Magdeburg l Statt durch die Altstadt soll die neue Straßenbahntrasse jetzt an Stadtfeld entlangführen. Das spart Geld beim Bau und Zeit auf dem Weg zum Bahnhof - so die Verwaltung. Manch Kritiker mag da anmerken: Wenn das so ist - warum nicht gleich so?

Es schien wie ein eisernes Gesetz: Der vierte Bauabschnitt für die Nord-Süd-Verbindung der Straßenbahn führt durch Krökentor und Rathenau-Straße und knickt in der Albert-Vater-Straße Richtung Norden zum Hermann-Bruse-Platz ab. Feierlich war vor vielen Jahren sogar schon in diesem Rahmen die Haltestelle Breiter Weg am künftigen Katharinenturm eingeweiht worden.

Nun hat die Stadtverwaltung die Pläne noch einmal überprüft und die alte Idee gekippt. Falls der Stadtrat sich mehrheitlich für die neueste von der Verwaltung favorisierte Variante begeistern kann, dürfte die Bahn ins Neustädter Feld die Altstadt rechts liegen lassen. Auf dem Weg in Richtung Norden führen die Bahnen dann ab Damaschkeplatz am Ring entlang und würden in Höhe der Motzstraße die Albert-Vater-Straße in Richtung Baudezernat überqueren. Die entsprechende Drucksache als Grundlage für einen Stadtratsbeschluss ist während der Dienstberatung des Oberbürgermeisters am Dienstag bestätigt worden. Sie wird zunächst in den Fraktionen und nach der Sommerpause in den zuständigen Ausschüssen des Stadtrates beraten. Der Stadtrat könnte dann wohl im September beschließen und damit den Weg frei machen für ein Planfeststellungsverfahren.

Allerdings: Wo neue Routen diskutiert werden, ist auch mit neuen Widerständen zu rechnen. Der neue große Plan soll den Kritikern wohl schon jetzt den Wind aus den Segeln nehmen: Möglichst wenige Kleingärten sollen dem Bauvorhaben zum Opfer fallen. Zudem werde ein großer Teil der Strecke hinter der Lärmschutzwand des Rings liegen, so dass die anliegenden Häuser auch vor den Geräuschen der Schienenfahrzeuge geschützt wären. Dafür allerdings müsse der Magdeburger Ring ein Stück in Richtung Osten rücken.

Ein hübscher Nebeneffekt: Der neue Abschnitt würde um 12,8 Millionen Euro billiger werden, was einer Einsparung von 40 Prozent zu den bisherigen Plänen entspricht. Haupt-ursache dafür ist der Wegfall der Arbeiten an der Eisenbahnbrücke über die Walther-Rathenau-Straße. Baubeigeordneter Dieter Scheidemann lobt die bessere Anbindung der neuen Strecke ans Straßenbahnnetz durch die von den MVB entwickelte Idee. Er verspricht einen offenen und transparenten weiteren Planungsprozess.