Minutengenaue Anzeige beim Warten auf die Bahn - noch ist es ein Test an den Haltestellen Allee-Center. Den ersten Störfall gab es schon. Für die MVB aber steht fest: weitere Haltestellen werden ausgestattet - außerdem drei Einkaufscenter.

Altstadt l Einkaufsbummel im City Carré. Ein Blick auf die Anzeigetafel weist aus: Die Straßenbahn am Bahnhofsvorplatz kommt erst in 5 Minuten. Die an der Haltestelle Otto-von Guericke-Straße wird in 6 Minuten eintreffen. Zeit, noch etwas zu erledigen, zumindest den Laufschritt einen Gang herunterzufahren.

Was sowohl in diesem Einkaufszentrum als auch im Allee-Center noch (nahe) Zukunft ist, ist direkt an der Haltestelle gegenüber McDonald\'s Wirklichkeit: Die MVB testen dort bereits seit einer Woche ein neuartiges dynamisches Anzeigensystem. Die beiden Anzeiger arbeiten nach dem Countdown-System. Sie geben in Minutenschritten abwärtszählend die Ankunftszeit der erwarteten Straßenbahn an - 6 ... 5 ... 4 ... Minuten bis Eintreffen. Ein Steckenbleiben im Stau und andere Verzögerungen werden berücksichtigt. Die Daten werden über das rechnergestützte Betriebsleitsystem (RBL) übermittelt, an den Anmeldepunkten auf der Strecke aktualisiert, sagte MVB-Pressesprecherin Birgit-Münster-Rendel.

Auf den Monitoren der beiden ersten Anzeiger an der Versuchshaltestelle wird zurzeit noch ausgewiesen, dass es sich um einen Testbetrieb handelt. Eine vorsorgliche Information - einer der Anzeiger musste tatsächlich wenige Tage nach Einschalten am 21. Januar wieder demontiert werden - Datensalat. "Jetzt wird die Ursache untersucht, der Mangel abgestellt", sagte die Pressesprecherin. Nächste Woche soll das elektronische Gerät wieder angebracht werden, hieß es weiter.

21 solcher Anzeiger sollen laut MVB-Auskünften noch in die sem Jahr, sechs weitere 2013 an Schlüsselhaltestellen (siehe Info-Kasten) installiert werden. Fast eine halbe Million Euro investiert das städtische Verkehrsunternehmen in die Technik des Herstellers Lumino GmbH Krefeld. Durchschnittlich 17 500 Euro inclusive Mast, Fundament, E-Anschluss, Ansagefunktion kostet eine einzige Anzeige. Die hohen Investitionen rechtfertigen die MVB: Das dynamische System der neuen Anzeigergeneration erhöhen eindeutig die Attraktivität des öffentlichen Personennahverkehrs. Die Anzeiger unterstützen auch die Bemühungen um Blinde und Sehschwache. Nicht nur, dass die Anzeigen besser zu sehen sind - per Knopfdruck kann akustisch eine Ansage zu den Ankunftszeiten angefordert werden. Ein aktuelles Anliegen. Die FDP-Ratsfraktion hatte sich kürzlich in Aktivitäten des Behindertenbeauftragten auch zu solchen Fragen eingebracht.

An den meisten Haltestellen werden sich die Anzeiger so wie die Prototypen am Allee-Center präsentieren. "In den drei Einkaufszentren kommen 32 LCD-Monitore zum Einsatz", erklärte Birgit Münster-Rendel. An der Kastanienstraße als Schlüsselhaltestelle außerhalb der Innenstadt soll hingegen eine 10-zeilige Anzeige installiert werden.

Der Mangel einiger (auch der beiden Testgeräte am Haltepunkt Allee-Center) besteht darin, dass sie nur einseitig mit Displays bestückt sind. Das sei ein Kostenproblem gewesen, hieß es. Die neuen Anzeiger werden übrigens vom Land finanziell gefördert.

Wie andere Verkehrsunternehmen werben die MVB mit diesen und anderen technischen Rafinessen um Kunden. Sowohl bessere Informationen über Ankunft und Abfahrt als auch der Sicherheitsgedanke spielen dabei eine zunehmende Rolle.

In den Bahnen selbst, so Birgit Münster-Rendel zu den Aktivitäten, werden die Lichtbänder der optischen Haltestellenanzeigen durch Monitore ersetzt. Sie seien größer, besser wahrnehmbar und weisen auch die nächsten drei bis vier Haltestellen aus. Verdichtet werden soll überdies die Video-Überwachung in Bussen und Bahnen. Alle elf für dieses Jahr avisierten neuen Niederflur-Straßenbahnen sind mit Kameras bestückt, erklärte die Pressesprecherin. Was die Installation der Anzeigen in Einkaufszentren betrifft, so ist laut MVB noch ein drittes Center vorgesehen. Gespräche dazu werden noch geführt.

 

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