine so gute Zusammenarbeit ist nicht selbstverständlich."

Dagmar Zoschke, Behindertenbeirat

Um die Belange älterer und behinderter Menschen zu berücksichtigen, arbeitet die Stadt Zerbst bereits während der Planverfahren der einzelnen Baumaßnahmen mit dem Behindertenbeirat des Landkreises Anhalt-Bitterfeld zusammen. Beispielsweise auch beim grundhaften Ausbau der Kastanienallee.

Dagmar Zoschke, Sprecherin des Beirates, lobt die gute Zusammenarbeit. "Wir sind auf die Verwaltungen zugegangen und haben uns angeboten wie Bitterbier", erinnert sie sich. "Die Stadt Zerbst hatte sofort ein offenes Ohr für unser Anliegen. In intensiven Gesprächen beraten wir die Umsetzung der Projekte im Rahmen von deren finanziellen Möglichkeiten", so die Bitterfelderin. Diese Offenheit wünscht sie sich auch in anderen Kommunen. "Es ist längst nicht selbstverständlich und wird nicht überall so angenommen."

Aufgrund dieser Zusammenarbeit können Rad- und Gehwege, aber auch die Passiermöglichkeiten für Fußgänger senioren- und behindertenfreundlich geplant werden. "Schwieriger sieht es da aus, wo lediglich der Geh- oder Radweg auszubessern ist", so Köhler. Die Einheitsgemeinde Stadt Zerbst verfügt in diesem Jahr über ein Volumen von 326 000 Euro, um ihrer Unterhaltungspflicht nachzukommen. "Mit diesen Mitteln werden Instandsetzungsarbeiten vorgenommen, die sich jedoch auf die Reparatur vergleichsweise kleiner Flächen beziehen", erklärt Köhler. Als Beispiel nennt er das Aufbringen von Hansegrand auf einem Teil des Gehwegs entlang des Max-Sens-Platzes. "Diese Lösung kommt ohne Pflasterung aus und ist sehr positiv angenommen worden, da der Weg wieder eben ist und Stolperfallen beseitigt wurden", so Köhler.

"Selbst die Gelder für die Instandsetzung reichen vorne und hinten nicht."

Bernd Köhler, Amtsleiter Bauverwaltung

Je nach Größe der Schäden wird der städtische Bauhof oder die Zetieba für die Instandsetzung der Wege beauftragt. Straßenausbaumaßnahmen sind durch Mittel aus diesem Topf nicht zulässig. "Selbst für die Instandsetzung reichen sie vorne und hinten nicht", ergänzt Köhler.

"Wir sind als Stadt mit dem Zustand der Geh- und Radwege nicht zufrieden." Doch die vorhandenen finanziellen Mittel lassen einen gesonderten Ausbau dieser nicht zu. Im Falle der Bahnhofsstraße scheitert der Ausbau der Gehwege beispielsweise am Baulastträger der Straße: dem Bund. Dieser hält den Zustand für ausreichend. "Wenn wir als Stadt den Gehweg als seperate Baumaßnahme machen würden, müssten wir die Borde herausnehmen, den Gehweg aufnehmen, eventuell vorhandene Bäume fällen, die Borde später wieder neu setzen und die Straße der neuen Bordführung anpassen. Das macht keinen Sinn."

Der grundhafte Ausbau von Geh- und Radwegen sei für die Stadt nur dann möglich, wenn dies im Zuge vom grundhaften Ausbau der jeweiligen Straße passiert. Die Abschaffung des Entflechtungsgesetzes zum Ende nächsten Jahres lässt die Kommune vom grundhaften Ausbau weiterer Straßen - wie der Jeverschen-, der Lusoer und der Karl-Marx-Straße Abstand nehmen, da die Zahlung von Fördermitteln nicht sicher ist, beziehungsweise der Eigenanteil durch die Stadt nicht tragbar wäre.

"Trotz dieser Probleme haben wir schon viel geschafft", sagt Köhler. Doch eine Stadt wird nie fertig gebaut sein."