Magdeburg l Voll ausgelastete Heime, steigende Einnahmen und eine Bilanz mit schwarzen Zahlen - WUP-Geschäftsführer Norbert Lendrich hat die Krise der städtischen Pflegeheime für beendet erklärt: "Die Wolken sind weg. Die Sonne scheint über unserem Unternehmen, und zwar hell", verkündet Lendrich vollmundig.

Den Aufwärtstrend bestätigt der Aufsichtsratsvorsitzende der WUP, Stadtrat Martin Danicke (SPD): "Diese Einschätzung kann ich vollends teilen." Gewerkschafter Oliver Greie von Verdi erinnert allerdings daran, wer das Überleben der WUP möglich machte: "Die Mitarbeiter haben jahrelang auf Geld - teilweise auf bis zu 20 Prozent - verzichtet, damit es die WUP weiter gibt. Mit einem neuen Haustarifvertrag heben wir die Löhne zurück auf den Stand von vor sechs Jahren, das ist noch keine Lohnerhöhung." So waren die Gehälter zwischenzeitlich auf dem Stand von 2008 "eingefroren" worden und auf Tariferhöhungen verzichtete die Mehrheit der Angestellten seither.

Noch sind nicht alle Unterschriften unter den ausgehandelten Tarifvertrag gesetzt, und die Betriebsratsvorsitzende Stefanie Stahl will das Ergebnis erst mit ihren Kollegen beraten, bevor sie eine öffentliche Stellungnahme abgibt. Doch Verdi-Vertreter Greie ist überzeugt, dass am 19. Dezember auf einer Mitarbeiterversammlung höhere Löhne bei der WUP ab Januar bekanntgegeben werden können. Das gelte sowohl für die 400 Mitarbeiter der Muttergesellschaft WUP gGmH als auch die 100 Beschäftigten in der ausgegliederten Service-Gesellschaft.

Mindestlohn für Servicekräfte

"Wir haben uns für die Muttergesellschaft auf einen Haustarifvertrag geeinigt, der an den Tarifvertrag für den Öffentlichen Dienst angelehnt ist", sagte Greie am Montag der Volksstimme, ohne Details zu nennen. Aber auch für die Mitarbeiter aus Küche, Reinigung und Betreuungsdienst in der Service-Gesellschaft soll es ab Januar mehr Geld geben. Im Service werde künftig kein Mitarbeiter unter dem Mindestlohn von 8,50 Euro liegen, sagte Greie.

Der Gewerkschafter ist mit dem Ergebnis "rundum zufrieden": "Bisher wurden alle unterschiedlich schlecht bezahlt, das muss man so sagen. Jetzt wird das Gehaltsgefüge geradegezogen und es werden künftig Löhne gezahlt, von denen man leben kann."

Verständlich sei, dass bei Heimbewohnern und Angehörigen der Ärger über zuletzt gestiegene Heimkosten noch nicht verzogen ist. "Doch Qualität kostet Geld", hält Greie dagegen.

Die Probleme aus der Vergangenheit sind damit nicht vergessen, ob Tarifstreit mit der Belegschaft oder Pflegeskandal im ehemaligen Heim "Luisengarten". Doch Geschäftsführer Lendrich erklärt: "Die düsteren Zeiten sind vorbei."

Expansionspläne

Nachdem der WUP-Chef jüngst im Rathaus für das Geschäftsjahr 2012 einen Jahresüberschuss von rund 437 000 Euro präsentieren konnte, ist der Verkauf des Unternehmens an Private vom Tisch. Den hatte die Stadt bisher als letzten Ausweg in der Hinterhand, falls ihre Pflegegesellschaft nicht aus den Miesen kommt.

Das Unternehmen hat laut Lendrich die Trendwende geschafft. Und der WUP-Chef schmiedet angesichts von Wartelisten für Betten in seinen Häusern inzwischen schon Expansionspläne: Zwei neue "kleinere Heime mit 50 bis 60 Betten" schweben ihm vor.

Aufsichtsrats-Chef Danicke trägt den Erweiterungskurs mit: "Einen Beschluss dazu gibt es noch nicht. Aber nach Jahren des Schrumpfens ist das ein Thema, über das wir als Nächstes sprechen werden."