Magdeburg l "Wenn das Nutzungskonzept vollmundig angepriesen wird als eine Art Durchbruch, der auch die Interessen von Anliegern wie der Domgemeinde berücksichtigt, dann ist das einfach nicht wahr", bringt Domprediger Giselher Quast seine Enttäuschung auf den Punkt. Zementiert würde nur der alte und für die Gemeinde unbefriedigende Zustand. Ein Gespräch mit der Gemeinde habe im Zusammenhang mit dem Nutzungskonzept niemand gesucht. Die Verwaltung sieht keinen Gesprächsbedarf. Die Fronten sind verhärtet. Ein neuer Konflikt 2017 ist programmiert. Dann wollen Tausende Christen den Kirchentag zum Lutherjahr (500 Jahre Reformation) feiern, werden aber vor dem Dom mit den Bühnenbauern der Theater-Open-Air-Bühne kollidieren.

Das Domplatz-Nutzungskonzept bzw. dessen Entwurf (Auszüge im Infokasten rechts) sichert dem Theater jährlich von Anfang Mai bis Ende Juli quasi Hausrecht auf dem Platz zu. Die jährliche Theaterdauerbespielung zur besten Städtetouristen- und Orgelkonzert-Saison ist Hauptkritikpunkt einzelner Stadträte und anderer Magdeburger sowie auch der Domgemeinde, für die die Dauerbeschallung des Platzes vielmehr Lärmbelästigung als einem Höhepunkt im Stadtkulturleben gleichkommt. Die Verwaltung wähnt eine klare Mehrheit der Magdeburger hinter sich, wenn sie im Sinne der besucherträchtigen Theaterspiele die Kritik Einzelner ignoriert. Darüber hinaus sind auf dem Platz laut Nutzungskonzept drei Großkonzerte und zwei Märkte pro Saison zulässig, daneben das Kaiser-Otto-Fest und "volksfestähnliche Aktivitäten während der Vorweihnachtszeit". Auf Nachfrage räumt das Stadtoberhaupt ein, dass der Passus die Tür für den Weihnachtsmarkt vor dem Dom offenhält. Lutz Trümper: "Aktuell ist da aber nichts geplant."

Noch ist das Nutzungskonzept nur ein Papiertiger. Gültigkeit erlangt es per Ratsbeschluss. Im Ausschuss für Rechts- und Bürgerangelegenheiten hat das Konzept Ende Mai einstimmig (5:0) einen Durchmarsch hingelegt. "Weil ich leider nicht anwesend war", sagt CDU-Mann Michael Hoffmann. Er gehört zur Handvoll Gegner des allsommerlich mit Kulissen und Tribünen bestellten Platzes im Stadtrat. "Nichts gegen Konzerte, nichts gegen das Theater. Aber die wochenlange Verbauung im Sommer ist ein Problem", so Hoffmann, "schließlich haben wir den Platz für mehr als drei Millionen Euro Steuergeld mit neuem Pflaster und Wasserspielen für die Öffentlichkeit hergerichtet."

Im Wirtschaftsausschuss, hier ist Hoffmann Chef, schrammte das Konzept mit zwei Pro-Stimmen, einer Gegenstimme und einer Enthaltung knapp an Ablehnung vorbei. Und das, obwohl der Innenstadthandel felsenfest hinterm Theater-Open-Air steht. Ladenbesitzer, Gastronomen und Hoteliers versprechen sich Mitnahmeeffekte durch zahlungskräftiges Publikum. Morgen tagt der Kulturausschuss zum Thema. Kaum anzunehmen, dass gerade er das Theater vom Platz haben will.

Noch vor der Sommerpause wird das Konzept im Stadtrat verhandelt und ziemlich sicher verabschiedet. In vorangegangenen Debatten zeichnete sich eine Mehrheit in allen Lagern ab. Sicher ist auch: Das Ringen um den Platz wird weitergehen. Die Kritiker wollen, dass der Platz lebt, aber anders. Gegen den Weihnachtsmarkt vor dem Dom hätte Prediger Quast übrigens reinweg nichts einzuwenden.