"Himmelsbunt" ist der Titel einer neuen Rettungsaktion des Domfördervereins. Dieses Mal will der Verein die kostbaren Bleiglasfenster der Marienkapelle vor dem Verfall bewahren. Und die Zeit drängt dabei.

Altstadt l Fördervereinsvorsitzender Stephen Gerhard Stehli steht im Dom an der "Spendensäule", wie er sagt, und stellt das neue Projekt des Vereins vor. "Spendensäule" deshalb, weil an dieser Säule schon insgesamt drei Spendentafeln des Fördervereins standen: eine für das "Goldene Band" (Heizungsgitter im Längsschiff des Doms), eine für den Jerusalem-Leuchter im Remter und eine für die Aktion "Eine Stufe, meine Stufe", mit der für die Sanierung der Stufen des Nordturms Spenden gesammelt wurden. Und jetzt ist noch eine vierte dazugekommen. Der Förderverein sammelt für die Bleiglasfenster im Domremter.

Seit 1947 Fenster nicht mehr restauriert

Wer sich im Dom umschaut, wird merken, dass die Fenster des Gotteshauses "weiß", also nicht mehr bunt sind. Das ist eher untypisch für einen gotischen Sakralbau wie den Magdeburger Dom. Der Grund dafür liegt in den vielen Kriegen, die der Dom in 800 Jahren überstanden hat. So wurden etwa im Dreißigjährigen Krieg und im Zweiten Weltkrieg viele der bunten Fenster zerstört. "Nach dem Zweiten Weltkrieg hatte der Dom keine farbigen Fensterscheiben mehr", berichtete Stehli. Aber: 1947 bekam die Marienkapelle wieder bunte Bleiglasfenster. Der Künstler W. Ritterbach hat sie entworfen und eine Kölner Firma realisiert - und das zu einer Zeit, in der das Material dafür sehr knapp war.

Die Fenster heißen Weihnachts-, Oster-, Leben-Jesu-, Passions- und Pfingstfenster und erzählen in insgesamt 109 Bleiglasscheiben die Geschichte Jesu und seiner Jünger. "Eine sakrale Kostbarkeit, die es so nur sehr selten gibt", sagt Stephen Gerhard Stehli.

Aber die Fenster sind in ernster Gefahr. Seit 1947 wurden sie weder an den Scheiben noch an den Bleieinfassungen restauriert und auch der Sandstein der Fenstereinfassung hat gelitten und zeigt deutliche Schäden. "Von den anderen bunten Bleiglasfenstern des Doms gibt es nur noch Reste, die in Kisten eingelagert sind. Wenn wir verhindern wollen, dass so etwas auch mit den Fenstern der Marienkapelle passiert, müssen wir handeln", so der Fördervereinsvorsitzende.

Um alle fünf Fenster restaurieren zu lassen, werden insgesamt 75000 Euro benötigt, sagt Ursula Klinger, Schatzmeisterin des Vereins. Und dafür hat der Förderverein jetzt seine vierte Spendenaktion ins Leben gerufen. Dabei setzt man wieder auf eine ganz persönliche Bindung der Spender an den Gegenstand der Aktion. Für eine der großen Scheiben werden jeweils 750 Euro erbeten, kleinere Scheiben kosten 350 Euro. Jeder Spender bekommt eine Urkunde und ein Foto mit der Scheibe, für die er gespendet hat. Daneben werden alle Spender noch auf einer großen Übersichtstafel aufgelistet. Diese Tafel soll später im Dom aufgestellt werden.

"Natürlich können Spenden in Raten überwiesen werden oder es können sich auch mehrere Spender für eine Scheibe zusammenschließen", erklärt Stehli dazu. Auf der Internetseite www.magdeburgerdom.de werde unter dem Button "Domförderverein" ganz genau erklärt, wie man an der Spendenaktion teilnehmen könne.

Jeder kann für "sein Fenster" spenden

"Dort kann sich jeder auch sein ganz persönliches Fenster aussuchen", sagt Ursula Klinger. Sie ist guter Hoffnung, dass auch diese Spendenaktion des Fördervereins ein Erfolg wird. "Es haben bereits für 12 Scheiben Spender fest zugesagt und 13 weitere Scheiben sind reserviert."

Ziel ist es, die fünf Fenster bereits im Laufe des kommenden Jahres restaurieren zu lassen. Die Arbeiten dafür seien sehr umfangreich. Alle Scheiben müssten herausgenommen und alle Bleieinfassungen erneuert werden, so Ursula Klinger. Und die Sandsteingewände müssten ebenfalls kontrolliert, zum Teil neu gesetzt und deren Eisenklammern, die aus Nachkriegsmaterial bestünden, ausgetauscht werden.

Wann die Arbeiten genau beginnen, stehe noch nicht fest.