Magdeburg l Das Affentheater um das Primatenhaus hat einen neuen, aber mit Sicherheit nicht letzten Akt. In dem seit Monaten schwelenden Streit um Lärmschutzvorschriften geht der Zoo nun auf Nummer sicher und baut das Affenhaus als "Tropenhaus" weiter. Der Unterschied: Bei der neuen Baugenehmigung sind keine gesonderten Schallschutz-Vorschriften zu erfüllen.

Genau die waren Auslöser für das Gezerre um die Baugenehmigung. Zweimal schon hatte ein Anwohner Rechtsschutz beim Oberverwaltungsgericht in Form eines Baustopps erhalten, weil er den Lärmschutz nicht ausreichend berücksichtigt sah. Die Folge war wochenlange Ruhe auf der Baustelle. Eine Bauruine drohte und mit ihr ein immenser finanzieller Schaden. "Hochrechnungen weisen für das kommende Jahr einen höheren sechsstelligen Betrag als Schaden aus für den Fall, dass die Baustelle weiter ruhen müsste", sagte Zoosprecherin Regina Jembere. Der Zoo musste also handeln und sah sich zu einer ungewöhnlichen Planänderung gezwungen. Er baut das Affenhaus nun weiter - aber ohne die Affenhaltung einzuplanen. So kann der Rohbau noch vor dem Winter geschlossen werden - ein wichtiges Zwischenziel.

Unklar ist, ob in das Haus jemals Affen einziehen. Dafür muss nun nachträglich eine Genehmigung eingeholt werden. Der Zoo sieht das selber kritisch, denn in einer Mitteilung heißt es: "Welche Tierhaltung überhaupt möglich ist, ist aus heutiger Sicht ungewiss. Der Zoo wird sich in dieser Frage um eine einvernehmliche Lösung bemühen, die den Interessen aller Parteien gerecht wird."

Ob darin auch der Steuerzahler inbegriffen ist, bleibt offen. Der Zoo ist eine GmbH der Stadt und kann auch mit der neuen Baugenehmigung nicht sagen, ob die geplante Eröffnung Mitte 2014 und die kalkulierten 3,1 Millionen Euro Baukosten gehalten werden. "Wir hoffen es, aber wer kann das heute schon einschätzen", kommentiert Regina Jembere.

Zudem wird der Zeitdruck immer größer. Die Schimpansen im alten Affenhaus leben dort nur noch per Sondergenehmigung mit der Perspektive des Umzugs in das neue Haus.