Die Jagd im Stadtpark ist Geschichte. Vorerst. Innerhalb von neun Wochen, in denen insgesamt Jagdrecht bestand, haben die Jäger drei Wildschweine im Park zur Strecke gebracht. In Zahlen eine magere Bilanz, doch der gewünschte Effekt, das Borstenvieh zurückzudrängen, sei erreicht worden, betont die Stadt.

Werder l Seit Montag ruhen die Jagdgewehre. Über die Frühjahrs- und Sommermonate gilt der Stadtpark nun wieder als "befriedeter Bereich". Die Sonderverfügung, die zum zweiten Mal in diesem Jahr befristet Jagdrecht auf der grünen Elbinsel geschaffen hatte, ist am Sonntag abgelaufen. Es braucht in den nächsten Monaten also niemand mit mulmigem Gefühl durch den Park zu spazieren. Allerdings: Die nächste Jagd wird kommen, daraus macht die Verwaltung keinen Hehl. Doch bis dahin haben auch die Wildschweine erst mal Ruhe vor ihren Verfolgern. Ob sie diese nutzen, um sich wieder zu sammeln - etwa im Bereich der Tauben Elbe - bleibt abzuwarten. Es sei zumindest fürs Erste gelungen, eine Rotte Wildschweine zurückzudrängen, sagt Holger Harnisch vom Ordnungsamt. Diese hatte sich mit Vorliebe im östlichen Parkbereich an der Tauben Elbe aufgehalten. "Wir gehen durchaus von einer erfolgreichen Vergrämung (Verdrängung, d.R.) aus", so Harnisch. Die Rotte im Bereich der Tauben Elbe sei derzeit verschwunden, erklärt der Fachdienstleiter. "Natürlich ist der Schwarzwildbestand nicht auf null reduziert. Insbesondere im südlichen Bereich des Rotehornparks halten sich auch weiterhin Wildschweine auf", so Harnisch. Doch jetzt, da der Stadtpark von den Elbestädtern wieder intensiv bevölkert werde, sei eh keine Jagd mehr möglich: "Da kann ich ja jetzt schlecht einen Jäger mittenrein stellen."

Immerhin konnten die Jäger beobachten, dass die Wildschweine "deutlich vorsichtiger geworden sind" und den Kontakt zum Menschen "stärker vermeiden als vorher". Damit sinke die Gefahr von "unliebsamen Begegnungen zwischen Mensch und Tier", erklärte Harnisch weiter. Angeblich wurden mehrere Wildschweine auch beim Durchschwimmen der Elbe in Richtung Kreuzhorst beobachtet. "Dies haben wir jedoch nur aus dritter Hand gehört", räumt er ein. Konkrete Schätzungen zum aktuellen Bestand gebe es derzeit aus diesen Gründen nicht. Vor Beginn der Jagdmaßnahmen Ende Januar war die Anzahl auf 60 bis 80 Tiere geschätzt worden. Angesichts der seit Jahren wachsenden Population der Wildschweine und der Tatsache, dass das Borstenvieh auf seiner Nahrungssuche immer öfter z.B. in Gartenanlagen wilderte, sah sich die Stadt zum Handeln gezwungen. Eine Dezimierung des Bestandes wollte man zunächst durch eine große Treibjagd im Stadtpark erreichen. Doch plötzlich kam der Rückzieher. "Wir hatten uns nochmals mit den Fachleuten beraten und dann den Gedanken einer größer dimensionierten Jagd verworfen", erklärt Harnisch. Es gab offenbar doch Bedenken, den Park großflächig für die Jagd abzuriegeln. Zudem habe die Jägerschaft deutlich gemacht, dass das Ziel einer Vergrämung der Wildschweine auch durch weniger Abschüsse zu schaffen sei, meint Holger Harnisch weiter.

Genau so kam es auch. In den neun Wochen, in denen bisher im Stadtpark Jagdrecht galt, brachten die Jäger drei Jungtiere zur Strecke. Nicht eben viel, wie es scheint. Tierschützer hingegen hatten sich von Anfang an strikt gegen jegliche Bejagung der Wildschweine ausgesprochen. Für Amtsvertreter Harnisch steht nach dem Halali im Stadtpark allenthalben fest: "Die Abschüsse waren erfolgreich." Der gewünschte "Jagddruck" sei aufgebaut worden. Sieben Jäger hatten sich seit Anfang März ein- bis zweimal die Woche per sogenannten "Einzelansitz" auf die Lauer gelegt. "Die haben etliche Stunden investiert und wir sind der Kreisjägerschaft Magdeburg für die Hilfe sehr dankbar", betont Harnisch.

Jetzt feilt das Amt hinter den Kulissen an einem Konzept, wie künftig mit dem Wildtierproblem umzugehen sei. Im Mai soll es vorliegen. Über Details will Holger Harnisch noch nicht sprechen. Nur so viel: Die Jagd steht mit auf dem Zettel.