Die Jagdzeit ist festgelegt - für den Rotehornpark. Laut Allgemeinverfügung, veröffentlicht im Amtsblatt der Stadt, darf dort vom 21. Januar bis zum 10. Februar Schwarzwild gejagt werden. Wann das genau passiert, das wollte die Stadt gestern aber nicht bekannt geben. Jogger und Co. sollten darum den Park in den kommenden Tagen am frühen Morgen besser meiden.

Magdeburg l Volksstimme-Leser Bernd Doberauer staunte nicht schlecht, als er am vergangenen Freitag - morgens um 4.30 Uhr - an der Brücke am Wasserfall seinen Hund Gassi führte: Über die Brücke trottete gemächlich ein Wildschwein Richtung Büchnerstraße und dann am dortigen Kindergarten entlang. Bernd Doberauer rief die Polizei, aber als die eintraf, hatte das wildlebende Borstenvieh bereits das Weite gesucht. Solche Begegnungen zwischen Schwarzwild und Mensch und der Schaden, den die Sauen im Stadtpark und bei Elb-Niedrigwasser im Klosterbergegarten anrichten, hat zur o. g. jagdlichen Allgemeinverfügung geführt. Das Schwarzwild soll aus dem Park vertrieben werden. Durch eine Jagd.

Im Rathaus bleibt man vorerst in der Deckung zu diesem Thema. "Es wird in den kommenden Tagen passieren", sagte gestern Rathaussprecherin Cornelia Poenicke auf die Frage, an welchem Tag das Signal "Aufbruch zur Jagd" geblasen wird. Nur, dass die Jagd sehr früh am Tag passieren werde, weil zu dieser Zeit kaum mit Besuchern zu rechnen sei. Näheres zum konkreten Termin wollte die Rathaussprecherin nicht sagen.

Dabei darf gemutmaßt werden, dass die Stadt mit dieser Strategie auch militante Tierschützer fernhalten will. Öffentliche Kritik, auch im Stadtrat, gab es zu den Jagdplänen der Stadt zuhauf. Mögliche Aktivitäten von Tierschützern seien tatsächlich auch mit ein Grund, den konkreten Termin nicht öffentlich zu machen, erklärte Holger Platz, zuständiger Ordnungsbeigeordenter der Stadt, auf Nachfrage.

Auf jeden Fall werde das Jagdgebiet am Jagdtag weiträumig gesichert und von zahlreichen Mitarbeitern des Stadtordungsdienstes bewacht. "Vor der Jagd werden wir das Gebiet auch drei Mal absuchen, um sicher zu gehen, dass sich dort niemand unbefugt aufhält und in Gefahr geraten könnte", so Holger Platz.

Mit welcher Art von Jagd den Schwarzkitteln im Rotehornpark nachgestellt werden soll, wollte die Stadt ebenfalls auch auf Nachfrage nicht öffentlichmachen. Diskutiert wurden Treib- oder Drückjagd, bei der das Wild in einem bestimmten Winkel auf die Jäger zugetrieben wird. Auch eine Ansitzjagd kam als Möglichkeit zur Sprache. Denkbar wäre auch die Möglichkeit des "Kesselaufbrechens". Dabei pirschen sich die Jäger an die Lagerstätte (den "Kessel") der Wildschweine heran und versuchen, so viele Tiere zur Strecke zu bringen, wie möglich. "Es ist nicht geplant, alle Wildschweine zu erlegen", sagte Holger Platz. Ziel sei es, das Schwarzwild aus dem Stadtpark zu "vergrämen", also zu vertreiben. Und das könne man möglicherweise mit einer einmaligen Jagd erreichen. "Wir werden die Situation in den kommenden Wochen und Monaten genau beobachten, um zu sehen, ob die Jagd ihr eigentliches Ziel erreicht hat oder ob weitere Maßnahmen nötig sind", erklärte Holger Platz dazu. Zwischen 60 und 80 Wildschweine werden im Stadtpark vermutet, aufgeteilt in mehrere "Rotten" (Familienverbände).

Kein jagdliches Brauchtum

Jagdliches Brauchtum wird mit dieser Jagd im Stadtpark nicht verbunden sein, so der Beigeordnete.

Es wird also nicht die traditionelle "Strecke gelegt", auch werden keine Jagdhornbläser zu hören sein. "Wir wollen die Jagd so schnell wie möglich durchführen, beenden und dann das gesperrte Parkgelände wieder freigeben", sagte Platz.

Tatsächliche Alternativen zu dieser Wildschweinjagd im Rotehornpark gebe es nicht, heißt es in der besagten Allgemeinverfügung. Darum bestünden "vernünftige Gründe" für diese Jagd, die folglich mit dem Tierschutzgesetz vereinbar sei.

Für Hundehalter, Jogger oder Früh-Spaziergänger ist für die nächsten Tage klar: morgens den Stadtpark meiden, bis die Stadt Entwarnung gibt und das Geheimnis lüftet, wann "Jagd vorbei" war in Magdeburgs größtem Park.

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