Viele Stadtteile begehen 2012 den 1075. Jahrestag ihrer Ersterwähnung. Stets geht das historische Datum auf eine Urkunde von Otto I. aus dem Jahr 937 zurück. Nicht überall sind bisher rauschende Feste geplant - außer in Ottersleben.

Ottersleben l In der von Otto I. unterzeichneten Urkunde vom 21. September 937 werden Orte wie Ottersleben, Limuntesdorp (Lemsdorf), Thieterisdorp (Diesdorf), Fridumaresleba (Fermersleben), Buchuvi (Buckau), Beyendorf oder auch Dudolon (Niederndodeleben) erwähnt. Darin gründet er das Benediktinerkloster St. Mauritius - im Stiftungsbrief des Klosters überträgt der König den Mönchen u.a. mehrere Ortschaften. Da es ältere Aufzeichnungen nicht gibt, gilt das Papier als Geburtsurkunde vieler Orte. Sie alle begehen - mehr oder weniger pompös - im kommenden Jahr die 1075. Wiederkehr ihrer ersten urkundlichen Erwähnung.

Am intensivsten betreibt Ottersleben das bevorstehende Jubiläum. Bereits vor Monaten hat sich ein Festkomitee gebildet und Aufgaben verteilt. Die beiden großen Vereine (Heimatverein und Bürger für Ottersleben, BfO) wetteifern um die besten Ideen. Ergebnis: Ein Festjahr, das am 6. Januar 2012 beginnt und seinen Höhepunkt in einer Festwoche vom 8. bis 16. September 2012 erlebt. Ein "Ottersleber Lied" ist schon gefunden, eine Festschrift schon gedruckt, der Nachdruck der legendären Peicke-Ortschronik in Vorbereitung. Ein Festumzug soll im September das 1075. Ottersleber Jahr krönen. Selbst die nahezu vergessene Ortsfahne eine möglichst hundertfache Wiederauferstehung erleben (grün-weiß-blau). Die Chancen stehen gut, denn der umtriebige Heimatverein hat herausgefunden, dass die Nationalflagge von Sierra Leone der Ottersleber Dorffahne wie ein Ei dem anderen gleicht. Vorteil: Die von Sierra Leone kann man günstig im Internet ordern, die von Ottersleben müsste man aufwändig in Heimarbeit erstellen.

Beyendorf will wieder feiern

Die zuletzt feiertechnisch so agilen Lemsdorfer haben unterdessen ihr ursprünglich für Juni 2012 geplantes 1075-Jahr-Festwochenende abgesagt. Wie es heißt, wolle man den Nachbarn aus Ottersleben keine Konkurrenz machen - stattdessen will man sich im Nachbarort einbringen. Der Anfrage der Ottersleber zu einer Beteiligung am Festumzug haben die Lemsdorfer freudestrahlend zugestimmt: "Da zeigen wir Flagge, sind mit einem Festwagen dabei und schmettern den Nachbarn unseren Lemsdorfer Lümmel-Hit ,astrein\' um die Ohren", sagt Jens Hitzeroth vom Lemsdorfer Heimatverein: "Ottersleben und Lemsdorf, das ist schon lange eine Art Fanfreundschaft." Mit einem eher bescheidenen Festjahr wollen die Lemsdorfer dennoch auf ihr Jubiläum hinweisen. Eine aktualisierte Chronik-DVD soll es geben, die 2. Lemsdorfer Lümmel-Gaudi und wieder einen Weihnachtsmarkt (Adventszauber). Der Rest ist Standard (Osterfeuer und Hoffest), wird aber unter der Marke "1075" stattfinden.

Festvorbereitungen gibt es auch in Beyendorf. Ortsbürgermeister Siegfried Geue plant mit der GWA ein Festjahr - ein Festkomitee ist schon gebildet worden. 2012 soll das in diesem Jahr ausgefallene Sülzefest auf jeden Fall wieder stattfinden.

Aus Salbke, Buckau oder Diesdorf sind bisher noch keine Vorbereitungen auf 1075-Jahr-Feste bekannt.