Das Mitte Mai eröffnete Museumsschiff Gustav Zeuner macht ab Sonntagabend die Schotten dicht - Winterpause. Die erste Saison des auf Land am Handelshafen stationierten alten Kettendampfers übertrifft alle Erwartungen.

AlteNeustadt l Auch gestern Nachmittag um 14 Uhr das alltägliche Bild vor dem Museumsschiff im Handelshafen: Eine Menschentraube versammelt sich vor dem Steg, der auf Deck des zwischen 2006 und 2010 von der Gise restaurierten Dampfers führt. Noch bis Sonntag ist in diesem Jahr dreimal täglich (10, 12 und 14 Uhr ) die Besichtigung des historischen Elbschiffs möglich. Danach ist Winterpause. Das Museumsschiff ist nicht beheizt, und aus Sicherheitsgründen seien im Winterhalbjahr keine Führungen über und unter Deck vorgesehen, erklärt Reinhard Kuhne, Chef der Gesellschaft für Innovation/Sanierung (Gise).

Am 1. Mai des kommenden Jahres ist Neustart des Museumsbetriebes in die 2. Saison.

Stadt und Gise sind zufrieden: In den ersten fünfeinhalb Monaten nach der Eröffnung Mitte Mai 2011 hat der geschichtsträchtige Dampfer eine Saison hingelegt, die "alle unsere Erwartungen übertroffen hat", freut sich Kuhne. Bis gestern enterten rund 5200 Besucher Magdeburgs letzten Kettendampfer, weist seine Statistik aus. Das seien pro Monat rund 1000 Besucher gewesen.

Fast alle hätten sich begeistert geäußert, wissen auch die fünf Experten der Gise vor Ort. Die Magdeburger haben das 1894 in Dienst gestellte Kettenschiff ins Herz geschlossen. Immerhin: Seit den 1930er Jahren war es eine Größe am Salbker See, wo es als Umkleidekabine diente. Später verrottete der Rumpf auf dem Grundstück. Mit Hilfe der Stadt und der Arbeitsagentur wurde es von der Gise orignalgetreu restauriert. Ein Meisterstück, werten viele Magdeburger, die ihre Gäste gern zum neuen Ausflugsziel im Wissenschaftshafen führen. Außer dem Neuaufbau des kompletten Schiffskörpers wurde sogar eine funktionierende Dampfmaschine beschafft. Die am weitesten gereisten Besucher kamen aus Australien und aus Kanada. In maritimen Fachkreisen in Deutschland erregte das Schiff Aufsehen. Es ist Zeugnis eines technisch außergewöhnlichen Kapitels der Elbeschifffahrt. Die Kettendampfer hangelten sich stromauf an einer auf dem Elbgrund liegenden über 600 Kilometer langen Kette zwischen Hamburg-Magdeburg-Usti. Ähnlich spektakulär wird die Restaurierung durch Experten der Gise bewertet - arbeitslose Ingenieure und Techniker. Reinhard Kuhne zufolge gebe es weiterhin Bemühungen, die "Zeuner" direkt an das Radwegenetz anzuschließen. Ob das in der nächsten Saison der Fall sein wird, ist nicht klar. Eines jedoch steht fest: 2012 bleibe der Besuch des Museumsdampfers weiterhin kostenlos, sagt er.