Das bis Herbst 2012 entstehende Mitteldeutsche Figurentheaterzentrum an der Warschauer/Porsestraße wächst. Während es baulicherseits Probleme gibt, was den Bau um 190 000 Euro verteuert, ist Intendant Michael Kempchen intensiv mit dem Aufbau der künftig einzigartigen Sammlung beschäftigt.

Buckau lEs werden600 kunstvolle Puppen, darunter von Schichtle, zu sehen sein, insgesamt über 1000 Ausstellungsstücke. Die Figuren sind ab 30 Zentimeter groß und kunstvoll als Handpuppen gefertigt, andere sind bis 1,20 Meter hoch und stellen klassische Marionetten dar - Puppentheater-Intendant Michael Kempchen kommt ins Schwärmen, wenn er von dem wohl ehrgeizigsten Vorhaben des deutschlandweit bekannten Magdeburger Puppentheaters spricht. Bis November 2012 entsteht für nunmehr rund 1,67 Millionen Euro das Mitteldeutsche Figurentheaterzentrum. Herzstück ist die Figurensammlung. Eine großangelegte Ausstellung über die Magdeburger Puppenspielkunst in den verschiedenen Zeitepochen und Gesellschaftsformen entsteht. Sie wird - wie die Sammlung - gleichfalls in der ehemaligen Villa Porsestraße 13, nahe der Spielstätte an der Warschauer Straße zu sehen sein. Das solide Gebäude wird derzeit vom Keller bis zum Dach saniert.

Längst seien die Innenarbeiten gut vorangeschritten, berichtet Kempchen. Im Frühjahr 2012 soll der Mehrgeschosser bezugsfertig übergeben werden. Dann wird dort auch die Figurensammlung eingerichtet. Das dauere alles in allem etwa bis November.

Wie die baulichen laufen auch die inhaltlichen Aktivitäten für das Figurentheaterzentrum auf Hochtouren. Kempchen: Die künftigen Sammlungsstücke zum Beispiel werden zusammengestellt. Seine Mannschaft hat dabei tatkräftige Hilfe bekommen, die sie auch benötigt. Das Geld der Stadt ist knapp, die Einrichtung der Figurenspielsammlung wird vom Puppentheater außerhalb der Bauinvestition verwirklicht. Mitarbeiter des Puppentheaters und des Fördervereins finanzieren das Projekt. Letzterer hat flankierend vor gut einem Jahr die Initiative "Puppenpaten" ins Leben gerufen. "Je nach Figurenart kann man ab 50 Euro Pate werden und damit die Sammlung unterstützen", wirbt der Intendant. 130 Magdeburger sind bisher beteiligt.

Mit dem Mitteldeutschen Figurentheaterzentrum prägt das Magdeburger Puppentheater seine Rolle als eine führende Einrichtung dieser Kunstform in Deutschland aus. Kenner sprechen gar von europäischer Ausstrahlung, wofür die acht Puppenspieler mit ihrem Können sorgen.

Mit rund 50 000 Zuschauern im Jahr gehört es zu den Theatern mit außergewöhnlicher Auslastung, sagte Michael Kempchen.

Der Stadtrat hat im Jahr 2008 den Aufbau des Figurentheaterzentrums bestätigt. Das erweist sich mit Blick auf die Bewerbung als Kulturhauptstadt Europas 2020 sogar als weitsichtige Entscheidung.

Zu dem Projekt gehört außer der Einbeziehung und der Sanierung des Altbaus auch die Errichtung eines Verbinders zwischen den beiden Häusern. Er dient als Foyer, Ausstellungs- und Pausenraum. Der Rohbau ist fertig. Baulich gibt es Probleme, teilt jetzt das Kommunale Gebäudemanagement mit. Die Kosten steigen um 190 000 auf 1,67 Millionen Euro, weil u. a. die Fachwerksanierung teurer wird. Jetzt muss der Stadtrat entscheiden, ob die Mittel in den Haushalt 2012 eingestellt werden. Michael Kempchen erhofft es inständig. Das Land stellt 1,1 Millionen Euro Fördergeld bereit.

"Am 24. November 2012 wollen wir eröffnen", sagte er gestern. Dann kann sich in Buckau kompakte Puppenspielkunst präsentieren. Das wird, so glauben Kunstenthusiasten, das kulturelle Ansehen der Stadt ausprägen. Wirtschaftsexperten denken an Vermarktungskonzepte. Daran arbeitet auch Intendant Michael Kempchen mit. Ausstellung und Figurensammlung sollen Familienerlebnisstätte und Tourismusattraktion werden, erklärte er. Drei Euro Eintritt wird es kosten. Schon jetzt werde mit Touristinformation ein Paket geschnürt. Das erste größere Programmangebot 2012 soll der Besuch des Weihnachtsmarktes mit anschließendem Figurensammlungs- und Puppenspielerlebnis sein, kündige er an.

 

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