Magdeburg ● Nach einer Serie von gesprengten Briefkästen am Wochenende haben Unbekannte am Montagabend gegen 18 Uhr eine Telefonzelle am Bötticherplatz in die Luft gesprengt. Aufgrund
der hohen Detonationswirkung geht die Polizei auch in diesem Fall vom Einsatz sogenannter "Polenböller" aus, die in Deutschland wegen ihrer hohen unberechenbaren Sprengkraft verboten sind. Der Schaden wurde von der Telekom auf rund 3000 Euro geschätzt.
Nach den bisherigen Erkenntnissen hatten die Täter offenbar im Geldrückgabeschacht des Münzfernsprechers den Böller positioniert
und gezündet. In Folge der Explosion wurde das Telefon vollkommen zerstört, wobei die Abdeckplatte durch die Scheibe auf die Straße flog. Teile der Tür und das Glas zerbarsten. Als die Polizei über den Vorfall informiert wurde, waren die Täter bereits flüchtig.
Ermittelt wird jetzt auch in diesem Fall wegen "Herbeiführung einer Sprengstoff explosion". Den Tätern droht dabei, im Gegensatz zur Sachbeschädigung durch normale Pyrotechnik, eine wesentlich
höhere Strafe. Nach Paragraf 308 Strafgesetzbuch wird der Tatbestand "nicht unter einem Jahr Freiheitsentzug" bestraft. Und genau diese Straftaten stiegen in den letzten Tagen. So hatten Unbekannte mit einem sogenannten "Polenböller" am 12. Dezember eine mobile Kunststoff -Toilette in der Umfassungsstraße in die Luft gesprengt. Am 16. Dezember detonierten zwei Apotheken-Briefkästen in Neu-Olvenstedt, zwei Tage später wurde ein Posteinwurfkasten der Deutschen Post im Bruno-Taut-Ring zerstört. Zwei Briefkästen der Messegesellschaft in der Tessenowstraße waren am vergangenen Sonntag ebenfalls gesprengt worden. "Ob es einen Zusammenhang zwischen den Taten gibt, müssen wir noch prüfen. Zurzeit werden die Spuren ausgewertet und dem Landeskriminalamt übermittelt", erklärte gestern Polizeisprecher Alexander von Koß.
Bereits im Januar dieses Jahres hatten Unbekannte eine Telefonzelle
in Alt-Fermersleben gesprengt. Am 3. Oktober gab es gleich drei Explosionen. So wurde eine mobile Toilette in der Ernst- Reuter-Allee, Kästen im Vorraum eines Wohnhauses in der Jakobstraße und eine Straßenlaterne an der Fußgängerbrücke über das Schleinufer durch die Detonationen von Polenböllern beschädigt. Insgesamt zehn Fälle, die in diesem Jahr registriert wurden. Im vergangenen Jahr waren es zwei Fälle. "Der Anstieg dieser Straftat ist aber kein Magdeburger Phänomen. Solche Vorfälle gibt es vermehrt überall in Deutschland.
Das Besondere ist die verwendete Substanz. In den in Deutschland
verbotenen Polenböllern sind Sprengstoff e enthalten, die so in
der Zusammensetzung und Wirkung hier gar nicht zugelassen
sind. Die Sprengwirkung ist hochgefährlich", erklärt Polizeisprecher
Andreas von Koß.
Das Motiv der Rowdys sei übrigens immer ähnlich. Die Täter haben "Spaß an der Zerstörung". Aus diesem Grund dürften auch die Verdächtigen im aktuellen Fall eher im jugendlichen bis jungerwachsenen Alter zu finden sein."Dass sie sich bei ihren ,Experimenten‘ selbst in Lebengefahr begeben, scheinen die Täter oft gar nicht zu wissen", erklärt Andreas von Koß.
Auch aus diesem Grund sei es wichtig, dem Treiben möglichst
schnell ein Ende zu setzen. Wer Zeuge solcher "Sprengungen" ist,
sollte sofort den Notruf wählen und nicht zögern.
● Weitere Hinweise nimmt die Polizei unter Telefon 5 46 23 96 entgegen.