Magdeburg l Magdeburg bleibt Hochburg der Fahrraddiebe. Die Räder verschwinden vom Straßenrand, aber auch aus Hinterhöfen und Kellern. 2014 waren es pro 100000 Einwohner 3783 Fahrräder, eine der höchsten Diebstahlquoten in Deutschland. Auch in Sachsen-Anhalt stieg die Anzahl der Delikte voriges Jahr auf fast 14000 Fahrräder.

Während die Möglichkeiten, sein Fahrrad zu schützen, zahlreich sind, ist keine völlig sicher, sagte Frank Held, Kriminaloberrat des Polizeireviers Magdeburg. "Man muss die Beute so unattraktiv wie möglich machen", sagte Held: "Nur auf Codierung setzen, und dann kaufe ich mir ein billiges Schloss, das funktioniert nicht."

Der Grund für den Stopp der Magdeburger Codierung ist der Wegfall von Arbeitern der Gesellschaft für Ausbildung, Qualifizierung und Beschäftigung (AQB). Zuletzt versahen sechs vom Jobcenter eingesetzte Kräfte in der Polizeidirektion Sachsen-Anhalt Nord Fahrräder mit den Initialen und der verschlüsselten Adresse des Besitzers. Die Codierung soll abschrecken und helfen, gestohlene Fahrräder an den Besitzer zurückzugeben. Insgesamt wurden seit 1996 fast 100000 Fahrräder codiert. Eine Verlängerung des Programms ist in diesem Jahr nach Auskünften der AQB unwahrscheinlich.

Es sei auch nicht notwendig, meinte Jens Kaßmann, Shopmanager der Little-John-Bikes-Geschäfte in Magdeburg. Kaßmann verwies darauf, dass die Rahmengarantie des Herstellers mit der Codierung erlösche, weil von Produzenten Statikprobleme befürchtet werden. Jeder Hersteller könne die freiwillige Garantie beliebig an Bedingungen knüpfen. Der Händler Little John Bikes sieht die gesetzliche Gewährleistung durch eine Codierung nicht gefährdet, soweit klar ist, dass ein Schaden nicht durch die Codierung entstand.

Kaßmann rät dazu, die Rahmennummer des Rades zu notieren, um sie im Diebstahlfall angeben zu können. Die Polizei registriert die Rahmennummern aufgefundener Fahrräder, kann sie aber anders als bei der Codierung nur an den Besitzer zurückgegeben, wenn dieser eine Anzeige samt Rahmennummer erstattet.

Das Magdeburger Büro des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) befürwortet unterdessen Codierungen. Landesgeschäftsführer Christoph Deike findet außerdem, dass es in Magdeburg zu wenige Fahrradbügel gibt.

"Bei den flachen Fahrradständern hat man keine Möglichkeit, den Rahmen anzuschließen", sagte Deike. "Das macht es für Diebe leicht."

Christoph Deike empfiehlt, Fahrräder auch im eigenen Keller oder Hinterhof anzuschließen. Dazu sollten Rahmen und ein Rad mit einem robusten Bügelschloss an einen fest verankerten Fahrradständer geschlossen werden.

Schwere Diebstähle aus Boden- und Kellerräumen sowie Waschküchen nehmen in ganz Deutschland erheblich zu. Das Bundeskriminalamt registrierte 2014 einen Zuwachs von knapp sieben Prozent. 2013 lag der Zuwachs sogar bei elf Prozent.

2013 wurden in Magdeburg mehr Fahrräder gestohlen als in anderen deutschen Großstädten. In der Statistik für 2014 wird Magdeburg zwar nicht mehr auf dem unrühmlichen ersten Platz bei den Fahrraddiebstählen geführt, kommt aber weiter auf einen der vorderen Plätze. Das sagte Thomas Neubert, Pressereferent beim Onlineportal Geld.de.

Er stellt die Statistik der Diebstahlhochburgen aus Polizeistatistiken in ganz Deutschland zusammen. "Es gibt Brennpunkte, vor allem in Ostdeutschland", sagte Neubert.

Er vermutet, dass die verschwundenen Fahrräder "irgendwo hingeschmissen oder mittlerweile in Einzelteile zerlegt wurden". Ob Kriminelle Fahrräder ins Ausland bringen, erfasst die Polizei indes nicht. "Magdeburg liegt nun mal verkehrsgünstig", sagte Kriminaloberrat Frank Held.

Bei manchen Tätergruppen sei Abschreckung wenig wirksam, so die Polizei. "Wir haben in Magdeburg kleinkriminelle Intensivtäter, die abhängig von Betäubungsmitteln sind und einen Beschaffungsdruck haben", sagte Held.

Die Polizei rät deswegen zu dem Motto: Abschließen ist gut, anschließen ist besser, wegschließen am besten.