Die Zukunft des Kümmelsbergs (Westseite) ist weiter offen. Die Pläne für ein Eigenheimgebiet sowie für einen neuen Supermarkt werden zurzeit in den Stadtratsausschüssen beraten. Forderungen von Anwohnern spiegeln sich in Änderungsanträgen der Parteien wider.

Diesdorf l Die Vorhaben zweier Investoren hatten mehrfach für Schlagzeilen gesorgt. Strittig ist einerseits die Erschließung des von der Landgesellschaft Sachsen-Anhalt geplanten Eigenheimgebiets auf dem alten LPG-Gelände. Anwohner der Irxleber und Gersdorfer Straße wollen verhindern, dass die geplante Siedlung mit rund 100 Eigenheimen über ihre Straßen erschlossen wird, da sie Schäden an ihren Häusern erwarten. Anfang Oktober hatten Anwohner auf einer vom Bürger- und Heimatverein organisierten Versammlung im Bürgerhaus Diesdorf ihren Unmut zum Ausdruck gebracht. Die Stadtratsfraktion SPD-Tierschutz-future! griff das Anliegen nun in einem Änderungsantrag zum Beschlusspapier der Stadtverwaltung zum Bebauungsplan Kümmelsberg (Westseite) auf. Darin heißt es: Die Verwaltung wird beauftragt, Lösungen vorzustellen, die auf eine Erschließung des Wohngebietes/Teil A über die Siedlungsstraßen Irxleber und Gersdorfer Straße verzichten." Eine Alternative wäre die Anbindung über die Straße Kümmelsberg. Die Landgesellschaft hatte bereits signalisiert, zähneknirschend auch diese Variante akzeptieren zu können, wenn entsprechende Grundstücksfragen geklärt seien. Zweiter Streitpunkt ist der geplante Bau eines Einkaufsmarktes auf der Kümmelsberg-Westseite in Nachbarschaft des Blumenhandels. Ein Investor (OMP Projektentwicklung Königsbrunn/Bayern) will den Neubau errichten und ist sich mit der Rewe-Gruppe einig. Die Handelskette möchte ihr jetziges Mietobjekt am Kümmelsberg/Ecke B1 verlassen und das neue, annährend gleich große Objekt anmieten "Der jetzige Standort ist nicht der Zukunftsstandort. Wir wollen als Vollversorger langfristig näher an die Bevölkerung heran", sagte Katja Fleischer, Gebietsleiterin Expansion der Rewe Markt GmbH.

Die Stadt sowie Teile des Stadtrates sind dagegen, um die Entstehung zusätzlicher Handelsflächen am Stadtrand zu verhindern. Rewe verlagert zwar seinen Standort, die Sorge, die unter anderem Bernd Krause (Die Linke) öffentlich äußerte, lautet allerdings: Die Verkaufsfläche in einem künftigen Leerstandsobjekt könnte sich dann rasch eine andere Handelskette schnappen. "An Knappheit von Märkten leiden wir bestimmt nicht. Was soll denn sonst aus dem jetzigen Rewe-Standort werden - ein hohler Vogel? Oder was?", sagte Krause.

Ähnliche Bauchschmerzen haben auch Stadräte von SPD-Tierschutz-future!, auch wenn sie den Supermarktneubau nicht grundsätzlich ablehnen. Wie sie in ihrem Änderungsantrag jedoch fordern, soll die Stadtverwaltung "den Abschluss eines Vertrages der Beteiligten begleiten, der die Neu- oder Weiternutzung der bisherigen Verkaufsflächen und damit einen Verstoß gegen das Märktekonzept ausschließt".

Die Fraktion CDU/Bund für Magdeburg hingegen fordert in ihrem Änderungsantrag schlicht, der Stadtrat möge dem Bau des Supermarkts zustimmen. "Auch die deutliche Zustimmung für das Vorhaben auf der Bürgerversammlung" sei ausschlaggebend für die Fraktion, für das Vorhaben zu votieren, so Fraktionschef Wigbert Schwenke zur Begründung. Er selbst hatte indes vor Ort auch eingeräumt, niemand könne "heute versprechen, was aus dem alten Rewe-Gelände wird".

Klar ist jedoch: Die OMP hatte gegenüber der Stadt und der Landentwicklungsgesellschaft angeboten, im Falle eines Zuschlags für den Neubau des Einkaufsmarktes für OMP verfügbare Grundstücke bereitzustellen und eine Erschließungsstraße für die geplante Eigenheimsiedlung vom Kümmelsberg aus zu bauen. Mitglieder des Diesdorfer Bürger- und Heimatvereins hatten daher öffentlich gefordert, Investoren sollten die Kümmelsberg-Westseite gemeinsam entwickeln und dazu vom Stadtrat die Chance erhalten.

Nach den Beratungen in den Ausschüssen entscheidet der Stadtrat im neuen Jahr abschließend über die Zukunft des alten LPG-Geländes und über das Supermarktprojekt am Kümmelsberg.