Der Lokalanzeiger machte sich gestern zu einem etwas anderen Einkaufsbummel in die Innenstadt auf den Weg. Möglichst viel "schnorren" hieß dabei die Devise.

Altstadt l Schnorren ist ein hartes Brot und: Der Schnorrer muss gut zu Fuß und sehr kommunikativ sein und er muss einen Pferdemagen haben.

Los geht\'s im City Carré. Eigentlich sind Bäckerstände für Probierhäppchen immer eine sichere Bank, hier jedoch Fehlanzeige. Dafür aber was Gesundes, an einem Obststand kann man Orangen kosten. Lecker, ich greife zweimal zu. Kurzer Blick zum Fleischerstand, Tresen ist leer, also weiter. Jedes Geschäft wird beäugt, Beute ist aber nicht zu machen. Der Abstecher in einen Elektromarkt lohnt sich dagegen. Dort wird ein Kaffeeautomat angepriesen. Ich zeige mich interessiert, was mir zwei Becher heiße Getränke einbringt - Latte macchiato und Kakao mit Chili. Schnell noch ein Blick zum Baumkuchenstand, aber die Dame dort ist sich der Beliebtheit ihres Produkts sehr sicher - keine Verkostung.

Nächstes Ziel, ein großes Kaufhaus im Breiten Weg. Am Anfang sieht dieser Besuch nach einem Flop aus. In der Haushaltsgeräte-Abteilung wird ein Staubsauger-System von einem redegewandten Herrn angepriesen. Zu verschenken hat der aber nichts. War das schon alles? Nein. Die Lebensmittelabteilung erweist sich als Schnorrer-Eldorado. Zuerst an einem Stand sechs verschiedene herzhafte Aufstrichsorten auf kleinen Toastscheiben, schmackhaft. Am nächsten Stand vier oder fünf Sorten Marmelade, alle gekostet, lecker. Danach zwei Brotscheiben mit Nutella und drei Stücken Schokolade. Zum Abschluss dieses Dinners gibt es am Obststand Mandarinen-Spalten. Beim Verlassen des Kaufhauses meldet der Magen erstmals, dass es ihn gibt.

Auf dem Weg zum Allee-Center die erste materielle Gratis-Zuwendung, ein 10-Euro-Gutschein für ein Sportgeschäft. Die Jagd im Allee-Center ist durchwachsen. Hier mal ein Keks, dort mal eine Schokokugel. In einem Drogeriemarkt koste ich verschiedene Sorten "Sinneskugeln". Der Magen meldet sich zum zweiten Mal. Da kommt ein Schluck Gesundheitstee an einem Stand in dieser Drogerie gerade recht. Und da keine "Beraterin" vor Ort ist, schenke ich mir selbstständig nach. Was einem Herrn in Security-Jacke nicht entgeht. Er behält mich im Auge. In einem Bekleidungsgeschäft der gehobenen Preisklasse gibt es Orangensaft in Sektgläsern, Spekulatius und Pfeffernüsse. "Ich warte auf meine Frau", sage ich zur Verkäuferin, blicke vielsagend Richtung Umkleidekabine und schlürfe ein Gläschen. Von dem Gebäck stecke ich mir etwas in die Tasche. Da ich mit dem ersten Elektromarkt gute Erfahrungen gemacht habe, besuche ich auch den im Allee-Center. Lebensmittel gibt es dort zwar nicht, da ich aber bereits etwas fußlahm bin, teste ich schnell mal einen elektrischen Entspannungs-Sessel. Im Mittelgang des Centers gibt es zwar auch solche Sessel, dort kostet ein Durchgang aber zwei Euro. Umsonst ist also noch besser entspannen.

Bevor ich das Center Richtung Weihnachtsmarkt - mein nächstes Jagdgebiet - verlasse, fasse ich schnell noch eine Packung Papiertaschentücher in einer Apotheke ab. Das ist die zweite materielle Zuwendung meines Beutezugs. Mehr ist bei diesem Weihnachtseinkaufsgetümmel nicht drin.

Der Weihnachtsmarkt erweist sich als mittlere Pleite. Dort gibt es an einem Obststand Orangenspalten umsonst. Gut, Südfrüchte hatte ich eigentlich schon genug, aber als Schnorrer lässt man nichts aus. Was mein Magen jetzt überhaupt nicht mehr lustig findet.

Ich beschließe also, "Feierabend" zu machen. Nur eines noch: Durch die viele Lauferei bin ich etwas ins Schwitzen gekommen, darum schnell noch einen Abstecher in einen zweiten Drogeriemarkt in der Parfum-Abteilung. Dort lasse ich es so richtig krachen, greife zum Tester des teuersten Herrenduftes und "diesele" mich ordentlich ein.

Damit endet mein Schnorrer-Rundgang: Ich habe lahme Beine, einen leicht verdorbenen Magen und "dufte" zehn Meilen gegen den Wind!