Bauabschnitt 7

Die Straßenbahntrasse durch die Raiffeisen- und die Warschauer Straße verbindet von West nach Ost die Stadtteile Leipziger Straße und Buckau. Als Bauabschnitt 7 ist er eingebunden in das Gesamtprojekt Zweite Nord-Süd-Verbindung, mit der das Magdeburger Straßenbahnnetz ausgebaut wird. Im Zuge des Ausbaus werden weitere Trassen vom Damaschkeplatz ins Neustädter Feld und weiter bis in den Kannenstieg vorbereitet. Im Bau ist derzeit die Verbindung zwischen Halberstädter und Leipziger Straße durch die Wiener Straße - an diesen Abschnitt schließt die Strecke durch die Raiffeisenstraße an. Bereits in Betrieb sind die Neubaustrecken durch den Europaring und zwischen Kirschweg und Reform sowie die sanierte Strecke in der Leipziger Straße.

Neu gebaut werden für die Trasse in der Raiffeisenstraße 1090 Meter Doppelgleis. Außerdem werden 570 Meter Doppelgleis in der Schönebecker Straße erneuert und acht barrierefreie Haltestellen mit Wartehallen und Fahrgastinformationssystem geschaffen. Angelegt werden durchgängige Radverkehrsanlagen in der Raiffeisenstraße, Warschauer Straße und insbesondere auch in der Schönebecker Straße. (ri)

Magdeburg l Grundsätzlich steht fest: Die Straßenbahntrasse durch Raiffeisen- und Wiener Straße wird gebaut. Dazu gebe es einen Stadtratsbeschluss und einen Nachweis zur Wirtschaftlichkeit des Projektes - und zwar entgegen der Vermutung von Kritikern nicht mit Zahlen aus den 1990er Jahren, sondern mit sehr viel aktuelleren. Daher mochten die Vertreter der Magdeburger Verkehrsbetriebe (MVB) auch nicht über das Ob diskutieren. Das Wie stehe jetzt auf der Tagesordnung, machte MVB-Geschäftsführerin Birgit Münster-Rendel gleich zu Beginn einer Bürgerinformationsveranstaltung klar.

1 Verschlingung unter der Eisenbahnbrücke
Ein Nadelöhr auf der Neubaustrecke ist die Eisenbahnbrücke am Buckauer Bahnhof. Falls die Magdeburger noch keine Gleisverschlingung (siehe Grafik) kennen - hier werden sie sie kennenlernen. Maßgabe war nämlich, die Bahn auf einem eigenen Gleiskörper zu führen. Da nämlich die Bahn keine vier Meter Höhe benötigt, würde die Trasse auch bei einem Neubau der Eisenbahnbrücke noch funktionieren. Da die Breite unter der Brücke aber nicht für eine Trasse mit zwei getrennten Gleisen reicht, favorisieren die MVB derzeit eine Gleisverschlingung wie in der Grafik abgebildet. Zwar kann hier wie bei einer eingleisigen Strecke immer nur eine Bahn fahren und die Gegenrichtung muss warten - bei dieser Lösung entfallen aber die teuren Weichen.

Der Vorschlag aus der Anwohnerschaft, doch auch an anderen Engstellen auf diese Lösung zu setzen, stieß bei den Planern auf wenig Gegenliebe. Grund: Auf längerer Strecke würde es zu großen Verzögerungen kommen, da die Durchlassfähigkeit wie bei einer eingleisigen Strecke sehr gering ist. Daher sei eine solche Lösung nur dort sinnvoll, wo es um kurze Abschnitte geht und wo es keine anderen Möglichkeiten gibt.

2 Kein Durchkommen über die Trasse
Zwischen Leipziger und Dodendorfer Straße soll eine Überquerung nur an einer Ampelanlage an der Rudolf-Wolf-Straße möglich sein. Zwar werden die Autos hier halten müssen, von Staus möchten die Vertreter der MVB dennoch nicht sprechen: Echte Verkehrsbehinderungen ergeben sich an Leipziger, Dodendorfer und Schönebecker Straße, wo Verkehr in nennenswertem Umfang die Fahrtrichtung der Trasse quert.

Die fehlende Möglichkeit für Fußgänger und Radfahrer, auch an anderen Stellen die Trasse zu überqueren, kritisiert Grünenstadtrat Jürgen Canehl: Er sieht darin eine Motivation für beide Gruppen, sich nicht an die Regeln zu halten und befürwortet Querungsmöglichkeiten wie auf dem Breiten Weg zwischen Danzstraße und Ernst-Reuter-Allee.

3 Denkmal bleibt, Baumreihe fällt
Während die Baumreihe auf der Nordseite der Raiffeisenstraße erhalten bleibt, fallen auf der Seite des Südfriedhofs die Bäume. Ein paar Meter weiter wird eine neue Baumreihe gepflanzt. Bis auf sechs Meter werden Flächen vom Friedhof für die neuen Verkehrsanlagen genutzt. Der Eingriff erfolgt jedoch nicht direkt ab Leipziger Straße, so dass das denkmalgeschützte Grabmal direkt auf der Ecke des Südfriedhofs erhalten wird. Weichen muss ein wild gewachsener Gehölzstreifen. Gräber, für die die Nutzungszeit noch nicht abgelaufen ist, sind nicht betroffen.

4 Auf der Suche nach der richtigen Haltestelle
Nicht ganz klar war die Position der Haltestelle am Bahnhof Buckau. Die jetzige Lösung sieht eine Position an der Porsestraße vor, so dass von hier Bahnhof wie Puppentheater gut erreicht werden können, dass aber auch keine Störungen für den Betrieb des Puppentheaters durch an- und abfahrende Bahnen zu befürchten sind.

Auch auf der Schönebecker Straße werden Haltestellen verschoben. Grund: Barrierefreie Haltestellen können nur außerhalb von Kurven gebaut werden.

5 Kein Abbiegen ins Stadtzentrum
Keine Möglichkeit haben künftig Bahnen, aus der Raiffeisenstraße stadteinwärts in die Leipziger Straße abzubiegen und umgekehrt. Grund: Die enge Bebauung erschwert die Führung der Gleise erheblich, so die Planer. Und diese Abzweigung würde allenfalls bei Havarien für Umleitungen benötigt. Angesichts der hohen Kosten für Gleisvierecke wäre diese Möglichkeit wirtschaftlich nicht darstellbar.

6 Platzknappheit ist weiter ein Thema
Zum einen geht es bei diesem Punkt um die Stellplätze für Autos. Nach aktuellem Stand würden noch 33 Plätze in der Raiffeisenstraße und sechs in der Wiener Straße wegfallen. Die MVB geben sich aber optimistisch, dass weitere Ersatz-Stellflächen erschlossen werden können.

Das zweite Platzproblem betrifft die engen Radwege. Jürgen Canehl hatte darauf hingewiesen, dass der Radverkehr an Bedeutung gewinnt, dass Elektroräder für mehr Geschwindigkeit sorgen und auch für Radfahrer Überholmöglichkeiten bestehen müssten. Ob es denn möglich sei, ein paar Zentimeter in diesem Sinne vom Fußweg abzuzwacken. Birgit Münster-Rendel sagte zu, dieses Thema zu prüfen.

7 Und wohin rollen künftig die Bahnen?
Keine Informationen gibt es dazu, wie künftig die Bahnen rollen. Damit wäre zum Beispiel denkbar, dass in Buckau Linien sowohl ins Stadtzentrum als auch nach Südosten weitergeführt werden.

8 Und wie weiter mit den Planungen?
Die jetzt vorgestellten Entwürfe sind noch nicht maßgeblich für den endgültigen Bauplan. Zunächst werden die MVB wohl im September einen Antrag auf Planfeststellung einreichen. So der Stadtrat zustimmt, werden die Pläne ausgelegt, und die Bürger ebenso wie Institutionen können ihre Hinweise geben. Dem können die Planer folgen. Bei Konflikten wird in einer Abwägung entschieden, welche Lösung die beste für die Allgemeinheit ist. Die Ausschreibungen könnten dann Ende 2016/Anfang 2017 erfolgen, Baubeginn wäre im zweiten Quartal 2017.

 

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