Wer mit Werner Agatz ins Gespräch kommen möchte, erreicht ihn unter Tel. 0177/602 28 04. Wer den Verein unterstützen möchte, findet alle Infos unter: www.schaedelhirnhilfe.de

Berlin/Magdeburg (ka) l Das Leben ist das, was man daraus macht! Und wen die Beine nicht mehr tragen, der fährt. Wenn es sein muss, auch quer durch die Republik. So, wie es Werner "Mausel" Agatz derzeit tut. Der 57-Jähriges reiste von Berlin nach Lippstadt - via Rollstuhl!

Das Besondere: Nicht etwa mit der Bahn. Nein! Der Berliner fuhr über Land; auf Radwegen und querfeldein tourt er seit dem 7. Mai durch Deutschland. Alles, um seine 83-jährige Mutter in Nordrhein-Westfalen besuchen zu können. Derzeit befindet er sich auf dem Heimweg seiner Reise. Am Dienstag weilte er in Magdeburg, am Mittwoch fuhr er weiter gen Burg, ehe es am Donnerstag wohl in Richtung Genthin geht.

Was nach einem großen Abenteuer klingt, hat einen traurigen und unfassbaren Hintergrund: "Meine Mutter ist alt. Ich wollte sie unbedingt noch einmal besuchen. Nur leider will mich die Bahn mit meinem Elektro-Rollstuhl nicht mitnehmen", erklärt er. Der Grund sei die "Überlänge" des Mobils.

Nicht nur, dass der Rollstuhl um ein paar Zentimeter zu lang sei. Werner Agatz benötigt auch einen kleinen Anhänger, um sein Gepäck transportieren zu können. Zu viel - oder besser: zu lang - für die Deutsche Bahn. Daran habe auch Unterstützung von außerhalb nichts ändern können, erklärt er. Und so machte der 57-Jährige aus der Not eine Tugend.

Die 478 Kilometer von Berlin bis Bad Waldliesborn (nahe Lippstadt), wo seine Mutter gerade Urlaub macht, legte er kurzerhand mit seinem 15 PS starken Gefährt zurück. Bis zu 60 Kilometer kann er am Tag fahren: "Das ist dann aber hart an der körperlichen und an der elektronischen Grenze." Stationen waren nach Berlin die Städte Potsdam, Brandenburg/Havel, Magdeburg, Helmstedt, Braunschweig, Peine, Hildesheim und Paderborn. Was er auf seiner Tour erlebte, klingt mitunter abenteuerlich. Denn die Route, die ihm sein Navi vorgibt, führte ihn mitunter auf Forst- und Landwirtschaftswege, über einen Friedhof oder auch mal auf die Straße.

Auch wenn seine Erlebnisse ein Buch füllen könnten, steht neben seiner Mutter etwas ganz anderes im Fokus seiner Reise: "Um der ganzen Sache einen Sinn zu geben, bin ich gewissermaßen als Botschafter des Vereins \'Hilfe für Schädel-Hirngeschädigte\' unterwegs." Denn diese Erkrankung ist der Grund, warum Werner Agatz im Rollstuhl sitzt. Seit seiner Geburt ist er zuckerkrank, was eine Schädigung des Nervensystems verursachte.

Für den Verein sammelt er Spenden, die Unterstützer erhalten als Dankeschön selbst gestaltete Postkarten. Denn wenn er gerade mal nicht mit seinem Rollstuhl durch die Gegend braust, ist er Künstler und fertigt unter dem Namen "Mausel" aus Papierrollen Bilder und Plastiken. Leider habe die Tour bisher gerade einmal 100 Euro eingebracht. Das macht ihn ein wenig traurig. Denn nicht alle Reaktionen auf seine Aktion seien positiv: "Beim Frühstück unterhielten sich zwei Frauen darüber, wie unverantwortlich sie meine Tour finden. Doch was soll ich machen? Zu Hause bleiben und Trübsal blasen?" Nein! Werner Agatz macht weiter. Zumindest solange er es noch kann. Eine neue Tour hat er auch im Sinn: in die behindertengerechteste Stadt Europas, nach Kopenhagen.