Wenn der Otto-Normal-Magdeburger einen alten Baumstamm entdeckt, sieht er in der Regel nicht mehr als ein großes Stück Holz. Wenn Bernd Winter einen alten Baumstamm sieht, offenbaren sich ihm Engel, Kapitäne oder Adler.

Der 53-Jährige aus Thale ist Figurenschnitzer. Vor etwa fünf Jahren beobachtete der Tischler während eines Ostsee-Urlaubes, wie ein Künstler aus einem Stück Holz einen Adler schnitzte, der einen Fisch greift. "Das hat mich so fasziniert, dass ich es selbst ausprobieren musste", erzählt er.

"Man ist wie Gott; man ist Schöpfer."

Kettensägenkünstler Bernd Winter

Mittlerweile zieren gut 40 Holz-Skulpturen das Gelände des Kettensägenkünstlers. Eine Skulptur schnitzte er vor zwei Jahren im Vogelgesangpark des Magdeburger Zoos. An einer alten Eiche erweckte er dort Vögel zum Leben. "Man ist wie Gott; man ist Schöpfer", erklärt er die Faszination des Schnitzens.

Dieses Gefühl kennt auch Jürgen Willenius. Der 69-jährige Magdeburger ist ebenfalls der Holzschnitzkunst verfallen. Zwar arbeite er nicht ganz so professionell wie Bernd Winter, dafür aber nicht weniger leidenschaftlich.

Auch er ist durch das Beobachten eines anderen Schnitzers zu seinem Hobby gekommen. "Mich faszinierte, als ich einen Künstler bei seiner Arbeit beobachtete, wie akkurat man mit einer Kettensäge arbeiten kann", verrät er. "Das wollte ich auch können." Aus diesem Grund habe er vor einigen Jahren einen Schnitzkurs bei einem Meister im Harz besucht. Seither verarbeitet er jedes größere Stück Holz, das ihm zwischen Hobel und Säge kommt. Neben abstrakten Skulpturen schnitze er besonders gern Tiere. "Eulen haben es mir beispielsweise angetan", verrät er. Abgesehen von ein paar Ausstellungen habe der Magdeburger jedoch noch keine Möglichkeit gehabt, sein Können zu präsentieren.

Das soll sich jetzt ändern. In Zusammenarbeit mit Galina Brieger, der Chefin des Magdeburger ArtDepots in Stadtfeld West, organisieren die Kettensägen-Künstler das 1. Internationale Holzschnitzerfestival Magdeburgs. "Es gibt Festivals der Malerei, des Theaters, der Musik, aber noch keines der Holzschnitzkunst", erklärt Galina Brieger die Intention. Dabei sei das eine Kunstform, die wesentlich mehr Anerkennung verdiene, als die, die sie jetzt habe. Vom 31. Mai bis zum 2. Juni werden daher sieben Künstler vor den Augen hoffentlich vieler Zuschauer arbeiten. Die großen Baumstämme dazu liegen bereits auf dem Hof des alten Depots bereit. Die habe das ArtDepot von der Stadt bekommen. Sie seien wohl aus dem Herrenkrugpark, erinnert sich Galina Brieger.

"Das Thema des ersten Festivals wird ¿Märchen und Sagen\' lauten", erklärt sie. "So wollen wir auch viele Familien ins Depot locken, denn das, was an den drei Tagen entsteht, wird nicht nur die Großen begeistern."

"Man kann Kunst nicht in Preise und Worte fassen."

ArtDepot-Chefin Galina Brieger

Interessierte können sich zudem vorab bei ihr melden und sagen, was aus den Stämmen entstehen soll - sozusagen als Auftragsarbeit. Dabei werden die fertigen Skulpturen zwischen 500 und 1000 Euro kosten, erklären die Künstler. Allerdings könne man Kunst nicht in Preise und Worte fassen, ergänzt die ArtDepot-Chefin, die auch immer noch nach Unterstützern für das Festival sucht. (kae)

Kontakt Galina Brieger, Tel. 24 35 81 50, E-Mail: artdepot@kunstfestival.com; Internet: www.artdepot-magdeburg.de