Magdeburg. Zoodirektor Kai Perret zeigt sich ratlos. "Ehrlich gesagt weiß ich im Moment nicht, was wir machen sollen", sagte er der Volksstimme und verweist auf den Eilbeschluss des Verwaltungsgerichtes Magdeburg. Inhalt: Der Zoo darf sein Affenhaus nicht weiterbauen. Einige Restarbeiten wurden noch erlaubt. Nun ist die Baustelle stillgelegt. Wie lange, weiß niemand.

Dabei hatte der Zoo gerade erst einen Baustopp überstanden. Bereits im Sommer hatte derselbe Anwohner aus Lärmschutzgründen einen Baustopp per Gericht erwirkt. Daraufhin änderte der Zoo mitten im Bau die Pläne und zog eine Schallschutzwand ein. Für das veränderte Projekt wurde daraufhin eine neue Baugenehmigung erteilt. Da sich der Baustopp auf die alte Baugenehmigung bezog, konnte folglich weitergebaut werden. Zoochef Kai Perret sah sich damit auf der sicheren Seite. Doch das war eine falsche Einschätzung.

Gericht: Kein neues Projekt, also keine neue Genehmigung

Das Verwaltungsgericht folgt in seinem neuen Eilbeschluss der Anwohnerargumentation. Die lautet aus dem komplizierten Juristendeutsch übersetzt in etwa so: Die neue Schallschutzwand sei kein neues Projekt. Die Baugenehmigung sei nur formal neu erteilt worden, um den Baustopp zu umgehen.

Im Kern geht es um die Frage, welchen Lärmschutz der Zoo vornehmen muss, damit die unkalkulierbaren Affenschreie nicht nach außen dringen und Anwohner belästigen. Nach Auffassung des Zoos seien ausreichende Maßnahmen getroffen und von Gutachtern bestätigt worden. Grundlage sei die TA Lärm, eine Lärmschutzverordnung für Industrielärm. Danach halte der Zoo alle Kriterien ein. Strittig ist, ob diese TA Lärm für Tierlärm Anwendung findet oder nicht.

Die endgültige Klärung wird nun das Gericht treffen müssen. Gegen den Baustopp hat die Stadt als Bauherr Beschwerde eingelegt, bestätigte Verwaltungsgerichtssprecher Christoph Zieger. Damit wird der zweite Akt im "Affentheater" automatisch ein Fall fürs Oberverwaltungsgericht. Unabhängig davon ist der neue Baustopp ein herber Rückschlag. Der Zoo wollte das Haus unbedingt noch vor dem Wintereinbruch so weit vollendet haben, dass der Innenausbau umgesetzt werden kann. Wird der Zeitplan nicht gehalten, droht auch die pünktliche Hausöffnung Mitte nächsten Jahres mit Platz für bis zu 15 Menschenaffen zu scheitern.

Problem: Genehmigung für altes Haus läuft aus

Neben Mehrkosten kommt auf den Zoo noch ein Problem zu. Die Affenhaltung im sanierungsbedürftigen alten Haus ist nur bis Jahresende genehmigt. Die Verlängerung beruht auf der Perspektive, dass die Affen Mitte 2014 umziehen. Doch genau das steht mit dem neuerlichen Baustopp und einem vermutlich wochenlangen juristischen Tauziehen nun in Frage.

Bereits der erste Baustopp hatte für eine Verzögerung von drei Wochen gesorgt.