Unverhofftes Lob aus Halle. Im Streit um die Illumination des Hallenser Weihnachtsmarktes und seiner Randbereiche wird ausgerechnet Magdeburg als leuchtendes Beispiel genannt.

Magdeburg/Halle l 130 Buden, Zehntausende Lichter und rund eine Million Besucher pro Saison - das ist der Magdeburger Weihnachtsmarkt. Der hat in den vergangenen Jahren stets an Anziehungskraft gewonnen. Mittlerweile strömen die Besucher aus dem Umland von bis zu 100 Kilometern auf die Budenstadt am Alten Markt zu, um sich zwischen Glühweinduft, Kassler und Grünkohl auf die Weihnachtszeit einzustimmen.

Das war in dieser Dimension nicht immer so, aber mittlerweile ist der Markt Magdeburgs größte Freiluftgaststätte des ganzen Jahres. Kritik taucht hier und da dennoch auf, weil - zum Beispiel - die Marktbeschickung von Jahr zu Jahr nur wenig Unterschiede aufweist. Da kommt Lob, noch dazu von außen und auch noch aus Halle, gerade richtig. Dort hagelt es derzeit harsche Kritik an der Illumination des Hallenser Weihnachtsmarktes und seiner Randbereiche. Die Mitteldeutsche Zeitung widmete der Kalamität in der vergangenen Woche fast eine komplette Seite und titelte "Festbeleuchtung ist in Halles Straßen Mangelware. Magdeburg zeigt dagegen, wie es geht".

Im Zentrum der Kritik: die Beleuchtung. Zwar schmückt ein erleuchteter Weihnachtsbaum majestätisch den Marktplatz der Saalestadt, doch dahinter steht - fast gespenstisch - das Hallenser Rathaus - im Dunkeln, ebenso viele andere Randbereiche des Marktes. Der Hallenser Stadtmarketingchef lässt sich so zitieren: "In Sachen öffentlicher Weihnachtsschmuck hat Magdeburg klar die Nase vorn." Und legt nach: "Wir brauchen so ein Partnernetz wie in Magdeburg."

Was sagen die Magdeburger Weihnachtsmarktmacher zu dem unverhofften Lob aus Halle? Fred Raabe, Geschäftsführer der Weihnachtsmarkt GmbH, hört\'s gern: "Anfangs war bei uns auch wenig Licht, bis wir uns zu einem Lichtkonzept durchgerungen haben, das wir seitdem stetig verbessern." Gezählt hat die Lampen zwar niemand, aber mehr als 100000 elektrische Lichter können es schon sein, die ab 2012 dann auch zunehmend energiesparend leuchten sollen, so Fred Raabe. Zum bereits LED-beschickten Riesenrad erstrahle 2012 auch die Weihnachtstanne im Stromsparlicht. Zusätzlich ziehen auch Anlieger mit. Die Sparkasse illuminiert ihre Geschäftsstelle. Die Wobau bestückt ihre Häuserkanten. Heraus kommt die von Halle gelobte Atmosphäre.

Insbesondere die Konstruktion, dass in der Weihnachtsmarkt GmbH die wichtigsten Interessenvertreter eines Weihnachtsmarktes (Stadt/IG Innenstadt/Stadtmarketingverein/ 2 Schaustellerverbände) zusammensitzen und sich einigen können beziehungsweise sogar müssen, führt am Ende zu einem Markt mit Interessenausgleich. Alle sitzen in einem Boot, das nur vorankommt, wenn alle rudern - in die selbe Richtung.

Das tat dem Markt und damit den Besuchern letztendlich gut, auch, weil ein Wettbewerbsdruck entstand. Die Marktbeschicker - also die Stände - werden von der GmbH akribisch unter die Lupe genommen und in einem Punktesystem bewertet.

Das Ergebnis ist Grundlage, ob und an welchem Standplatz der Händler wiederkommen darf. "Wir sind mit dem Konstrukt der Weihnachtsmarkt GmbH sehr zufrieden. Und wenn es nach mir geht, würde ich auch nichts ändern", wertet OB Lutz Trümper (SPD). Der Vertrag mit der Weihnachtsmarkt GmbH läuft nach zehn Jahren Ende 2012 aus. Ob die enthaltene Verlängerungsoption auf zehn weitere Jahre gezogen werden kann, ist allerdings unklar. Noch ist unsicher, ob die Stadt den Weihnachtsmarkt ausschreiben muss. "Wir lassen das derzeit prüfen", sagt OB Lutz Trümper, während auch auf Seiten der GmbH der Wunsch zum Weitermachen da ist.

Arno Frommhagen sieht als IG-Innenstadt-Vertreter noch eine wichtige Funktion in dem Markt: "Er ist ein ganz starkes und wichtiges Marketinginstrument. Leute von auswärts besuchen den Markt, erzählen es weiter und kommen zum Einkaufen wieder." Mittlerweile greife sogar schon der Tourismus, da ganze Busladungen voller Gäste auf den Weihnachtsmarkt kommen und auch die Hotels auslasten helfen.

Dennoch sehen auch die Macher noch Potenzial im Weihnachtsmarkt. "Wir wollen noch kleinteiliger, noch interessanter und noch vielfältiger werden", sagen Frommhagen und Geschäftsführer Raabe unisono. Deshalb sei es wichtig, die Marktorganisation so zu belassen wie sie ist - mit Schaustellern, Stadt, Stadtmarketing und City-Händlern und einer damit verbundenen Investitionssicherheit.

Im Kampf gegen anderslautende Konstruktionen einzelner Stadtpolitiker hinter vorgehaltener Hand, die den Schaustellern wieder mehr Mitspracherecht einräumen wollen, kommt den derzeitigen Weihnachtsmarkmachern das Lob aus Halle gerade deshalb mehr als recht.

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