Altstadt l Studierende zeigen und erläutern Zeichnungen und Modelle, wie ein neues jüdisches Gemeindezentrum an der Kreuzung Julius-Bremer-Straße/Breiter Weg und nur ein paar Schritte vom Denkmal der Alten Synagoge entfernt aussehen könnte. Seit Oktober haben sich künftige Architekten, die in Dessau an der Hochschule Anhalt im Masterstudiengang und im dritten Semester des Bachelorstudiengangs studieren, mit dem Thema auseinandergesetzt.

Hintergrund: Nach 1000 Jahren jüdischer Geschichte ist mit der Zerstörung der Alten Synagoge im Jahr 1938 ein Stück Magdeburger Geschichte unterbrochen worden. Wadim Laiter ist Vorstandsvorsitzender der Synagogen-Gemeinde zu Magdeburg und sagt: "Solange es keine Synagoge in Magdeburg gibt, ist das dunkle Kapitel jener Zeit eigentlich noch nicht abgeschlossen." Und er sieht den Abschluss des Kapitels nicht allein als Thema für die Magdeburger Juden, sondern für alle Magdeburger.

Die Synagogen-Gemeinde hatte jedenfalls beim Baudezernat Informationen über mehrere innerstädtische Flächen eingeholt und der Stadtverwaltung die Julius-Bremer-Straße als optimalen Standort benannt. Daher auch das Semesterprojekt an der Hochschule Anhalt.

Oberbürgermeister Lutz Trümper hatte eine Vermarktung der Fläche ausgesetzt, damit die Gemeinde bauliche Entwürfe und Planungen vorlegen kann. Michael Reif: "Auf deren Grundlage können weitere Entscheidungen - auch von den Gremien des Stadtrates - getroffen werden." Rechtsverbindliche Zusagen seien der Synagogen-Gemeinde bislang aber nicht erteilt worden.

Diesen Umstand unterstreicht auch Wadim Laiter und sagt: "Wir möchten trotz unserer Präferenz weder den Stadtrat noch den Oberbürgermeister unter Druck setzen." Wenn die Entscheidung für einen endgültigen Standort gefallen sei, stehe die detaillierte Planung an. Und ein weiteres wichtiges Thema sei dann auch die Finanzierung des Vorhabens.

Professor Ralf Niebergall, der das Dessauer Semesterprojekt gemeinsam mit Professor Matthias Höhne betreut hat, sagt zu den Entwürfen: "Wenn sich junge Muslime aus dem Iran ebenso intensiv mit jüdischem Leben und der symbolischen Bedeutung von Synagogen auseinandersetzen wie Studierende aus Deutschland und den USA - dann ist dies gelebter interkultureller Dialog." Wie der Hochschulprofessor im Gespräch mit der Volksstimme sagt, sei die Schwierigkeit beim Standort Julius-Bremer-Straße gewesen, sich mit hohen Häusern in der Nachbarschaft auseinanderzusetzen und gleichzeitig kein Gebäude zu entwerfen, das erdrückend wirkt. Er sagt: "Das Ergebnis sind Ideen, die teils sogar sehr futuristisch wirken und die heute am ehesten in einer Millionenmetropole beispielsweise in Fernost denkbar wären."

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