Straßenbahnen rollen im Schneckentempo von 10 km/h, Autos mit gedrosselten 30 km/h: Ab heute gelten auf der 132 Jahre alten Anna-Ebert-Brücke Geschwindigkeitsbeschränkungen. Um sie vor weiteren Schäden zu schützen, muss die Brücke geschont werden.

Magdeburg l Das Tiefbauamt zieht die Notbremse: Mit einer deutlichen Geschwindigkeitsbegrenzung für Straßenbahnen und Autos soll die Anna-Ebert-Brücke ab heute geschont und somit vor weiteren Schäden geschützt werden. Seit Langem ist bekannt, dass sich an Gewölben der denkmalgeschützten Überführung über die Alte Elbe Risse gebildet haben. Bei zwei Gewölben ist gar von starken Beschädigungen die Rede. "Normalerweise müssen solche Brücken alle 6 Jahre genau untersucht werden. Bei der Anna-Ebert-Brücke lassen wir das aufgrund der bekannten Mängel sogar schon einmal im Jahr machen", erklärte Tiefbauamtsleiter Thorsten Gebhardt gestern der Volksstimme. Dabei habe sich nun gezeigt, dass sich der Zustand des Ziegelgewölbes und der Fugen weiter verschlechtert hat, sagte Gebhardt. Das Amt reagiert: Ab heute gilt Schneckentempo 10 für die Straßenbahnen und für alle anderen Motorisierten gedrosseltes "Tempo 30". Das sei nötig, um die Belastungen für das Brückenbauwerk durch die Schwingungen zu reduzieren. "Und die werden besonders bei den ungefederten Straßenbahnen übertragen", erläutert der Tiefbauamtsleiter. Deshalb auch die drastische Reduzierung für die Bahnen auf nur noch 10 km/h. Für alle anderen Motorisierten gilt Höchstgeschwindigkeit 30. Die Brücke ist standsicher, betont Gebhardt. "Wir müssen aber aufpassen, dass die Schäden nicht extrem weiter zunehmen." Eine Instandhaltung zum jetzigen Zeitpunkt wäre nur bei Vollsperrung möglich. Dann bliebe allein der Nordbrückenzug als Elbüberquerung. Das Verkehrschaos wäre perfekt.

Die Stadt hofft vielmehr, eine Sanierung so lange hinausschieben zu können, bis die Strombrückenverlängerung realisiert ist. Das Projekt sieht u.a. eine neue Querung über die Zollelbe und Alte Elbe vor. Die Straßenbahnen rollen dann auch nicht mehr über die Anna-Ebert-Brücke, was das denkmalgeschützte Bauwerk nachhaltig entlasten soll. Insofern zeigt die sich jetzt zuspitzende Situation an der Anna-Ebert-Brücke die Brisanz der aktuellen Diskussion um die Verbesserung der südlichen Elbüberquerung. Gerade erst hatte eine Studie der Umweltbehörde den Plan der Stadt für den Neubau einer Pfeiler-Brücke über Zoll- und Alte Elbe vereitelt. Das sei ein zu starker Eingriff in das Naturschutzreservat (FFH-Gebiet). Biber, Libellen und Fischotter könnten gefährdet sein (Volksstimme berichtete).

Diskutiert wird auch die Alternative mit einer freitragenden Pylonbrücke, wobei fraglich ist, ob die 47 Millionen Euro für die Stadt jemals bezahlbar sein werden (Pfeilervariante: 32 Mio. Euro). Die Ratsfraktion SPD-future! hatte alternativ vorgeschlagen, die Straßenbahnen über die alte Kohlebahnbrücke zu leiten (baulich schwierig) oder diese abzureißen. Damit könnte der Natur wieder Raum zurückgegeben werden, was die Spielräume im Bereich des geplanten Brückenneubaus vielleicht verbessert, so die vage Hoffnung. Die teilt wohl auch die Verwaltung. "Wir suchen nach einer Lösung, die den FFH-Belangen gerecht wird", sagt dazu Baubeigeordneter Dieter Scheidemann.