Die Kuh ist vom Eis und die Zukunft des Soziokulturellen Zentrums von Beyendorf-Sohlen gesichert. Das ist das wichtigste Ergebnis eines Gespräch zwischen OB Lutz Trüsmper und den Ortsräten Siegfried Geue und Jürgen Tiedge.

Beyendorf-Sohlen l "Wir haben offenbar völlig aneinander vorbeigeredet", sagt Oberbürgermeister Lutz Trümper auf Volksstimme-Nachfrage über die lange offene Frage zur Zukunft des Soziokulturellen Zentrums in Beyendorf-Sohlen. Bei einem Gespräch im Magdeburger Rathaus zwischen Trümper und den Beyendorfer Ortschaftsräten Geue und Tiedge sei deutlich geworden, dass es den Beyendorfern gar nicht um eine millionenschwere Komplettsanierung des alten Gutshauses gehe. Trümper: "Die Beyendorfer wünschen nur kleinere Reparaturen und die eine oder andere Instandhaltung. Und unter diesen Umständen gibt es eine ganz andere Geschäftsgrundlage als alle Beteiligten bisher angenommen haben."

Hintergrund: Trümper hatte bereits im Frühjahr auf seiner Einwohnerversammlung in Beyendorf-Sohlen den Ortschaftsrat aufgefordert, ein Nutzungskonzept für das Haus zu erarbeiten. Zugleich sollte der Ortsrat einen Verein als Träger des Hauses benennen. Nur, wenn Nutzung und Träger feststehen, könne die Stadtverwaltung eine Vorlage für den Stadtrat erarbeiten, mit der zugleich die grundhafte Sanierung des Hauses als Soziokulturelles Zentrum oder als Bürgerhaus festgelegt wird.

Monatelang aber konnte der Ortschaftsrat keinen Träger benennen, der nach dem Vorbild des Fördervereins "Alte Schule Salbke" ein Bürgerhaus betreiben und finanzieren könnte.

Aus einer durchaus unterschiedlich interpretierbaren Informationsvorlage der Stadtverwaltung (I0251/11) an den Stadtrat hatten die Beyendorfer Ortschaftsräte eine Brüskierung ihrer Arbeit herausgelesen. Auf der Ortsratssitzung im November hatte Ortschef Geue die Stadt kritisiert, dass "der Ortsrat bei der Planung zur Nutzung des Soziokulturellen Zentrums nicht einbezogen und sogar schulmeisterlich gemaßregelt wird": "Unsere Wünsche und Belange sind in keiner Weise berücksichtigt worden." Und das, obwohl der Ortsrat seine "Hausaufgaben gemacht hat", indem er eine Raumplanung vorgelegt und ein "umfangreiches Material erstellt" habe. Geue: "Davon findet sich nichts in der Vorlage. Kein Wort von einem Jugendtreff, keine Zeile über die Angebote zur medizinischen und therapeutischen Betreuung sowie zu touristischen Angeboten."

Stattdessen war in der Vorlage zu lesen: "Die Realisierung sämtlicher Vorschläge zur Lösung kommunalpolitischer, sozialer (Gesundheit, Altersvorsorge, Kinder- und Jugendförderung etc.), touristischer und stadtplanerischer Probleme der Ortschaft Beyendorf-Sohlen in den nächsten 20 Jahren können nicht von der künftigen Nutzung des ehemaligen Gutshauses abhängig gemacht werden." Und weiter: "Der Ortschaftsrat bemüht sich innerhalb der nächsten 12 Monate, einen geeigneten und kompetenten Träger zu finden, um mit ihm ein Nutzungskonzept zu erarbeiten."

Alles Schnee von gestern, wie Lutz Trümper auf Volksstimme-Anfrage Anfang dieser Woche sagte: "Da Beyendorf gar keine Millioneninvestition will, wie wir bisher immer annehmen mussten, kann der Betrieb des Soziokulturellen Zentrums wie bisher fortgeführt werden. Wir werden jetzt mit den Nutzern des Hauses, das sind vorrangig Vereine, konkrete Verträge über Kosten und Verantwortlichkeiten verhandeln und abschließen. Das gießen wir dann alles in eine Stadtratsvorlage, unter die der Beyendorfer Ortsrat noch seinen Haken machen muss."

Auf Volksstimme-Nachfrage, ob der Wunsch des Ortsrates zur Verpachtung von zwei Teilbereichen des Hauses an einem privaten Gastronomen möglich ist, sagte Trümper: "Wenn die Beyendorfer dies wünschen, dann wird die Stadtverwaltung dies prüfen und ausschreiben. Gesetzt den Fall, es findet sich ein Pächter, kann das so funktionieren."

 

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