Zeit, Bilanz zu ziehen. Was war gut, was gelang nicht zwischen Rothensee und Beyendorf? Die Volksstimme fragte nach - im traditionellen Jahresend-Interview mit Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD). Heute Teil II.

Volksstimme: Kommen wir zur gleichermaßen geliebten wie verhassten Otto-Kampagne. Hand aufs Herz: Was hat die Kampagne außer viel Häme bisher wirklich gebracht?

Lutz Trümper: Aus meiner Sicht hat sich die Häme in den vergangenen Monaten weitgehend gelegt. Im Gegenteil. Wir drängeln niemanden die Kampagne auf, aber wir merken, dass immer mehr Bürger und Unternehmen mitziehen. Die Kampagne durchdringt zunehmend die Öffentlichkeit, auch außerhalb von Magdeburg, was ja das Hauptziel ist. Insofern hat sie schon etwas gebracht. Insgesamt aber ist die Otto-Kampagne ein längerer Prozess. Aber sie trägt jetzt schon die gute Botschaft unserer positiven Stadtentwicklung hinaus.

Volksstimme: Magdeburg hat mit dem Streit mit den Naturschützern um die Verlängerung der Strombrücke ein neues, großes Thema. Mal abgesehen, wer dort recht hat, stellt sich eine weitere Frage: Ist es ein richtiger Ansatz, sich mit einer Strombrückenverlängerung noch mehr Verkehr in die Innenstadt zu holen?

Lutz Trümper: Die Argumentation ist falsch. Wir brauchen dringend eine leistungsfähige zweite Elbquerung, unter anderem bei Veranstaltungen im Stadtpark, der Getec-Arena oder dem Stadion, ebenso bei Hochwasser und zur allgemeinen Erschließung der ostelbischen Bereiche.

Zudem kann mit einem Neubau der Verkehr von Auto und Bahn getrennt werden. Das alles kann die alte Brücke nicht leisten, von der niemand weiß, wie lang sie überhaupt noch hält. Wir brauchen schon deshalb dringend einen Neubau, der übrigens kostengünstiger zu haben ist als die Sanierung der Anna-Ebert-Brücke.

Volksstimme: Jena, Erfurt, Zwickau stehen gerade wegen der rechten Terrorzelle am Pranger. Magdeburg hatte einst auch ein solches Image. Wie groß ist hier in der Stadt die Gefahr von Rechts?

Lutz Trümper: Die Gefahr ist nach wie vor da. Das sehen wir an dem schon besprochenen Angriffen gegen Mahnmale. Aber sie ist nicht so groß, dass man sich vor der Gefahr fürchten muss, wenn wir alle zusammenstehen ...

Volksstimme: ... was sich sehr nach Allgemeinplatz anhört ...

Lutz Trümper: ... ist es aber nicht. Ich meine damit, dass wir schon im Kindes- und Jugendalter damit beginnen müssen, darüber aufzuklären, was hinter den Parolen der Rechten steckt und wie gefährlich sie sind. Und klar ist auch, dass der Anteil Rechter an der Gesamtbevölkerung im Osten größer ist als anderswo. Das liegt unter anderem an den Brüchen in den Lebensläufen vieler Ostdeutscher. Wir dürfen den Vorfall in Thüringen beziehungsweise Sachsen - so schlimm er auch ist - aber nicht auf uns übertragen. In Magdeburg gibt es nach meiner Kenntnis 30 bis 50 im harten Kern der rechten Szene. Das sind natürlich zu viel, aber es zeigt auch eine Gewichtung.

Volksstimme: Auch der Tunnel ist ein Jahrhundertprojekt. Sagen Sie bitte den Magdeburgern mit Stand heute: Wann wird was gebaut und was kostet das am Ende alles?

Lutz Trümper: Diese Fragen kann ich noch nicht beantworten. Derzeit läuft das Planfeststellungsverfahren, den Beschluss dazu erwarten wir Anfang 2012. Dann muss man abwarten, ob es Klagen gibt. Das haben ja bestimmte Parteien schon angekündigt, obwohl die Planfeststellung noch nicht einmal erfolgt ist. Das ist für mich höchst undemokratisch zu sagen: "Ihr könnt planen was ihr wollt, wir klagen sowieso". Wir hoffen aber, dass wir einen Teil der Arbeiten, nämlich die Leitungsverlegung, schnell gefördert bekommen und wir noch 2012 anfangen können.

Der eigentliche Bau wird dann von 2013 bis 2016 über die Bühne gehen. Die Kosten liegen bei rund 46 Millionen Euro. 6 bis 7 Millionen Euro tragen wir selbst, 20 Millionen Euro sind als Fördermittel avisiert, den Rest trägt die Bahn. Übrigens: Bauen wir statt des Tunnels die Alternative "Senke", bleiben die Kosten gleich, aber die Fördermittel werden nicht gezahlt.