Vor 30 Jahren zogen die ersten Bewohner von Neu-Olvenstedt in ihre Neubauwohnungen. Fertiggestellt wurde die für 40 000 Menschen geplante Großwohnsiedlung nie, und inzwischen lässt der "Stadtumbau" das Wohngebiet drastisch schrumpfen.

Neu-Olvenstedt l Die Bilder ähneln sich: Kräne, Betonplatten, Baumaschinen. Während aber vor 30 Jahren der Aufbau des Wohnkomplexes auf Hochtouren lief, frisst der "Stadtumbau" seit Jahren immer neue Lücken in die einstige DDR-Vorzeigesiedlung.

Dabei liegt die feierliche Übergabe der ersten Wohnungen gerade einmal 30 Jahre zurück. Nachdem am 31. Januar 1981 offiziell der Grundstein gelegt worden war, konnten Ende des Jahres die ersten 166 Wohnungen bezogen werden.

Neu-Olvenstedt galt als städtebauliches Experiment. Zeitgleich mit einem Stadtteil von Gorki in der damaligen Sowjetunion wurde Neu-Olvenstedt als "Experimentalkomplex" gebaut, um Erfahrungen zu sammeln. Immerhin sollten ähnliche Trabantenstädte überall im Ostblock nachgebaut werden.

So begannen vor den Toren Magdeburgs bereits 1980 auf Ackerland die Erdarbeiten für den geplanten Wohnkomplex, der nach den ursprünglichen Plänen das Zuhause für mehr als 40 000 vor allem junge Menschen werden sollte. Deshalb wurden viele Kindereinrichtungen, Schulen, Horte, Wohngebiets- und Jugendtreffpunkte errichtet.

Doch Neu-Olvenstedt wurde nie wirklich fertig. 1990 wohnten "nur" knapp 30 000 Menschen in den bis dahin fertiggestellten rund 12 700 Wohnungen. Auf das Ende der DDR folgte in den nächsten Jahren eine Abwanderungswelle, die schon bald den Abriss der ersten leer stehenden Wohnblöcke zur Folge hatte. Bis heute verringerte sich die Anzahl der Einwohner um gut zwei Drittel auf rund 10 800. Und das, obwohl auch nach dem Ende der DDR die Stadt weiter kräftig in die Infrastruktur Neu-Olvenstedts investierte, so dass Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD) schon mal von einer "exorbitant positiven Bilanz" sprach.

Allein für die Aufwertung von Straßen und Grünflächen seien seit 1993 rund 16 Millionen Euro nach Olvenstedt geflossen. Den Bau von Schulen (Einsteingymnasium und Grundschule Grenzweg) sowie des Freibads, die Schwimmhallensanierung und mehr dazugerechnet, verbaute die Stadt hier laut Trümper mehr als 50 Millionen Euro.

Trotzdem mahnt Stadtrat Bernd Krause (Die Linke), der seit 1983 in Neu-Olvenstedt wohnt: "Die Aufwertung des Wohnumfeldes, zum Beispiel auch durch Zwischennutzungen für Brachflächen, darf nicht außer Acht gelassen werden."

Dennoch: Das Klinikum liegt vor der Haustür. Es gibt Schulen aller Formen und sieben Kindertagesstätten, 15 kommunale Spielplätze und fünf Kinder- und Jugendklubs. Außerdem punktet Neu-Olvenstedt im Vergleich der Magdeburger Stadtteile mit viel Grün: 51 Quadratmeter Grünfläche je Einwohner weist die städtische Statistik aus. Und: "Mit öffentlichen Verkehrsmitteln bin ich in wenigen Minuten am Hauptbahnhof und im Stadtzentrum. Besser geht es kaum", schwärmt auch Stadtrat Krause.

"Uns bewegt nichts, hier wegzuziehen", erklärt Hubert Rauch, mit seiner Familie "Erstbezieher" von 1983 in Neu-Olvenstedt. "Wir wohnen hier gut, warm und preiswert, haben alles in der Nähe."

Die Wohnungswirtschaft zeigt sich ebenfalls überzeugt von Neu-Olvenstedt: "Wir glauben felsenfest an den Stadtteil", sagt Sylke Lamontain vom Vorstand der Wohnungsbaugenossenschaft Stadt Magdeburg von 1954. Ihr Kollege Oliver Hornemann, Vorstand der Genossenschaft "Otto von Guericke": "Neu-Olvenstedt ist sehr viel besser als sein Ruf. Trotz der vielen Wegzüge sind auch rund 5000 Menschen in den vergangenen zehn Jahren hergezogen", sagt Hornemann. Offensichtlich, sagen die Vermieter, überzeugten die zahlreichen millionenteuren Umbaumaßnahmen im Gebiet potenzielle Mieter.

Anke Maykopf ist seit zehn Jahren begeisterte Wahl-Olvenstedterin. "Ich kam vor zehn Jahren von Eilsleben nach Olvenstedt. Die grüne, ruhige Wohnlage und das Umfeld mit Einkaufsmärkten, Kindergärten, Schulen und guter Verkehrsanbindung haben mich überzeugt", sagt die Mutter zweier Kinder.

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