Mit Veröffentlichungen und einer Demonstration brandmarkte ein "Aktionsbündnis gegen rechte Gewalt in Magdeburg-Reform" jüngst den Stadtteil. Reformer sind über die vermeintliche Kampagne entsetzt - und wehren sich.

Reform l Monika Zimmer von der Einwohnerinitiative "Jung und Alt für Reform" ist "entsetzt darüber, dass Reform so schlecht gemacht wird". Thomas Wesemann, Leiter des Kinder- und Jugendhauses "Banane", empfindet es als "ärgerlich, dass ganz Reform pauschal als Nazi-Hochburg dargestellt wird". Die von einem "Aktionsbündnis gegen rechte Gewalt in Magdeburg-Reform" im September gestartete Medienkampagne stößt im Stadtteil auf viel Kritik: Zu pauschal, zu oberflächlich, zu subjektiv seien all die Vorwürfe.

Auf der jüngsten Sitzung der Arbeitsgruppe Gemeinwesen Reform kam es zum offenen Schlagabtausch der Beteiligten. Die Reformer selbst wehrten sich gegen die Vorwürfe, verabschiedeten eine Erklärung und verwahrten sich gegen eine Verunglimpfung ihres Viertels als "rechte Hochburg". "Banane"-Klubchef Thomas Wesemann: "Ich arbeite seit Jahren im Stadtteil und sehe keinerlei Bestätigung für die Anschuldigungen."

Offenes Visier wünschenswert

Besonders habe ihn im September geärgert, dass sich das "Aktionsbündnis gegen rechte Gewalt in Magdeburg-Reform" in Stadtfeld gegründet habe, kein einziger Reformer dort Mitglied sei und das Aktionsbündnis nicht ein einziges Mal mit ihm oder anderen Reformer Aktiven gesprochen habe: "Ich habe von all den Anschuldigungen aus der Zeitung erfahren. Ich appelliere dringend an das Aktionsbündnis, nicht zu pauschalisieren und vor allem, mit offenem Visier zu kämpfen."

Das wollte Ines Fritz vom Aktionsbündnis nicht so stehen lassen: "Da bei den Akteuren in Reform die Sensibilität für das Problem fehlt, war bisher ein offener Dialog unmöglich."

Annika Butz von der "Mobilen Beratung für Opfer rechter Gewalt", räumt zwar ein, "dass die Statistik der polizeilich angezeigten Übergriffe die tatsächliche Situation nicht widerspiegelt", doch aus ihrer Sicht sei "Reform nun einmal ein Schwerpunkt rechter Gewalt in Magdeburg": "Viele Übergriffe werden aus Angst gar nicht erst angezeigt. Dass die Akteure der GWA davon nichts wissen, hängt damit zusammen, dass sie nicht Ziel von rechten Übergriffen sind." Der Stadtteil sei ein Schwerpunkt, da hier viele Personen aus der linksalternativen Szene wohnten, die von Rechten als politische Gegner wahrgenommen würden.

Streit über "Reformer Jungs"

Für Schlagzeilen hatte eine Gruppierung gesorgt, die sich als "Reformer Jungs" bezeichnen. Sie treffen sich in der "Banane". Doch während das Aktionsbündnis die "Reformer Jungs" als Gruppe mit rechtem Gedankengut betrachtet, sind sie aus Sicht von Thomas Wesemann nur eine Fangruppe des FCM: "Die haben mit Rechtsradikalismus nichts am Hut."

Roland Mainka, Geschäftsführer des Stadtjugendrings, appellierte an die Reformer, sich nicht auf die Statistik zu berufen und sich damit selbst zu beruhigen, sondern auf die "gefühlte Unsicherheit von Kindern und Jugendlichen in Reform" zu hören: "Und dann muss man sagen, dass die hier in Reform sehr hoch ist."

Erinnert wurde an mehrfach eingeschlagene Fensterscheiben eines Döner-Imbisses im Stadtteil, auf wiederholte Schmierereien von Nazisymbolen im Stadtteil, auf eine Spur der Gewalt an Wochenenden, meist durch Besucher der nahegelegenen Diskothek "Fun-Park".

Obwohl die GWA-Runde darüber stritt, ob rechte Gruppen als Verursacher all dieser Vorkommnisse infrage kommen, betonte Cornelia Arnold vom Jugendamt: "Niemand verharmlost rechte Gewalt." Mit Blick auf den Vorwurf, dass die "Reformer Jungs" ihren Treffpunkt im städtischen Jugendhaus "Banane" haben, sagte sie: "Ich will hier deutlich sagen, dass die Stadt in keinster Weise rechte Gruppen unterstützt oder finanziert. Stattdessen überlegen wir mit den Banane-Mitarbeitern, was wir tun können, um junge Menschen aufzuklären. Denn oft wissen sie ja gar nicht, welche Markenklamotten oder Symbole von Rechten genutzt werden."

Deshalb werde in Zusammenarbeit mit dem Verein "Miteinander" eine Veranstaltungsreihe im Klub vorbereitet, in der Information und Aufklärung im Vordergrund stünde.

Über jeden Verdacht erhaben

Die subtilen Vorwürfe gegen "Banane"-Chef Thomas Wesemann, er unterstütze rechte Gruppen dadurch, indem er ihnen das Haus öffne, trat Cornelia Arnold energisch entgegen: "Das ist Unsinn. Herr Wesemann ist über jeden Verdacht erhaben. Als er noch Klubchef in Neu-Olvenstedt war, ist der Treff zweimal von Extremisten zerschlagen worden. Da stand er ebenso auf der richtigen Seite wie er es heute immer noch tut."

   

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