Wie weiter am Magdeburger Zoo? Oder besser: Mit wem? Am kommenden Donnerstag schlägt die Stunde der Wahrheit für Zoodirektor Kai Perret. In nicht öffentlicher Sitzung entscheidet der Stadtrat darüber, ob sein Dienstvertrag als Chef der gemeinnützigen Zoo GmbH verlängert wird.

Magdeburg. Die Personalie Perret könnte im Stadtrat als Formalie abgehandelt werden, wären da nicht die misslichen und sogar justiziablen Vorgänge um Tiertötungen. Für das Einschläfern von drei Tigerwelpen anno 2008 kassierten Perret und beteiligte Mitarbeiter ein Urteil wegen des Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz. Wegen der Tötung von 27 Zebrafinken im Mai dieses Jahres ermittelt die Staatsanwaltschaft erneut. Die jüngst öffentlich gewordenen Elefantenattacken auf einen Pfleger und eine Zoobesucherin mögen durch unglückliche Umstände erklärbar sein; sie fügen sich dennoch in die Liste von Negativschlagzeilen aus dem Magdeburger Zoo ein. So gesehen kommt das Auslaufen seines Dienstvertrages und die Frage nach seiner Verlängerung für Perret zur Unzeit. Für einen Großteil der Stadträte käme es seine Ablösung allerdings auch.

Der Zoo befindet sich aktuell im Um- und Ausbau. Mitten in diesem Prozess Ross und Reiter zu wechseln, wäre nicht risikolos. Es zeichnet sich ab, dass eine Ratsmehrheit - auch in Anbetracht von Perrets Verdiensten bei der Zooführung seit 2003 - dieses Risiko nicht eingehen will.

Bereits im Juli hat der Aufsichtsrat der Zoogesellschaft die Weiterbestellung Perrets empfohlen. OB Lutz Trümper (SPD) blieb auch nach dem rechtskräftigen Urteil gegen Perret in Sachen Tigertötungen an der Seite des Zoochefs und bekräftigte gestern auf Nachfrage: "Wir empfehlen dem Stadtrat die Vertragsverlängerung für fünf Jahre." Das ist der reguläre Turnus, wonach Perrets Verpflichtung am Zoo bis Ende 2016 fortgeschrieben würde.

Der Tierarzt Klaus Kutschmann, Stadtrat des Bundes für Magdeburg unter dem Dach der CDU-Fraktion, wünscht sich vor dem Hintergrund des ergangenen Urteils und neuer Ermittlungen gegen den Zoochef allerdings so etwas wie einen Warnschuss: "Ich werde in der Fraktion eine verkürzte Vertragslaufzeit von vielleicht drei Jahren anregen", so Kutschmann, "sozusagen zur Bewährung." Man wolle, so Kutschmann, bei anderen Fraktionen das Maß der Zustimmung für diesen Vorschlag "sondieren". Er könnte am Donnerstag als Änderungsantrag zum Beschlusspapier der Verwaltung auf die Ratstische kommen. Wird nichts aus diesem Kompromiss, zeichnet sich die Ablehnung der Vertragsverlängerung für Perret aus den Reihen der Christdemokraten ab. So zumindest erklären sich die beiden Gegenstimmen zur Weiterbestellung Perrets, die es nach Volksstimme-Informationen im Verwaltungsausschuss gab. Eine Mehrheit dieses vorentscheidenden Ratsgremiums hat sich allerdings pro Perret, also für seinen Verbleib an der Spitze des Zoos, ausgesprochen.

"Ich sehe der Entscheidung am Donnerstag zuversichtlich entgegen", sagte Perret gestern auf Nachfrage.

Was die Kritik an Tiertötungen betrifft, lenkt Perret ein: "Wir Zoos dürfen nicht länger im eigenen Saft schmoren. Unsere ethischen Richtlinien reichen offenbar nicht mehr aus. Wir brauchen neue, juristisch tragfähige Regelungen für das Management unserer Populationen, die auch eine breite gesellschaftliche Akzeptanz finden." Ein Ratsbeschluss zielt in die gleiche Richtung und verlangt "Leitlinien zur Vermeidung von Tiertötungen". Das Thema beschäftigt bereits den Zoo-Aufsichtsrat.

Für die kommenden Jahre stehe, so Perret, das Gros der Investitionen in die Zukunft des Zoos an. Der Ausbau wurde unter Perrets Federführung geplant und bereits 2006 im Stadtrat beschlossen. 2012 und 2013 wird das Menschenaffengehege erweitert. Parallel laufen Planungen zum Bau eines neuen Elefantengeheges und gastronomischer Anlagen. Bis 2015 soll der neue Zoo komplett sein. Natürlich wünscht sich Kai Perret, ihn eröffnen und auch darüber hinaus leiten zu dürfen.

 

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