Altstadt l Nach dem folgenschweren Zusammenstoß zwischen einer Straßenbahn und einem Reisebus laufen bei den Magdeburger Verkehrsbetrieben die Untersuchungen an dem stark beschädigten Triebwagen. "Wir sind noch nicht an alle Teile gekommen, so dass eine endgültige Schadensbilanz noch aussteht. Wir gehen aber von einem mittleren fünfstelligen Betrag aus", sagte Birgit Münster-Rendel.

Die Straßenbahnfahrerin, die bei dem Unfall leicht verletzt wurde, sei außerdem bereits wieder einsatzfähig, erklärte sie. Der mit 13 Personen besetzte Reisebus hatte in der Nacht zum Sonnabend gegen 2.30 Uhr Mitarbeiter eines Magdeburger Bekleidungsgeschäftes von einer Betriebsfeier abgeholt. Der 55-jährige Fahrer übersah nach den Ermittlungen des Magdeburger Unfalldienstes eine in Richtung Uniplatz fahrende Straßenbahn und prallte mit ihr zusammen. Die Bahn entgleiste. Zum Zeitpunkt des Zusammenstoßes war die Ampel ausgeschaltet. Sie soll die sichere Überquerung der Straßenbahntrasse entlang der Fußgängerzone für den Auto- und Radverkehr sichern.

Nach Angaben von Stadtsprecherin Cornelia Poenicke ist die Ampel regulär montags bis freitags zwischen 21 und 5 Uhr und Sonnabend sowie am Sonntag von 21 bis 7 Uhr abgeschaltet. Da noch völlig unklar sei, warum der nichtalkoholisierte professionell arbeitende Fahrer die Straßenbahn übersehen hat, sehe die Stadt zunächst "keinen Grund, die Verkehrsorganisation an dieser Stelle zu ändern", sagte Poenicke. "Erst muss die Unfallursache genau geklärt werden." Ansonsten stehe aber fest, dass sich die Kreuzung Julius-Bremer-Straße/Ecke Breiter Weg bisher nicht als Unfallschwerpunkt erwiesen habe.

Das bestätigte auch MVB-Sprecherin Birgit Münster-Rendel. "Wir haben an dieser Stelle noch nie große Probleme oder gar Unfälle gehabt." Die Ampel in der Julius-Bremer-Straße war bereits 2009 Inhalt eines Stadtratsantrages, der aber in einer Stellungnahme der Verwaltung abgelehnt worden war. Darin wurde gefordert, diese abzubauen und eine Regelung ähnlich der Kreuzung Breiter Weg/ Große Steinernetischstraße zu finden. Die Begründung: Während Autofahrer bei langen Rotphasen stehen müssen, da sich an der Stelle die Bahnen die Vorfahrt über Funk holen, wird die Ampel von Fußgängern und Radfahrern oft ignoriert. Aus diesem Grund würde der Abbau den Verkehrsfluss verbessern und die Überquerung eher sicherer machen, so die Vermutung der Stadträte damals. Der Unfall am vergangenen Sonnabend dürfte nun ein neues Licht auf die Diskussion werfen.

Die Ampel war im November 1969 wegen Unfallhäufungen zwischen Straßenbahnen und Autos in Betrieb genommen worden.

 

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